Demo nach Tod von Mohamed Idrissi

Mohamed Idrissi starb bei einem Polizeieinsatz in Gröpelingen durch Schüsse aus der Waffe eines Polizisten. Am Samstag haben 200 Menschen für eine lückenlose Aufklärung seines Todes demonstriert.

Foto: Sara Sundermann

Die Demonstrierenden forderten eine lückenlose Aufklärung, wie es zu dem Tod von Mohamed Idrissi kam.

Etwa 200 Menschen haben sich am Samstagmittag zu einer Kundgebung auf dem Ziegenmarkt im Viertel versammelt. Sie forderten eine lückenlose Aufklärung des eskalierten Polizeieinsatzes in Gröpelingen im Juni, bei dem ein Marokkaner durch Schüsse eines Polizisten starb. Der 54-Jährige war psychisch krank, fühlte sich offenbar bedroht und hatte ein Messer gezogen, mit dem er auf einen Polizisten zulief, bevor dieser auf ihn schoss.

Zu der Demonstration hatten verschiedene Flüchtlingsorganisationen aufgerufen, darunter der Flüchtlingsrat und das Bündnis „Justice for Mohamed“. Auch das Bremer Bündnis gegen Rechts und die Gruppe Omas gegen Rechts unterstützten den Protest. Die Demonstranten zogen vom Ziegenmarkt zum Goetheplatz und vor die Innenbehörde. Laut Veranstaltern und Polizei verlief der Protest friedlich.

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Bei der Kundgebung sprachen auch Angehörige von Idrissi, als Erstes seine Tochter Aicha Meisel-Suhr: „Wir werden nicht schweigen, wir fordern lückenlose Aufklärung“, sagte sie. „Wir können einfach nicht verstehen, wie aus einer Kellerräumung ein voll bewaffneter Einsatz werden konnte.“ Die Polizisten hätten nicht deeskaliert, sondern ihren Vater angeschrien. Zu dem Einsatz kam es, weil die Polizei eine Wohnungsbegehung begleitete. Die Wohnungsgesellschaft hatte Idrissi als Mieter gekündigt.

Waren die Polizisten zu jung?

„Warum hat die Polizei so reagiert? Warum hat man nicht den sozialpsychiatrischen Dienst geholt? Warum hat man so junge Polizisten, die frisch von der Akademie kamen, zu dem Einsatz geschickt?“ Diese Fragen stellt Idrissis Schwägerin Nadia Rachchag. Von den beteiligten vier Polizisten sei niemand älter als 24 Jahre alt gewesen, betont sie und fragt: „Wo waren die alten Hasen, die Polizisten mit der langjährigen Erfahrung, die wissen, wie man mit solchen Situationen umgeht und die Waffe im Halfter stecken lässt?“

„Um wirklich zu verstehen, was am 18. Juni passiert ist, müssen durch die Polizei und den Innensenator noch viele entscheidende Fragen beantwortet werden“, sagt Nazanin Ghafouri vom Bündnis „Justice for Mohamed“. Fälle wie dieser würden selten von den Ermittlungsbehörden selbst vollständig aufgeklärt. Das habe man beispielsweise beim Umgang mit den NSU-Morden gesehen.

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„Konflikte lassen sich auch ohne Polizei lösen“, betonen die Organisatoren der Demo in einem Flugblatt. Besser ließen sich Probleme oft mit Mediation, Nachbarschaftshilfe oder Psychologen angehen.

Zum Tod von Idrissi ermittelt bei der Kriminalpolizei das Referat ‚Interne Ermittlungen‘ im Auftrag der Staatsanwaltschaft. Im Juli blieben viele Fragen von Politikern zu dem Einsatz in der Innendeputation unbeantwortet – mit Verweis darauf, dass es sich um ein laufendes Verfahren handele.

+ + + Dieser Artikel wurde um 19.06 Uhr aktualisiert + + +

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