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Hafenbar am Lankenauer Höft
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Die Golden City erweckt Bremer Hafengeschichten zum Leben

Elena Matera 04.08.2019 0 Kommentare

Frauke Wilhelm (links) und Nomena Struß verwandeln sich in die Figuren Ramona und Ramon.
Frauke Wilhelm (links) und Nomena Struß verwandeln sich in die Figuren Ramona und Ramon. (Sebi Berens)

Behutsam zieht Frauke Wilhelm einen schwarzen Lidstrich, steckt eine letzte Haarklammer in ihre Frisur, wackelt mit dem Kopf: „alles fest.“ Sie schlüpft in das grüne Kostüm. Ein prüfender Blick in den Spiegel – „fertig“, sagt sie und breitet die Arme aus. Die 54-Jährige ist bereits ganz in ihrer Rolle der Ramona Ariola, der Wirtin der Hafenbar Golden City. Eine, die alles wisse, „die Strippenzieherin“. Die Schauspielerin Nomena Struß pudert sich währenddessen das Gesicht. Sie tupft etwas Kleber über die Oberlippe, „Teufelszeug“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Vorsichtig klebt Struß den kleinen Bart an. Nur noch etwas roten Lippenstift – schon hat auch sie sich verwandelt: in Ramon Locker, den Koberer. „Der Lippenstift in Kombination mit dem Bart verwirrt viele“, sagt sie. „Mann, Frau, Frau, Mann? Wer weiß das schon.“ Sie zuckt mit den Schultern. „Ist doch egal.“

Wilhelm und Struß alias Ramona und Ramon bereiten sich in einem Container auf die bevorstehende Veranstaltung in der Hafenbar Golden City am Lankenauer Höft vor. Seit 2013 begrüßen die Beiden in eben jenen Figuren das Publikum in der urigen Hafenbar. Der Container steht direkt neben der Golden City. Es ist ein schwüler Sonntagnachmittag, die Sonne scheint, Möwen kreischen. Mehrere Besucher trinken Bier, Schorlen und Wasser auf Bierbänken – mit Blick auf die Weser. Zunächst lag die Bar im Europahafen. Seit vergangenem Jahr ist sie im ehemaligen Fährhaus am Lankenauer Höft, auf der Landzunge zwischen Neustädter Hafen und Weser, zu finden. Bis Ende August wird die Golden City noch ihre Türen öffnen. Dann heißt es: Abschied nehmen. Denn der Standort wurde kürzlich von einer Investorengemeinschaft gepachtet. Die Hafenbar muss gehen. „Wir wissen nicht, wie es weitergehen wird“, sagt Wilhelm. Aber sie ist zuversichtlich. „Irgendwo finden wir schon einen Platz.“

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Das Projekt Golden City liegt Wilhelm und dem ganzen Team sehr am Herzen. Es entstand als musikalische und theatrale Verarbeitung der Geschichten rund um das ehemalige Seemannslokal Golden City und gut 50 weiteren Hafenbordelle an der sogenannten Waller Küste. Mit den Figuren Ramona und Ramon sollen die alten Hafengeschichten aus der damaligen Zeit den Besuchern näher gebracht werden. „Der Hafen bedeutete für die Bremer: Sehnsucht nach der Fremde, nach fernen Ländern“, sagt Wilhelm, „Seefahrtsromantik.“ In der Hafenbar gibt es deshalb verschiedene Veranstaltungen. In der sogenannten Lokalrunde werden etwa Lieder von Abba, Marianne Rosenberg bis Hildegard Knef mit dem Publikum gesungen.

Auch für die jüngeren Gäste gibt es Angebote, etwa Poetry Slams oder Konzerte. Und immer sind die beiden Hauptfiguren dabei: Ramona und Ramon. Wilhelm und Struß verlassen ihren Container, gehen zurück in die Hafenbar. Noch eine halbe Stunde haben sie Zeit. Dann beginnt die Veranstaltung. Erst sollen Seemannslieder geschmettert werden, danach gibt es einen Ausflug in den Neustädter Hafen. Pierinspektor Armin Hormann wird die Tour leiten. Der 74-Jährige war lange Zeit Kapitän auf hoher See. Er kennt den Hafen und auch das originale Seemannslokal Golden City, das in den 80er-Jahren geschlossen wurde. „Ich war da sehr jung“, sagt er. „Ich weiß, dass die Golden City immer sehr dunkel war, verrucht.“ Der Pierinspektor lacht.

„Viele wissen heute gar nicht mehr, dass wir einen Hafen haben"

Er wird den Gästen auf dem Ausflug den Neustädter Hafen zeigen, ihnen die Geschichte und die Bedeutung des Hafens erklären. „Viele wissen heute gar nicht mehr, dass wir einen Hafen haben“, sagt er. „Es hat sich viel verändert.“ Das Projekt Golden City findet Hormann gut. „Man muss in die Vergangenheit schauen, um die Zukunft gestalten zu können“, sagt er. Es ist seiner Meinung nach wichtig, die Geschichte des Hafens aufrechtzuerhalten, auch für die Stadtentwicklung. „Die Golden City darf nicht sterben.“

Dann ist es soweit. Es ist 15 Uhr, die Veranstaltung beginnt. Die Gäste haben sich bereits in der Hafenbar versammelt. Wilhelm und Struß treten in ihren Rollen als Ramona und Ramon vor das Publikum. Wilhelm erzählt zunächst Geschichten über den Hafen. Sie berichtet, wie die bedeutende Werft AG Weser an der Stelle stand, wo heute die Waterfront liegt oder wie auf der Landzunge Lankenau einst ein Dorf stand mit einem langen Strand. Der Neustädter Hafen wurde in den 60er-Jahren gebaut. Damals sollen dort gut 1000 Schiffe im Monat ein- und ausgefahren sein. Das hat sich mit der Zeit geändert. „Heute sind es vielleicht acht bis zwölf. Stimmt das, Armin?“, fragt Wilhelm den Pierinspektor. Hormann nickt.

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Der nächste Programmpunkt: die Hafenlieder. Wilhelm nimmt die Gitarre, Struß greift zur Blockflöte. „Jetzt gibt es etwas Seefahrtsromantik“, sagt Wilhelm. Sie fängt an zu singen: das Lied „Unter fremden Sternen“ von Freddy Quinn. Mehrere Gäste stimmen lauthals mit ein, einige summen selig mit: „Fährt ein weißes Schiff nach Hongkong, hab’ ich Sehnsucht nach der Ferne.“


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Leserkommentare
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