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Die grüne Stadt

Patricia Brandt 15.04.2019 3 Kommentare

Sebastian Sowas Siegerentwurf eines Wettbewerbs zeigt eine Gartenstraße. 
Sebastian Sowas Siegerentwurf eines Wettbewerbs zeigt eine Gartenstraße.  (Sowatorini Landschaft)

Aus Autostraßen könnten Gartenstraßen werden. Diese Zukunftsvision hat Landschaftsarchitekt Sebastian Sowa 2015 für den Studierendenwettbewerb „Grün in der Stadt“ des Bundes entwickelt und gewonnen.

Ortswechsel: Wo früher Güterzüge durch New York rauschten, können Passanten heute neun Meter über der Stadt im Grünen spazieren: Bürger haben sich dafür eingesetzt, dass eine ungenutzte Bahntrasse zu einem der ungewöhnlichsten Parks der Welt wurde: Der High Line in Manhattan. Wie grün wird Deutschland in Zukunft sein? Zwölf Städte, darunter Bremen, haben sich beim Bund als Modellstädte beworben, um dieser Frage nachzugehen. Erste Antworten bringt jetzt das Projekt „Green Urban Lab“ im Bremer Westen hervor.

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Was ist das Green Urban Lab? Es handele sich um ein neues Forschungsfeld des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus, sagt Stephanie Haury, Projektleiterin beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Die Bedeutung des Grüns in der Stadt steige wegen des Klimawandels, gleichzeitig werde urbanes Grün bei Bauvorhaben nachrangig behandelt. Mit finanzieller Unterstützung sollen nun die zwölf Modellstädte als grüne Stadtlabore bis 2020 untersuchen, wie sich das Grün in der Stadt stärken lässt. Das Austesten innovativer Ansätze sei ausdrücklich erwünscht, so Stephanie Haury.

Grüne Infrastruktur soll Überhitzung der Stadt abmildern

In Bochum werde zum Beispiel gerade ein Sportplatz zurückgebaut und zum grünen Treffpunkt gemacht. Das Lab in Jena untersuche, wie sich durch grüne Infrastruktur das Problem einer zunehmenden Überhitzung der Stadt durch den Klimawandel abmildern lässt. Das Lab Grüne Welle in Rostock arbeite wie das Lab Grüner Bremer Westen mit den Schrebergartenvereinen zusammen: Hier gelte es, das Engagement der Kleingartenvereine mit neuen Formen des städtischen Gärtnerns zu verbinden.

Projektleiterin des Bremer Modellversuchs ist Lisa Hübotter, Mitarbeiterin des Umweltressorts. Sie arbeitet seit 2017 an einer Vernetzung der unterschiedlichen Akteure im Gebiet. Das, was sie als Ausgangslage vorfand ist, dies: Ein riesiges, in Teilen vernachlässigtes und ungenutztes Kleingartengebiet zwischen Blockland, Gröpelingen und Walle. Dort, wo früher gegärtnert wurde, gebe es heute viel Leerstand und illegale Müllablagerungen: "Wir haben verschiedene Problemlagen, aber das Gebiet hat viel Potenzial“, ist Lisa Hübotter überzeugt.

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Die Stadt Bremen wolle hier langfristig einen Naherholungspark anlegen. Das Gebiet soll von Bebauung freigehalten werden, berichtet die Projektleiterin. Es gehe aber nicht darum, ein Biotop zu schaffen, das vom Menschen nicht genutzt werden kann. „Wir stellen es uns eher so vor, dass man nach Feierabend durch den Bremer Westen radeln und sich ein paar Quitten pflücken kann“, sagt Hübotter. „Wir verstehen das Ganze als
öffentlichen Grünraum.“

Gemeinschaftsgärten für soziale Integration

Statt einzelner Gärten könnten in dem Gebiet in Zukunft Gemeinschaftsgärten entstehen. Gedacht wird an Projekte für soziale Integration. Gerade hat der Verein Sozialökologie ein Projekt mit dem Arbeitstitel „Selbsterntegärten“ beantragt. Potenzial bietet der Bremer Westen nicht nur für Naherholung, sondern auch für Tiere. „Spannend ist dabei, dass wir eine Kooperation mit der Hochschule Bremen begonnen haben“, berichtet die Projektleiterin. Schon jetzt sei klar, dass das Nebeneinander von genutzten und ungenutzten Parzellen eine Bedeutung für die Vielfalt an Arten habe. Auch für die Insektenwelt. Ein großes Thema sei aktuell die Anlage von Blühstreifen.

„Es ist ein spannendes Gebiet“, urteilt auch Iris Woltmann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule Bremen, „auf den ersten Blick ist das Gebiet unspektakulär, aber es bietet viele Nischen für Tierarten.“ Bei der Kartierung des Kleingartengebietes zwischen Autobahn und Graben- und Grünlandgebieten hat die Hochschule unter anderem drei bedrohte Fischarten nachgewiesen: Bitterling, Steinbeißer und Karausche. Bei fast der Hälfte der mehr als 6500 gefangenen Fische handelte es sich um Bitterlinge. Dies fanden die Wissenschaftler insofern interessant, als der Bitterling zur Fortpflanzung die Großmuschel braucht, in der er seine Eier ablegt. 

Arbeit und Lernzentrum (alz)
Dort, wo noch vor wenigen Monaten Wildnis war, befindet sich heute ein urbaner Garten. Hier wachsen unter anderem Mais, Rhabarber, Zuckererbsen, Wasabi-Rucola und alte Kartoffelsorten. Das Besondere: Sie sprießen nicht in Kübeln, sondern in Bettgestellen, Spülbecken, Bäckerkisten und Schuhschränken.
Die Idee dahinter hatte Sabine Heinsohn:
Wallmühle
Zucchini und Mangold zwischen Blühpflanzen: Vor der Mühle am Wall sind im Mai jeweils 100 Mangold- und Zucchini-Setzlinge gepflanzt worden. Damit unternimmt Bremen einen ersten zaghaften Versuch in Richtung
Fotostrecke: Diese Urban Gardening-Projekte gibt es in Bremen

Noch sei unklar, ob es sich bei dem Bitterling um die heimische Art, den Rhodeus amarus, handelt oder um den möglicherweise von Aquarianern eingeschleppten Hongkong-Bitterling, den Rhodeus ocellatus, wie Woltmann sagt. Beide ähnelten sich äußerlich sehr. Um Unterschiede in der Genetik nachzuweisen, untersucht die Hochschule eine kleine Anzahl von Bitterlingen in Zusammenarbeit mit einer Forschungseinrichtung in Bonn. Unter anderem wurde ein Skelett eines Bitterlings rot eingefärbt, um eine Abweichung beim Skelett-System nachzuweisen.

Bremer Senat denkt über frei nutzbare Selbsterntegärten nach

Nicht nur im Bremer Westen sollen Bremer in Zukunft die Gelegenheit erhalten, sich zu erholen und Gemüse, Obst und Kräuter anzubauen. Die Idee, in der Stadt für jeden frei nutzbare Selbsterntegärten anzulegen, könnte an vielen zentralen Orten der Hansestadt Schule machen: Zumindest brütet der Bremer Senat auf Anfrage der Bündnisgrünen seit 2018 über einer Liste möglicher Orte. Dass es so lange dauert, Bremen zu einer essbaren Stadt zu machen, begründete die Verwaltung unlängst mit einem hohen Regelungsaufwand bei der Ausweisung solcher Flächen. Wenn das Auto nicht mehr die dominierende Mobilitätsform ist, meint der damalige Preisträger des Studierendenwettbewerbs Sebastian Sowa, könnten Straßenräume zu Waldstraßen, Spielstraßen, Kornstraßen oder eben Gartenstraßen werden.

So könnte die radikale Umplanung der Nachkriegszeit, unter dem Schlagwort der autogerechten Stadt, nun eine große Chance sein, so Sowa, der inzwischen ein Landschaftsarchitekturbüro betreibt. „Man muss, um solche Projekte schon umgesetzt zu sehen, heutzutage eher nach Skandinavien und in die Niederlande schauen, die, nach meiner Einschätzung, einfach mutiger und konsequenter sind.“


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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