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Politisches Interesse wächst
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Die kleinen Parteien in Bremen legen zu

Pascal Faltermann 01.10.2018 8 Kommentare

Während die regierende SPD in der großen Koalition bundesweit weiter leicht an Zustimmung unter den Bürgern verliert, legen die Grünen einer Forsa-Umfrage zufolge zu.
Während die regierende SPD in der großen Koalition bundesweit weiter leicht an Zustimmung unter den Bürgern verliert, legen die Grünen einer Forsa-Umfrage zufolge zu. (Carmen Jaspersen/dpa)

Die Politikverdrossenheit der Bürger ist bundesweit ein Dauerthema. In Bremen dagegen wächst offenbar das Interesse an politischen Themen. Das lässt sich zumindest aus den derzeitigen Entwicklungen bei den Zahlen der Parteimitgliedern schließen. Die Bremer Grünen feiern einen neuen Mitgliederrekord und haben im dritten Quartal 2018 erstmals die Zahl von 730 Mitgliedern überschritten.

Auch die Linken, FDP, Alternative für Deutschland (AfD) und Bürger in Wut (BIW) legen seit dem Jahreswechsel ordentlich zu. Die Sozialdemokraten hingegen stagnieren: Seit Anfang des Jahres ist ihre Mitgliederzahl um eine Person gestiegen. Am härtesten trifft es die Bremer CDU, die im gleichen Zeitraum 14 Mitglieder weniger verzeichnet. Bei allen Parteien gilt: Das Saldo ergibt sich aus den Ab- und Zugängen.

Die Bremer Grünen haben das dritte Quartal mit 737 Mitgliedern beendet, was seit dem Jahreswechsel einen Zuwachs von 43 Personen bedeutet. Die Neumitglieder bei den Grünen seien oft jung und in der Mehrheit weiblich, sagt Søren Brand, Sprecher der Partei. Der Trend setzt sich laut der Grünen-Landesvorsitzenden Alexandra Werwath weiter fort: „Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange: Wir bekommen weiterhin viele Mitgliedsanträge und wollen unser 750. Mitglied im kommenden Quartal begrüßen."

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Laut ihren Schilderungen geben viele neue Mitglieder als Motivation den Umwelt- und Klimaschutz sowie den Kampf gegen den erstarkenden Rechtsruck in Deutschland an, dem sie demokratische Werte entgegensetzen wollen. Das zeige, dass das Engagement der Grünen für eine gemeinsame, weltoffene und umweltfreundliche Zukunft die Menschen motiviere, sich einzusetzen, so Werwath. „Ich freue mich besonders, dass die Mehrheit unserer neuen Mitglieder weiblich ist. Das bedeutet, dass in Zukunft mehr Frauen grüne Politik mitgestalten werden,“ sagt auch Hermann Kuhn, Sprecher des Landesvorstandes.

Ähnlich stark gewachsen ist der AfD-Landesverband. Laut Thomas Jürgewitz, stellvertretender Landesvorsitzender, hat sich die Mitgliederzahl seit Jahresbeginn von etwa 130 auf 170 Personen erhöht. Den Zuwachs erklärt er vor allem mit dem Bundestrend. „Wir legen derzeit in allen Umfragen zu“, so Jürgewitz. Einige Bewerber, die vor Parteibeitritt ein einstündiges Gespräch mit dem Vorstand führen müssten, habe die AfD sogar gar nicht erst aufgenommen.

Auch die Linken im Aufwärtstrend

Bei der Bremer FDP wuchs die Mitgliederzahl in 2018 von 358 auf aktuell 386 Personen an. „Seit 2014 haben wir stetigen Netto-Mitgliederzuwachs“, sagt Magnus Buhlert, stellvertretender Landesvorsitzender der Liberalen. Die Gründe dafür seien zunächst, dass den Neumitgliedern die FDP in Bürgerschaft und Bundestag fehlten. „Seit der erfolgreichen Bundestagswahl ist es insbesondere die Kritik an der regierenden Groko und am Bremer Senat mit ihrer Politik, die Menschen dazu bewegt, Mitglied zu werden“, so Buhlert.

Auch die Bremer Linken befinden sich im Aufwärtstrend. „Aktuell haben wir knapp 600 Mitglieder“, sagt Landesgeschäftsführer Andreas Hein-Foge, Anfang des Jahres seien es noch 579 gewesen. Das sei aber nicht die höchste Zahl: 2010 habe die Linkspartei mal circa 620 Mitglieder gezählt, darunter seien aber viele Nichtzahlende mit erheblichen Beitragsrückständigen gewesen.

„Im Jahr 2017 haben wir im Zuge der Bundestagswahlen und der Rechtsentwicklung in der Gesellschaft sehr viele Eintritte verzeichnet“, sagt Hein-Foge. Die Tendenz sei weiterhin steigend. Tim Ruland, stellvertretender Landessprecher der Linken, erklärt: „Ich schätze, da wir als Fraktion und Partei konstruktiv Lösungsvorschläge und Alternativen aufzeigen, sind immer mehr Menschen der Meinung, uns nicht nur zu wählen, sondern auch, sich aktiv in der Partei an der Entwicklung zu beteiligen.“

Der Verlierer ist die Bremer CDU. Waren es zum Ende 2017 noch 2207 Mitglieder, sank die Zahl auf 2193 Christdemokraten Ende des dritten Quartals. Die Mitgliederzahlen seien im Trend seit Jahren rückläufig, in den Jahren zuvor sogar noch deutlicher, heißt es von der Partei. „Die Kandidatur von Carsten Meyer-Heder hat uns in diesem Jahr aber noch einmal einen guten Schub gegeben und Neueintritte generiert“, sagt CDU-Sprecherin Rebekka Grupe.

Die CDU spüre, wie andere große Volksparteien, den demographischen Wandel. Austritte durch Todesfälle würden nicht durch Neueintritte kompensiert. Die SPD hatte im Land Bremen zum 31. Dezember 2017 mit 4248 die meisten Mitglieder einer Bremer Partei und konnte die Zahl halten. Mit einem zusätzlichen Sozialdemokraten stagniert die Zahl im Jahr 2018 allerdings. Erstmals seit sieben Jahren hatte die SPD 2017 im Vergleich zum Vorjahr wieder zugelegt. Die Mitgliederzahl stieg von 4140 auf 4248. Sechs Mitglieder mehr verzeichnen die Bürgern in Wut (BIW) in diesem Jahr, wie der Bundesvorsitzenden Jan Timke mitteilt. Trotz einiger Abgänge zur AfD habe die Partei „einen neuen Höchststand erreicht“, so Timke.

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Aktuelle Sonntagsfrage

Während die regierende SPD in der großen Koalition bundesweit weiter leicht an Zustimmung unter den Bürgern verliert, legen die Grünen einer Forsa-Umfrage zufolge zu. Erstmals seit dem Reaktorunfall in Fukushima 2011 liegen die Grünen im Trendbarometer von RTL und N-TV mit 17 Prozent knapp vor den Sozialdemokraten (16 Prozent). Die überraschende Abwahl des ehemaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder hatte keinen Einfluss auf die Zustimmung zur Union, die aktuell bei 28 Prozent liegt. Die AfD landete mit 15 Prozent Zustimmung auf Platz vier. Die Linken kamen auf zehn, die FDP auf neun Prozent.

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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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