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Skandal in Bremen vor 50 Jahren
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Die Protagonisten des Baulandskandals

Frank Hethey 11.07.2019 2 Kommentare

Aufgedeckt hatte den Skandal der junge WK-Redakteur Ulrich Manz (Zweiter von rechts).
Aufgedeckt hatte den Skandal der junge WK-Redakteur Ulrich Manz (Zweiter von rechts). (Klaus Sander)

Ulrich Manz

Der Baulandskandal wäre ohne ihn niemals ans Licht gekommen: Noch als Volontär begann Ulrich Manz mit der Recherche zu den dubiosen Grundstückgeschäften im Hollerland, am 24. Juni 1969 wurde der Auftaktartikel des 25-jährigen Jungredakteurs abgedruckt. „Er war schon stolz darauf“, sagt seine Witwe Delia Dornier-Schlörb, er habe sich stets als investigativen Journalisten gesehen. Geboren wurde Ulrich Manz am 23. Oktober 1943 in Lauenburg/Hinterpommern, heute Lębork (Polen), damals ein 19 000 Einwohner-Städtchen. Mit ihm und zwei älteren Geschwistern gelang seiner Mutter mit dem letzten regulären Zug am 25. Januar 1945 die Flucht vor der Roten Armee. Aufgewachsen ist Manz in Delmenhorst, seine journalistische Laufbahn begann er 1967 mit dem Volontariat beim WESER-­KURIER, den er jedoch trotz Festanstellung als Redakteur 1970 wieder verließ. Nach Auskunft seines Sohnes Jan Manz wechselte er nicht im Streit. Vielmehr habe der ambitionierte Journalist ein Angebot des „Kölner Stadtanzeigers“ angenommen, dessen Eigentümer an der Vergabe des Wächterpreises beteiligt war, den er 1969 für die Aufdeckung des Baulandskandals erhalten hatte. „Meine Mutter erinnert dies als einen ‚beruflichen Schritt nach vorne’“, sagt Jan Manz. Von 1972 bis 1983 arbeitete Manz als Reporter und Moderator beim Hessischen Rundfunk, danach schrieb er bis 1996 für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Mit seiner zweiten Frau lebte Manz von 1996 bis 2001 in Israel, daraus entstand sein Erfahrungsbuch „Das Jerusalem-Virus“ (2004). Seine letzte berufliche Station war der Posten des Kommunikationschefs der Deutschen Flugsicherung von 2003 bis 2008. ­Ulrich Manz starb am 7. Januar 2019 im Alter von 75 Jahren in Frankfurt/Main.

Wilhelm Lohmann

Eine Hauptfigur des Baulandskandals war der Grundstücksmakler Wilhelm Lohmann, Spitzname „Millionen-Willi“. Durch seinen Eintritt in die SPD 1959 öffneten sich ihm die Türen zur Macht, mit seinem Duzfreund Richard Boljahn und anderen Spitzengenossen traf er sich in der Kellerbar seiner Villa an der Schwachhauser Heerstraße 222, dem „Club 222“. Seine exzellenten Kontakte machten ihn zum „Chefmakler“ bei den Grundstücksdeals für die geplante Hollerstadt. Rechtlich konnte er nicht belangt werden, 1973 rutschte er mit einem Luxushotel in Bad Harzburg in die Pleite. Lohmann starb 68-jährig im Februar 1987 an Herzversagen bei einem Theaterbesuch in Hamburg.

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Richard Boljahn

Ohne Richard Boljahn ging in Bremen lange Zeit nichts: Der langjährige SPD-Fraktionschef (1950 bis 1968) und Bremer DGB-Vorsitzende (1953 bis 1971) gilt als Vater der Neuen Vahr und der Stadthalle. Nebenbei bekleidete Boljahn etliche Aufsichtsratsposten in Wohnungsbaugesellschaften wie der gewerkschaftseigenen Neuen Heimat, seine Ämterfülle trug ihm den Spottnamen „König Richard“ ein. Seine Verstrickung in den Baulandskandal als enger Freund des Grundstücksmaklers Wilhelm Lohmann läutete das Ende seiner Parteikarriere ein. Der gebürtige Bremer starb im Oktober 1992 im Alter von 79 Jahren, in der Neuen Vahr wurde die Richard-Boljahn-Allee nach ihm benannt.

Wilhelm Blase

Als Sozialdemokrat musste Wilhelm Blase unter den Nationalsozi­alisten in einer Strafdivision Kriegsdienst leisten. Später machte er Karriere in der Bremer SPD und übernahm 1963 das Bauressort. Als Senator widmete er sich vor allem dem Straßenbau. 1969 trat er aufgrund seiner Verwicklung in den Baulandskandal zurück, gehörte aber bis 1971 noch der Bürgerschaft an. 1974/75 unterstützte er Proteste von Eigenheimbesitzern gegen intransparente Heizkostenrechnungen der „Neuen Heimat“, 1977 übernahm er den Vorsitz in einer SPD-Arbeitsgruppe zur Abgeordnetenbesoldung. Bis zu seinem Tod hielt Blase der SPD als Berater die Treue. Mit 84 Jahren verstarb Blase im September 1994.

Hans-Ludwig-Kulenkampff

Hans-Ludwig Kulenkampff war Rechtsanwalt und CDU-Abgeordneter in der Bürgerschaft. 1969 wurde publik, dass er Willi Lohmann als Politiker beraten hatte, diese Dienste aber als Rechtsanwalt mit hohen Honoraren in Rechnung gestellt hatte. Als Reaktion legte er seine politischen Ämter nieder, arbeitete aber weiterhin als Anwalt. Unter anderem verteidigte er 1970 den CDU-Landeschef Ernst Müller-Hermann gegen den Vorwurf, während des Krieges mit den Nationalsozialisten zusammengearbeitet zu haben. Als Sprecher des Beirats Schwachhausen trat Kulenkampff in den 1970er-Jahren auch politisch noch einmal in Erscheinung. 1984 starb Kulenkampff im Alter von 72 Jahren.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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