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Ein Jahr nach dem Umbau: So läuft’s am Stern

Sabine Doll 26.07.2018 4 Kommentare

Michael Kreie vom Fahrlehrerverband hält vor allem Verstöße gegen die Verkehrsregeln für ein großes Sicherheitsrisiko: zum Beispiel Radfahrer mit Stöpseln in beiden Ohren und Autofahrer mit Handy am Steuer.
Michael Kreie vom Fahrlehrerverband hält vor allem Verstöße gegen die Verkehrsregeln für ein großes Sicherheitsrisiko: zum Beispiel Radfahrer mit Stöpseln in beiden Ohren und Autofahrer mit Handy am Steuer. "Da hilft auch kein Umbau", sagt er. (Christina Kuhaupt)

Der Radfahrer nimmt es nicht so genau mit den Verkehrsregeln. Den rot markierten Radweg, auf dem er eigentlich in Bremens bekanntesten Kreisel, den Stern, einfahren sollte, ignoriert der Mann im sportlichen Radler-Dress. Von der Hollerallee kommend biegt er in Höhe der Tankstelle in rasantem Tempo in die innere Spur für Autofahrer ein, dann biegt er ebenso schnell wieder scharf nach rechts ab, quer über den Radweg, in die Parkallee.

"So geht's natürlich nicht", sagt Michael Kreie. "Wenn durch solch ein Verhalten eine brenzlige Situation oder sogar ein Unfall passiert, dann hat das nichts mit der Verkehrsführung am Stern zu tun, sondern mit der Missachtung von Verkehrsregeln. Der Radfahrer hatte Glück, dass an diesem Sommer- und Ferientag deutlich weniger Fahrzeuge als sonst hier unterwegs sind", stellt der Vorsitzende des Bremer Fahrlehrerverbands klar. "Da hilft nämlich auch kein Umbau."

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 18. Juli 2017, ist der neue Stern nach zweieinhalb Monaten Umbau ans Netz gegangen. Und damit die Hoffnung, dass die Verkehrssituation an einem der wohl gefährlichsten Verkehrsknotenpunkte Bremens entschärft wird. In dem Kreisverkehr bewegen sich Radfahrer, Autos und Fußgänger. Straßenbahnen fahren mitten durch den Kreisel.

"Höchste Konzentration"

Nach Angaben des Amts für Straßen und Verkehr sind hier täglich 30.000 motorisierte Fahrzeuge und 5500 Radfahrer unterwegs. Die wichtigsten Neuerungen beim Umbau: eine verbreiterte Sperrfläche zwischen Fahrradfahrern und Fußgängern sowie dem Autoverkehr, rot markierte Radwege, eine verengte Fahrspur für Autos.

Ob die Rechnung aufgegangen ist, dazu gibt es nach Auskunft der Verkehrsbehörde noch keine offiziellen Zahlen. Wie der WESER-KURIER berichtet hatte, wurden vor der Neugestaltung etwa 60 Unfälle im Jahr gezählt, gut ein Drittel davon mit Beteiligung von Radfahrern. "Sobald die Zahlen vorliegen, werden sie mit Statistiken aus den Jahren vor dem Umbau verglichen und ausgewertet", sagt der Sprecher der Verkehrsbehörde, Jens Tittmann. Am 30. August tage die Verkehrsunfallkommission; ob die Auswertung auf der Tagesordnung stehe, sei noch nicht klar.

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"In einer ersten vorsichtigen Bilanz können wir aber eine deutliche Verbesserung für alle Verkehrsteilnehmer – für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer – feststellen", sagt der Sprecher von Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne). Für die Autofahrer sei die Situation bei der Ausfahrt aus dem Kreisverkehr viel sicherer.

"Sie scheinen sich wohler zu fühlen, weil man eine konkrete Abbiege-Situation hat", sagt er. Zudem könne der Stern nur noch einspurig von Autos befahren werden. Das bedeute gleichzeitig eine verbesserte Situation für Radfahrer und auch Fußgänger. "Wenn sich alle an die Verkehrsregeln halten, kann der Stern nach dem Umbau eine sehr sichere Kreuzung sein", sagt der Sprecher.

Wer sich jedoch mal eine Stunde an den Kreisel stelle, der würde sehr schnell bemerken, dass diese Regeln leider nicht allen Verkehrsteilnehmern bekannt seien oder stumpf ignoriert würden. Mit Verkehrsregeln kennt sich Fahrlehrer Kreie aus. Fast jeden Tag ist er mit Fahrschülern im Stern-Kreisel unterwegs. Was ihm hier, aber auch grundsätzlich auf den Straßen auffällt: "Die vielen Autofahrer, die mit Handy in der Hand unterwegs sind. Autofahren erfordert höchste Konzentration."

Mehr Verwirrung als Klarheit

Dazu kämen Radfahrer mit Stöpseln im Ohr. "Die hören natürlich nicht, was um sie herum los ist – das ist brandgefährlich." Ein Ohr müsse frei bleiben, das sei die Vorschrift, werde aber ignoriert. "Auch Fußgänger sind sehr oft mit Kopfhörern unterwegs", sagt Kreie. Den neuen Stern hält er für eine deutliche Verbesserung. Der Fahrlehrer macht dies vor allem an dem Sicherheitsstreifen fest, durch den Radfahrer und Autos besser voneinander getrennt seien.

Auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) zieht eine überwiegend positive Bilanz: "80 Prozent Verbesserung, 20 Prozent Kritik", sagt Albrecht Genzel. Drei Mängel müssten dringend behoben werden: So sei die Ausfahrt für Radfahrer in die Hermann-Böse-Straße für weniger geübte und ortsunkundige Radfahrer schlecht ausgeführt. Genzel: "Der Radverkehr wird auf etwa zehn Metern auf die Straße geleitet und dann erst auf den Radweg. Das kann brenzlig werden. Der Radweg muss durch eine durchgängige rote Markierung fortgeführt werden."

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Weiterer Kritikpunkt: Vorfahrt-achten-Markierungen auf den Radwegen in den Kreisverkehr hinein (etwa von der Wachmannstraße in den Stern) würden mehr verwirren als Klarheit schaffen. Autofahrer, die in die Parkallee einbiegen wollten, könnten davon ausgehen, dass Radfahrer auch im Stern die Vorfahrt achten müssen und daher einfach abbiegen.

Dritter Mangel aus Sicht des Clubs: Biegen Radfahrer von der Parkallee aus Richtung Bürgerpark kommend in den Stern ein, müssen sie scharf rechts an einer kleinen Verkehrsinsel vorbei auf den Radweg steuern. "Für Radfahrer mit einem Kinderanhänger ist dieser Winkel aus unserer Sicht zu spitz. Die Gefahr ist, dass sie auf die Kante der Insel kommen und der Anhänger womöglich umkippt", so Genzel. Er schlägt vor, den Winkel zurückzubauen oder die Kante abzuflachen. Auch für Fußgänger gebe es trotz einiger Nachbesserungen immer noch zu hohe Kanten an Überwegen und damit Stolperfallen.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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