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Taubenplage in der Stadt
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Ein Taubenhotel am Müllheizkraftwerk

Jörn Hildebrandt 12.05.2019 0 Kommentare

Produktionstechniker Sven Pabst an den Volieren, mit denen die SWB am Müllheizkraftwerk die Taubenplage eingrenzen will.
Produktionstechniker Sven Pabst an den Volieren, mit denen die SWB am Müllheizkraftwerk die Taubenplage eingrenzen will. (Kuhaupt)

Stadttauben entzweien die Gemüter: Einige finden die Tiere sympathisch und füttern sie, viele sind jedoch von ihrem oft massenhaften Auftreten und ihren Hinterlassenschaften genervt. Als verwilderte Haustauben ziehen die Vögel in der Stadt auf Kirchen, Kauf- oder Hochhäusern ihren Nachwuchs groß. Besonders bei historischen Gebäuden, denen der ätzende Kot an die Substanz geht, aber auch auf Leuchtreklamen, Denkmälern oder öffentlichen Plätzen werden Stadttauben lästig. Spikes, Kameras oder Attrappen lösen das Problem nicht. „Haustauben sind darauf hingezüchtet, ganzjährig zu brüten, und zwar unter allen Bedingungen“, erklärt Sine Ulukaya vom Bremer Tierschutzverein. Die SWB beschreitet jetzt bei ihrem Müllheizkraftwerk nahe der Universität einen neuen Weg: Dort entsteht in Kooperation mit dem Tierheim ein Taubenhotel.

Bei der Müllverbrennungsanlage in der Nähe der Universität tummeln sich Tauben in Massen. „In verschiedenen Gebäuden der Anlage sind große Bereiche vollgekotet, und das bereitet unseren Mitarbeitern erhebliche Probleme“, sagt SWB-Pressesprecher Christoph Brinkmann. Jetzt will man die Tauben in eine Unterkunft lenken und ihre Nistaktivitäten kontrollieren.

In anderen Großstädten erfolgreich

Die Ausbildungswerkstatt der SWB hat dazu zwei Volieren angefertigt. In ihnen erhalten die Vögel ein Angebot an Futter und Wasser und auch Nistgelegenheiten. Ein Teil der Eier, die von den Tieren in den Nistkästen abgelegt werden, soll gegen Gipseier ausgetauscht werden. Auf diesen Ei-Imitaten brüten die Tauben stur weiter, wenn auch ohne den geringsten Erfolg. Beim Taubenhotel am Müllheizkraftwerk wird sich der Bremer Tierschutzverein um die Volieren und die Nistkästen kümmern und sie regelmäßig reinigen.

„Allerdings haben wir noch niemanden gefunden, der das macht“, sagt Sine Ulukaya. Das Modell eines Taubenhotels, das Stadttauben zwar um ihren Nachwuchs betrügt, ihnen aber ein sauberes und gesundes Leben gewährt, ist bereits in anderen Großstädten Deutschlands erfolgreich zum Einsatz gekommen, zum Beispiel in Hamburg am Hauptbahnhof, aber auch in Aachen oder Augsburg.

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An den Heizkraftwerken Hastedt und Hafen, die auch von der SWB betrieben werden, gibt es das Taubenproblem überraschenderweise nicht: Dort wird es von Wanderfalken buchstäblich in Luft aufgelöst: Als blitzschneller Jäger krallt sich der Greifvogel im Flug Stadttauben, und die Anwesenheit des Wanderfalken entfaltet eine derart abschreckende Wirkung, dass die beiden Kraftwerke von Tauben verschont bleiben. „Wir haben den Wanderfalken sogar Nistkästen spendiert, sie brüten dort auch erfolgreich und werden von einem Vogelkundler bewacht“, erklärt Christoph Brinkmann.

Der Bremer Tierschutzverein steht den Stadttauben im Prinzip wohlwollend gegenüber: „Sie benötigen unsere Hilfe, denn sie sind eigentlich Haustiere wie Hunde oder Katzen, die in der Gegend herumstreunen“, sagt Sine Ulukaya. „Doch meistens ernähren sie sich in der Großstadt falsch: Zum Beispiel von Essensresten wie herumliegenden Pommes statt von Körnerfutter, das ihnen gemäß ist – mit der Folge, dass sie Durchfall bekommen und ihr flüssiger Kot dann besonders unangenehm ist.“

Strenge Standorttreue

Hinzu kämen die vielen feinen Plastikfäden, die in der Stadt herumlägen und die für Entzündungen an ihren Füßen sorgten. „Deshalb sieht man auch in Bremen so viele Tauben, die nur noch auf einem Bein laufen.“ Als Haustauben, denen erwünschte Eigenschaften angezüchtet wurden, zeigen die Tiere strenge Standorttreue, ohne die das Phänomen Brieftaube undenkbar wäre: „Tiere, die zum Beispiel am Bremer Hauptbahnhof leben, fliegen nicht einmal bis in die Wallanlagen, um dort nach Futter zu suchen“, erläutert die Expertin vom Tierschutzverein.

Um die Populationen kleinzukriegen wurde mancherorts auch schon zu extremen Mitteln gegriffen: Mit Blausäure vergiftete Körner ausgestreut oder die Tiere mit Netzen gefangen und getötet. Auch das hatte wenig Erfolg, denn in den Großstädten finden Tauben immer genügend Futter und regenerieren in kurzer Zeit ihre Bestände.

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Nachdem auch tierfreundliche Versuche wie „die Pille für die Taube“ nicht funktioniert haben, hält Sine Ulukaya betreute Taubenschläge zum Beispiel auf Dächern oder in Parkhäusern für die einzig sinnvolle Maßnahme und verweist auf das Augsburger Modell: Danach werden die betreuten Tauben wieder zu Haustieren, die jedoch die Freiheit haben, umherzufliegen, wo und wie sie wollen. Nur bei der Fortpflanzung wird ihnen durch die Entnahme von Eiern und den Austausch mit Gips- oder Plastikeiern ins Handwerk gepfuscht – eine Art Geburtenkontrolle, die sie jedoch ohne größeres Leiden verkraften und die Tötungen unnötig macht. „Allerdings könnte der Tierschutzverein solche Taubenhäuser nicht zu 100 Prozent finanzieren, deshalb müssten sich zum Beispiel Firmen an den Kosten beteiligen“, sagt Ulukaya.

Am Hamburger Hauptbahnhof hat die Deutsche Bahn eine frühere Übernachtungsmöglichkeit für Zugbegleiter in ein Taubenparadies mit Vollpension umgewidmet: Auf zwölf Quadratmetern leben dort heute etwa 100 Tauben von Kernen und Nüssen statt von Fast-Food-Resten. Und das Konzept funktioniert: In den Wandelhallen des Bahnhofs sieht man nur noch selten eine Taube und das Bahnhofsumfeld ist kaum noch verdreckt.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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