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Interview zu Partnerschaftsgewalt
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„Eine Ohrfeige ist oft der erste Schritt“

Lisa-Maria Röhling 02.12.2018 0 Kommentare

Symbolbild. 
Symbolbild.  (dpa)

Frau Hoffmann, laut der aktuellen Kriminalstatistik sind Dreiviertel der Opfer von Partnerschaftsgewalt Frauen. Warum ist das so?

Magaret Hoffmann: Frauen wehren sich selten körperlich – das sind sie meist durch ihre Erziehung nicht gewohnt. Männer hingegen versuchen oft, Konflikte durch körperliche Gewalt zu lösen. So entsteht ein Missverhältnis, bei dem meist Frauen die Opfer sind. In den vergangenen Jahren sind diese Partnerschaftskonflikte noch brutaler geworden: Sie werden nicht mehr mit Worten gelöst, sondern mit schlagkräftigen Taten. Und davon sind in vielen Fällen auch Kinder betroffen.

Was tut der Weisse Ring in diesen Fällen?

Wir verstehen uns in erster Linie als Lotsen für die Opfer. Betroffene können sich telefonisch an unser Landesbüro oder unsere Außenstellen wenden, von dort werden sie dann an einen geeigneten Mitarbeiter vermittelt, der sie von da an betreut. Frauen bekommen meist Frauen zur Seite gestellt. Wir suchen die Opfer zunächst in ihrer Wohnung auf; wenn die Wohnung allerdings das Konfliktfeld ist, suchen wir einen neutralen Ort aus.

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Das Zuhause ist oft ein Konfliktfeld?

Der Weisse Ring hat deshalb viele Möglichkeiten, im Einzelfall zu helfen. Wir vermitteln die Betroffenen in Frauenhäuser und unterstützen sie in extremen Fällen bei der Suche nach einer neuen Wohnung oder sogar bei der Namensänderung. Was auch immer die Person braucht, versuchen wir zu ermöglichen.

Können Betroffene etwas tun, um sich vor einer Gewalt zu schützen?

Das Tragische ist, dass viele Frauen Stalking oder Nötigung zunächst als solches nicht wahrnehmen und sich auf die Entschuldigungen der Täter einlassen. Frauen, die gedemütigt oder geschlagen wurden, kehren trotzdem zu ihren Partnern zurück. Wenn einmal eine Ohrfeige gegeben wurde, ist das meist nur der erste Schritt. 

Deshalb werden den Frauen oftmals Vorwürfe gemacht, wenn sie ihre Männer nicht verlassen. Warum ist das so schwierig?

Die Täter wissen ihre Macht so auszuüben, dass die Frauen paradoxerweise dort nach Schutz und Geborgenheit suchen. Deswegen kehren sehr viele Betroffene wieder zu ihren gewalttätigen Partnern zurück. Viele Frauen trauen sich nicht oder schämen sich, eine Anzeige zu schalten.

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Was können Familienmitglieder oder Freunde tun, wenn sie so einen Fall mitbekommen?

Sie müssen schnell handeln und den Betroffenen einen Weg aus der Misere aufzeigen: Sie darauf ansprechen und Hilfe anbieten, das ist wichtig. Das ist vor allem für die Kinder wichtig: Wenn Kinder diese Gewalt tagtäglich erleben, prägt sie das. Diese Gewalt löst bei ihnen etwas aus – und diese Kinder können später selbst zu Tätern werden.

Fängt es immer mit körperlicher Gewalt an?

Es ist oft ein langsamer Prozess, der mit Stalking nach einer Trennung beginnt: Der Mann stellt seiner Ex-Frau nach und versucht, sie zurückzugewinnen. Er schicken ihr Rosen, bombardiert sie mit Liebesschwüren. Das wird oft unterschätzt, dabei wird die Lebensqualität der Frauen massiv beschränkt. In Fällen hat das dazu geführt, dass Männer ihre Frauen irgendwann umgebracht haben – sogar vor den Augen der Kinder.

Ist denn Stalking ein großes Problem?

Die Grenzen, womit Stalking anfängt, sind schwer zu erkennen. Deswegen nehmen viele Opfer die Taten sehr lange hin, bevor sie sich wehren. Die Schutzmechanismen in der Gesetzgebung sind zwar da, werden aber selten genutzt. Allerdings sind Gerichte und Strafverfolgungsbehörden stark überlastet, weshalb manche Verfahren sehr lange dauern.

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Wie kann man so etwas verhindern?

Die Umgangsformen müssen sich ändern. Heutzutage werden Trennungen anders verarbeitet: Es gibt mehr Kampf, mehr Gewalt, mehr Boshaftigkeit. Der Schmerz wird nicht mehr mit Freunden oder Bekannten geteilt, sondern in der Öffentlichkeit ausgetragen. Das ist gefährlich.

In der Diskussion um Partnerschaftsgewalt sind männliche Opfer selten ein Thema. Warum?

Die Dunkelziffer in diesem Bereich ist enorm. Männer haben sehr große Schwierigkeiten, diese Gewalttaten anzuzeigen. Es gab in Bremen zwar schon einige Fälle, aber das ist eher die Ausnahme. 

Die Fragen stellte Lisa-Maria Röhling.

Zur Person

Magaret Hoffmann ist Landesvorsitzende des Weissen Rings in Bremen, außerdem leitet Sie die Außenstelle Bremerhaven. Sie engagiert sich seit 1995 als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Weissen Rings.

Weitere Informationen

Das Bremer Landesbüro des Weissen Rings erreichen Sie unter 04 21 / 32 32 11. Informationen zu den Hilfsangeboten der Organisation sowie Kontaktdaten der Außenstellen in Bremen und Bremerhaven finden Sie außerdem im Internet unter bremen.weisser-ring.de.


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Leserkommentare
kkahle am 21.10.2019 15:04
Achtung, Achtung!
Der kleine Jan hat sich im Internet verlaufen und sucht jetzt seine Mutti.
Wer ihm begegnet, möge ihm den Weg nach ...
suziwolf am 21.10.2019 15:04
Weit weg ... @Jubi ... ist Erdogan.

Nicht nur geografisch, sondern auch
,Ihrer Vorfreude entsprechend‘ 🙀 !

Und, wenn ...
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