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Etwa 700 Gefährder in Deutschland
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„Es gibt nur relativ wenige Einzeltäter“

Ralf Michel 13.05.2019 0 Kommentare

Nur weil 2018 kein Anschlag auf Deutschland verübt wurde, ist dies kein Zeichen der Sicherheit.
Nur weil 2018 kein Anschlag auf Deutschland verübt wurde, ist dies kein Zeichen der Sicherheit. (Polizei Berlin)

Herr Neumann, wie hoch schätzen Sie das dschihadistische Potenzial in Deutschland?

Peter Neumann: Auf etwa 3000 Personen. Und die Zahl der Gefährder, also Personen, die aus Sicht der Sicherheitsbehörden in der Lage sind und die Absicht haben, Anschläge zu begehen, auf rund 700.

Sind das alles auch gleich Attentäter?

Nein. Nur ein paar Dutzend werden es tatsächlich versuchen. Die ganz große Zahl ist das nicht, aber andererseits sind das potenzielle Risiko und die Konsequenzen politisch und gesellschaftlich absolut drastisch.

2018 gab es keinen Anschlag in Deutschland. Ist die Sorge vor dem Terrorismus überdimensioniert?

Die richtige Metrik ist nicht die Zahl der Anschläge, sondern die der versuchten Anschläge. Davon gab es im vergangenen Jahr sieben in Deutschland, in Frankreich sogar 30. Wir haben also eine tatsächliche Bedrohungssituation.

Und das Thema Terrorismus hat große politische und polarisierende Wirkung auf die Gesellschaft. Auch das rechtfertigt die Bemühungen der Sicherheitsbehörden. 

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Dem Bremer Verfassungsschutz bereiten vor allem Einzeltäter Sorgen, die sich völlig im Verborgenen radikalisieren und plötzlich zu einem Anschlag entschließen. Decken die Ergebnisse Ihrer Studien diese Sorge?

Es gibt diese Einzeltäter, aber nur relativ wenige. Sie sind auf jeden Fall viel seltener, als man denkt. In den meisten Fällen gab es doch Verbindungen, Annäherungen an bekannte gefährliche Netzwerke oder verstärkte Kommunikation zu Freunden, die schon ausgereist waren. Dass trotzdem von Einzeltätern gesprochen wird, hat einen anderen Grund.

Welchen?

Unmittelbar nach Anschlägen gibt es oft nur sehr wenig Informationen über Täter. Da heißt es dann gerade in den Medien, die in seinem persönlichen Umfeld recherchieren, schnell, dass er zurückgezogen gelebt habe, und dass es keinerlei Hinweise auf Verbindungen zu Dschihadisten gebe. 

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Haben Sie dafür ein Beispiel?

Der Attentäter von Nizza, der mit einem Lkw durch eine Menschenmenge fuhr und 86 Menschen getötet hat. Nach dem Anschlag hieß es eine Woche lang, dass er keine Kontakte zur dschihadistischen Szene gehabt habe.

Erst dann zeigte sich, dass er doch schon Monate davor über seine Taten gesprochen hatte, mit anderen in Kontakt stand und den Ablauf der Tat sehr genau koordiniert hatte. Selbst isolierte Einzeltäter kommunizieren ihre Tat. Gegenüber der Familie, Freunden oder via Facebook. Im Prinzip kündigen sie ihre Taten an.

Auch, weil sie Bestätigung suchen?

Richtig. Letztlich liegt das in der Natur der Sache: Ich mache etwas Bedeutendes, für das mich viele bewundern werden. Schon deshalb suchten sie Kontakte zu den entsprechenden Netzwerken. Und sei es nur über die Kommunikation im virtuellen Raum. Der junge Afghane aus Bayern, der im Sommer 2016 in einem Zug mit Axt und Messer auf Passagiere losging,  hatte sich zwar allein radikalisiert, war aber intensiv im Internet unterwegs und hatte dort Kontakt zu Dschihadisten. Er war alleine, hat sich aber nicht alleine gefühlt.

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Was folgt daraus für die Sicherheitsbehörden?

Sie müssen auch das Internet als Ort begreifen. Viele traditionelle Strafverfolgungsbehörden haben damit nach wie vor psychologische Schwierigkeiten.

Zur Person

Peter Neumann (45) ist Professor am King’s College in London. Dort hat er das International Centre for the Study of Radicalisation gegründet, das untersucht, wie und warum sich Menschen radikalisieren.


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Leserkommentare
tommi24 am 18.10.2019 17:28
@Da würde der wutbürgernde Autofahrer aber sofort durchdrehen.

Ja, ganz bestimmt!
tommi24 am 18.10.2019 17:27
@Also muss hier mal "suziwolf" unterstützen.

Ich auch, diese vermaledeiten Blechkistenfahrer müssen aus der Stadt, es lebe das Fahrrad. ...
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