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Fahrradmodellquartier in der Alten Neustadt bald fertig

Kornelia Hattermann 23.05.2019 8 Kommentare

Die Querungsmöglichkeit über die Langemarckstraße am Neustadtswall ist nur eine der Baumaßnahmen im Fahrradmodellquartier.
Die Querungsmöglichkeit über die Langemarckstraße am Neustadtswall ist nur eine der Baumaßnahmen im Fahrradmodellquartier. (Christina Kuhaupt)

Das Fahrradmodellquartier in der Alten Neustadt nimmt Formen an: „Die Bauarbeiten laufen im Plan“, sagt Michael Glotz-Richter, Referent für Nachhaltige Mobilität in der Baubehörde, auf Nachfrage. Im August sollen die Straßenbaumaßnahmen abgeschlossen werden, die Hochschule Bremen will das Fahrrad-Repair-Café bis September fertigstellen. Länger darf es auch nicht dauern: Bis Ende Oktober müssen Stadt und Hochschule ihre Abrechnungen beim Bundesumweltministerium vorlegen, das das Projekt mit insgesamt 2,4 Millionen Euro aus der nationalen Klimaschutzinitiative fördert.

Bremen kostet das Ganze fast eine Million Euro. Das Fahrradmodellquartier gilt als Vorzeigeprojekt: Im Februar 2018 gab es dafür den Deutschen Fahrradpreis in der Kategorie „Infrastruktur“. Auch bundesweit findet das Projekt Beachtung, wie Michael Glotz-Richter aus Gesprächen beim Bundesverkehrsminister berichtet. 

Autoverkehr muss sich unterordnen

In der Alten Neustadt entsteht in einem fest umrissenen Gebiet nördlich der Neustadtswallanlagen zwischen Langemarckstraße und Friedrich-Ebert-Straße Deutschlands erste Fahrradzone. Das bedeutet: Der Autoverkehr wird nicht ausgesperrt, muss sich aber dem Radverkehr unterordnen. Entsprechend werden kleine Straßen umgestaltet, die Hochschule Bremen mit ihrem Campus liegt im Zentrum des Projekts. Dort sind rund 10.000 Menschen beschäftigt, die möglichst keine Last für den Stadtteil sein sollen, sagt Steffi Kollmann, Leiterin des Klimaschutzprojektes „Clima Campus“ und vom Institut für Architektur an der Hochschule Bremen, die das Vorhaben federführend initiiert und beantragt hat.

Im Herbst 2017 begannen die Bauarbeiten, nachdem das Bundesumweltministerium Fördermittel für das ambitionierte Projekt bewilligt hatte, 2,4 Millionen insgesamt, knapp 1,6 Millionen Euro für die städtischen Maßnahmen und gut 800 000 Euro für die Hochschule Bremen. Vorgabe: Fertigstellung im Sommer 2019. Der Zeitrahmen wurde zu eng, Stadt und Hochschule bekamen eine dreimonatige Verlängerung bewilligt.

Buckelpiste Radweg: Hier ein Beispiel von unserem Leser Hans Jürgen Huy. Das Bild ist an der Rablinghauser Landstraße in Richtung Lankenau entstanden.
Der ADFC Bremen bemängelt seit Jahren eine Stelle in der Straße Vor dem Steintor: Fahrradfahrer haben hier ihren Radweg zwischen den Straßenbahn-Schienen. Problem: Geht es Autofahrern zu langsam, überholen sie, und es wird eng. Vor allem beim Radweg-Beginn und -Ende wird es bei feuchtem oder frostigem Wetter schwierig, weil regelmäßig Schienen gekreuzt werden müssen.
Der Radweg entlang der Crüsemannallee in Schwachhausen auf Höhe Büsestraße sieht nicht gerade einladend aus.
Auf Höhe Roccoweg sieht es nicht viel besser aus.
Fotostrecke: Radwege in Bremen: An diesen Stellen ist es am schlimmsten

Mehrkosten müssen die Akteure jedoch selbst übernehmen. Die Baudeputation bewilligte im September 2018 entsprechende Mittel, sodass die Stadt insgesamt knapp eine Million Euro für das Projekt zuschießen muss. Die Hochschule müsse zudem beispielsweise mehr für Radabstellanlagen am Neustadtswall ausgeben, nachdem der Boden bei den Vorarbeiten laut Kollmann einige Überraschungen freigegeben hatte.

Die Straßenbaumaßnahmen seien vor allem deshalb teurer geworden, weil die Baupreise so enorm angezogen hätten, betont Michael Glotz-Richter, der ansonsten mit der Entwicklung des Fahrradmodellquartiers sehr zufrieden ist. Viele zusätzliche Abstellmöglichkeiten für Räder seien entstanden, beispielsweise an der Großen Johannisstraße, ebenso Gehwegnasen, um an Kreuzungen leichter über die Straßen zu kommen. Außerdem wurden Barrieren entfernt und Straßenbeläge ausgetauscht. Zurzeit passiert das in der Häschenstraße, wo das Kopfsteinpflaster in der Mitte durch fahrradfreundlichen Asphalt ersetzt wird, die Parkbereiche für Autos aber weiterhin aus Kopfsteinpflaster sind. Als Letztes komme ab Juni die Lahnstraße dran.

Beirat ist sehr zufrieden

„Die Umgestaltung im Hochschulbereich wird richtig schön“, sagt der Referent der Baubehörde. Und mit den umgestalteten Querungsmöglichkeiten wie über die Langemarckstraße am Neustadtswall oder an der Westerstraße/Süderstraße sei man zudem auch den Wünschen des Beirats Neustadt nachgekommen. „Vorher waren das auch neuralgische Punkte“, sagt Beiratssprecher Ingo Mose (Grüne) dazu.

Der Beirat hat sich in seiner letzten Sitzung dieser Legislaturperiode von Projektleiterin Steffi Kollmann auf den neusten Stand in Sachen Modellquartier auf dem und rund um das Hochschulgelände bringen lassen – und ist sehr zufrieden. Auf dem Campus Neustadtswall sind Bänke aufgestellt, Bäume gepflanzt und vor allem viele zusätzliche Fahrrad-Abstellanlagen installiert worden. 842 Plätze für Fahrräder bietet die Hochschule Bremen jetzt an ihren drei Standorten Neustadtswall (416, vorher 297), Werderstraße (270, vorher 137) und Flughafenallee (156, vorher 40). Das ist eine Steigerung um insgesamt mehr als 77 Prozent. Integriert wurden außerdem Plätze für Lastenräder und Leihräder, überall gibt es jetzt drei Plätze mit E-Bike-Ladestation, die noch angeschlossen werden müssen, und je eine Luftpumpstation.

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Zu Verzögerungen kommt es beim Bau des Fahrrad-Repair-Cafés auf dem Hochschulgelände, das als klimafreundlicher Bau mit Gründach, Solar- und Regenwassernutzung geplant ist. „Es gibt Probleme mit der Bauholzlieferung“, erklärt Steffi Kollmann. Bis September soll das Repair-Café aber stehen, ebenso die dort noch fehlenden Fahrradplätze. Gesucht wird auch noch ein Betreiber für dieses Café, das Reparaturmöglichkeiten, entsprechende Hilfe und auch Getränke bieten soll. Dazu wird es eine Ausschreibung geben. „Das kann nicht jeder machen“, sagt Ingo Mose.

Einig sind sich der Beiratssprecher und die Hochschulmitarbeiterin in ihrem Wunsch, dass das Modell Fahrradquartier sich ausweiten möge, nicht nur in angrenzende Ortsteile, sondern auch darüber hinaus. Und die Chancen stehen gut. Für zwei weitere Projekte hat Bremen laut Steffi Kollmann Fördergeld aus dem Topf „Klimaschutz durch Radverkehr“ des Bundesumweltministeriums bewilligt bekommen: 1,9 Millionen Euro für das „Fahrradquartier Ellener Hof“ und vier Millionen Euro für die Radroute „Wallring“, ein Kernstück der geplanten Premiumrouten in der Innenstadt. Rund um den Wall soll außerdem ein Ringschluss entstehen – gut ausgebaute Fahrradstraßen vom Wall, über die Stephanibrücke in die Neustadt und wieder zurück.


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Leserkommentare
Gissmo am 23.10.2019 09:36
Danke für die konstruktive Antwort, man kann sich scheinbar ja doch noch ohne Beleidigungen hier im Kommentarbereich austoben, so machts doch allen ...
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...
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