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Falsche Polizisten aus Bremen: "Ich bereue das zu Tode"

Ralf Michel 08.11.2018 5 Kommentare

(Christina Kuhaupt)

Wie gehen "falsche Polizisten" vor? Wie finden die Betrüger ihre Opfer, wo sitzen die Hintermänner, um welche Geldsummen geht es...? Antworten zu diesen Fragen lieferten am Donnerstag zwei Bremer, die wegen Betruges angeklagt vor dem Landgericht stehen. Mit umfangreichen Geständnissen gewährten die beiden  tiefe Einblicke in die Organisationsstruktur einer Trickbetrugsmasche mit der in den vergangenen Jahren deutschlandweit älteren Menschen Millionensummen abgenommen wurden.

Im Gegenzug sicherte das Gericht den Angeklagten schon zu Prozessbeginn einen festen Strafrahmen zu. Maximal vier Jahre und vier Monate, mindestens aber drei Jahre und zehn Monate wird einer der beiden ins Gefängnis müssen. Sein in der Hierarchie der betrügerischen Bande weiter unten angesiedelter Komplize muss nicht ins Gefängnis. Er erhält eine Bewährungsstrafe, die zwischen einem Jahr und neun Monaten und zwei Jahren liegen wird.

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Wie hoch die Strafe innerhalb dieses Rahmens am Ende tatsächlich ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab, erläuterte der Vorsitzende Richter die Bedingungen dieser vom Gesetzgeber ausdrücklich vorgesehene "Verständigung". Da ist zum einen ein umfassendes Geständnis der Angeklagten. Zum anderen deren glaubhafte Distanzierung von ihren Taten. Und nicht zuletzt auch Aussagen, die zu   weiterführenden Erkenntnissen über die Struktur der betrügerischen Organisation führen.

Einer gehörte zur höchsten Ebene der Betrüger

Bedingungen, die vor allem der Hauptangeklagte begriffen zu haben scheint. Er machte tatsächlich reinen Tisch, äußerte sich detailliert zu jedem der ihm vorgeworfenen vier Taten und versuchte auch gar nicht erst, seine eigene Rolle dabei kleinzureden. Er habe als sogenannter Mediator in einem Callcenter im türkischen Izmir zur höchsten Organisationsebene der Betrüger gehört, entsprechend groß sei auch sein Anteil an der Beute gewesen.

Von den Callcentern aus werden in Deutschland Tausende Menschen angerufen, deren Vornamen darauf schließen lassen, dass es sich um ältere Personen handelt. Die Anrufer geben sich als Polizisten aus und setzen ihre Opfer mit erfundenen Geschichten über ihnen angeblich drohende Einbrüche oder Überfälle massiv unter Druck. Auf diese Weise werden die Senioren so sehr verängstigt, dass sie am Ende einem der falschen Polizisten "zur Sicherheit" ihre Wertsachen oder hohe Bargeldsummen aushändigen.

In einem der vier jetzt verhandelten Fällen übergab  eine ältere Dame aus Berlin dem zweiten Angeklagten eineinhalb Kilo Goldbarren im Wert von 59 000 Euro. Bei diesem Coup schlug dann allerdings die Polizei zu und verhaftete den Mann aus Bremen. Der lieferte anschließend seinen zu diesem Zeitpunkt noch in der Türkei lebenden Kompagnon ans Messer. Der Mann wurde kurz darauf in Athen festgenommen. Und wenig später auch dessen Frau. Ihre drei Kinder im Alter zwischen sechs und zwei Jahren kamen deshalb in die Obhut des Jugendamtes.

"Ich bereue das zu Tode"

Für ihn sei dies ein zutiefst einschneidendes Erlebnis gewesen, erzählte der 27-Jährige, der nach wie vor in Untersuchungshaft sitzt, am Donnerstag vor Gericht. Seine Kinder seien wochenlang ohne Vater und Mutter gewesen, das habe ihn in die Verzweiflung getrieben und zum Nachdenken gebracht. Niemals wieder wolle er seine Familie in so eine Situation bringen. Sein umfassendes Geständnis stehe dafür, dass er sich endgültig von den "Personen in der Türkei" abwende, zu denen unter anderem auch sein Bruder gehöre. "Ich habe vollkommen mit dieser Vergangenheit abgeschlossen."

Materieller Schaden ist bei den vier verhandelten Fällen nicht entstanden. Drei davon wurden von den Betrügern in letzter Minute abgebrochen, beim vierten schnappte die Falle der Polizei zu.  Er sei froh, dass keiner der Versuche geklappt habe, beteuerte der 27-Jährige vor Gericht. "Ich bereue das zu Tode." Er habe sich von anderen blenden lassen, sei der Verlockung erlegen, schnell und einfach an viel Geld zu kommen. Wenn er geahnt hätte, welch schweren Folgen sein Handeln für die betroffenen älteren Menschen bedeutete, hätte er sich lieber das Leben genommen. "Das waren unverzeihliche Taten, schlimm und hinterhältig." Er könne das Gericht nur um Gnade bitten, beendete der Mann seine Aussage. "Ich werde nie wieder straffällig werden."

Zugleich sicherte er zu, der Polizei alle Informationen zu liefern, die er über die Callcenter in der Türkei habe – Zahlen und Daten, die Namen anderer Beteiligter und Hintermänner, aber auch Angaben zu den Geldrouten zwischen Deutschland beziehungsweise Bremen und Izmir. "In jedem Flieger nach Izmir befindet sich auch das Geld älterer Leute."

Nach den Geständnissen der beiden Angeklagten wurde der Prozess am Donnerstag unterbrochen. Nächster Verhandlungstag ist Freitag, 23. November. Dann soll der Hauptermittlungsführer der Polizei als Zeuge vernommen werden.


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Leserkommentare
Gissmo am 23.10.2019 09:36
Danke für die konstruktive Antwort, man kann sich scheinbar ja doch noch ohne Beleidigungen hier im Kommentarbereich austoben, so machts doch allen ...
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...
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