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"Fridays for Future"-Demo in Bremen: Sie lassen nicht locker

Marc Hagedorn 19.09.2019 6 Kommentare

Seit 37. Wochen gibt es die
Seit 37. Wochen gibt es die "Fridays for Future" Bewegung. Diesen Freitag wird die größte Klima-Demonstration in Bremen erwartet. (Roberto Pfeil/VM/dpa)

Sie hat es versucht. Frederike Oberheim hat tatsächlich versucht, in diesem Sommer Urlaub zu machen. Zwei Tage hat sie durchgehalten. „Dann kamen die E-Mails und SMS wieder im Fünf-Minuten-Takt“, sagt die Studentin und lacht. Also hat sie den Urlaub abgebrochen. Julius Schlichting war immerhin für fünf Tage raus aus Bremen, mal keine Plenumssitzungen und Orga-Treffen, stattdessen Ferien auf Fehmarn mit ein paar Kumpels. Aber auch er hat sich danach schnell wieder dem Thema verschrieben, das seit einem Dreivierteljahr seinen Alltag diktiert: Fridays for Future.

Frederike Oberheim und Julius Schlichting sind die Bremer Gesichter der Bewegung. Gerade sind sie dabei, die letzten Details für diesen Freitag zu klären. Die Ordnergruppen müssen noch eingeteilt werden, und es fehlen noch ein paar Lastenräder. Aber nach ein paar 60-Stunden-Wochen und Nachtschichten liegen sie jetzt gut im Rennen. Das letzte Plakat, 14 Meter lang, hatten sie 6 Uhr morgens fertig. „Alle fürs Klima“ steht darauf. Es ist das Motto des größten Streiktages in Bremen seit Mai. Mit 10.000 Menschen rechnen Oberheim und Schlichting. Das wären noch einmal 2000 mehr als vor vier Monaten. 

37 Wochen Protest

Wie geht das? Wie hält man als Schüler, als angehender Abiturient oder Student eine Bewegung am Leben, die inzwischen in ihrer 37. Woche existiert? Manchmal wundern sich Oberheim und Schlichting selbst. So wie jetzt, mitten im Gespräch mit dem WESER-KURIER. „Wenn man uns vor acht Monaten gesagt hätte, dass wir ins DGB-Haus eingeladen werden und man uns in der Arbeitnehmerkammer empfängt . . .“ Schlichting lässt den Satz unvollendet im Raum stehen.

Es fühlt sich gut für ihn an, die Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen auf ihrer Seite zu haben. Sie sind bei dieser Demo ein wichtiger Partner. IG Metall, Verdi oder GEW sind an diesem Freitag dabei, helfen großzügig, werben unter ihren Mitgliedern und unter der Arbeiterschaft in den Firmen, Behörden und Verwaltungen für die Teilnahme am globalen Streiktag. „Der Diskurs ist in der gesamten Gesellschaft angekommen“, sagt Schlichting.

Die geplante Route der
Die geplante Route der "Fridays for Future" Demonstration in Bremen. (Grafik Weser-Kurier)

So viele machen mittlerweile mit, dass der Demonstrationszug aus organisatorischen Gründen diesmal in verschiedene Blöcke aufgeteilt werden muss: einer für die Fridays-for-Future-Leute, einer für die Grundschulen und Kitas, einer für die Gewerkschaften, weitere für NGOs, Fahrradfahrer und Partner, die das Fridays-for-Future in ihrem Namen tragen. Es verging zuletzt kein Tag, an dem sich nicht Institutionen, Bewegungen und Zusammenschlüsse mit Fridays for Future solidarisch erklärt haben. Kirchen als Churches for Future, Wissenschaftler als Scientists for Future, auch Künstler- und Kulturschaffende sind bei Fridays for Future dabei.

Die Kritiker werfen der Bewegung bis heute vor, dass sie verblendete Öko-Krieger seien, dass sie keine Rücksicht auf den Wirtschaftsstandort Deutschland nähmen, dass sie überhaupt gegen alles seien: Autos, Flugzeuge, Konzerne oder Banken. „Wir wissen, dass es um Arbeitsplätze geht“, sagt Schlichting, „die Leute sollen nicht ihre Jobs verlieren. Sie sollen aber andere Jobs machen.“ Grüne Jobs, nachhaltige Jobs, so stellt sich Fridays for Future das vor. Deshalb bleibt die Bewegung auch dabei: Sie fordert nach wie vor das Aus für die Kohlekraftwerke in Bremen bis 2020, sie fordert kostenlosen ÖPNV bis 2021, ein klimaneutrales Stahlwerk bis 2025 und das Verbot von Flügen ab Bremen, die kürzer als 600 Kilometer sind. „Ja, uns geht’s ganz klar um das Klima“, sagt Schlichting, „aber wir nehmen alle mit.“

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"Die Politiker lassen wir draußen"

Mit einer Ausnahme: die Politiker. „Die Politiker lassen wir draußen, sie sollen im Rathaus bleiben. Wir sagen ihnen: Macht erstmal eure Hausaufgaben“, so Schlichting. Er und seine Mitstreiter nehmen den Politikern nicht ab, dass sie aus echter Überzeugung gegen den Klimawandel kämpfen. „Es gibt nach unserer Überzeugung keine einzige Partei, die konkrete Pläne hat, wie sie die Ziele des Pariser Abkommens umsetzen will“, sagt Schlichting.

Dass Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner demnächst Millionen von Bäumen pflanzen will, dass über eine Abschaffung von Plastiktüten und Luftballons nachgedacht wird, dass die Bremer Innenstadt autofrei werden soll, und dass eine lebhafte Diskussion über SUVs in Gang ist, könnte man als Anzeichen werten, dass vieles in Bewegung ist. Oder man sagt wie Schlichting: „Die Politiker haben vor allem eines verstanden: Wenn sie den Klimawandel als Thema nicht behandeln, haben sie keine Chance bei den Wählern.“ Also hält Fridays for Future lieber den Druck auf die Politik hoch.

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Und auf gewisse Wirtschaftsbranchen: Vergangene Woche hat Frederike Oberheim einen Moment lang überlegt, ob sie auch nach Frankfurt fahren soll. Nach Frankfurt zur IAA, der Internationalen Automobilausstellung, eine der weltweit größten Messen ihrer Art, um dort zu protestieren. Oberheim hat es schließlich gelassen, sie ist in Bremen geblieben. „Weil ich weiß, dass es genügend andere von uns gibt, die nach Frankfurt gefahren sind“, sagt sie. Stolz ist sie, wenn sie „von uns“ spricht und sagt: „Wir sind inzwischen so viele.“ So viele, dass sie sich auf die Vorbereitung der Bremer Fridays-for-Future-Demo konzentrieren konnte.

Zur Sache

Alle fürs Klima: Wer wann und wo mitmacht

Kein Bußgeld: Städte können von Schülern Bußgelder fürs Schulschwänzen verlangen. Gegen Fridays-for-Future-Teilnehmer hat Bremen diese Strafe aber noch nie verhängt, und daran wird sich auch nichts ändern. „Wir er­muntern Schulen, Schulleiter und Lehrer dazu, auch mal Unterricht an einem außerschulischen Lernort zu machen“, sagt Annette Kemp, ­Sprecherin der Bildungssenatorin. Die Fridays-for-Future-Demo wäre so ein außerschulischer Lernort. Erwartet wird in dem Fall allerdings, dass der Stoff rund um das Thema vor- und nachbereitet wird.

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Kostenlos Busfahren: Verschiedene Institutionen in Bremen leisten auf ihre ganz eigene Art einen Beitrag zur Klima-Demo. Die BSAG etwa wird drei Stunden vor und drei Stunden nach Ende der Veranstaltung keine Tickets in Bremen und Bremen-Nord kontrollieren. Mit anderen Worten: Die An- und Abreise ist kostenlos. Außerdem stellt die BSAG einen Bus zur Verfügung, der am Ende des Demonstrationszuges fährt. Hier dürfen Menschen mitfahren, die nicht mehr ganz so gut zu Fuß sind. Am Marktplatz wird der Bus dann umfunktioniert zur Einsatzzentrale der Johanniter.

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Streiken erlaubt: Mitarbeiter der Stadtverwaltung dürfen am Streik teilnehmen. Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) twitterte: „Wer im Bremer Rathaus arbeitet und sich am Freitag an den Aktionen für mehr Klimaschutz beteiligen möchte, kann das im Rahmen von gleitender Arbeitszeit, Freizeitausgleich oder Urlaub tun. Die Regelungen zur Kernarbeitszeit sind für diesen Tag aufgehoben.“

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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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