Wetter: bedeckt, 11 bis 18 °C
Lebensmittel und Menschlichkeit
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Gemüsewerft jetzt auch auf Kelloggs-Areal

Anke Velten 17.06.2019 2 Kommentare

Überseeinsel heißt das 15 Hektar weite Areal auf dem ehemaligen Kellogg-Betriebsgelände. Es soll sich in den nächsten Jahren entwickeln.
Überseeinsel heißt das 15 Hektar weite Areal auf dem ehemaligen Kellogg-Betriebsgelände. Es soll sich in den nächsten Jahren entwickeln. Eine "Stadtwirtschaft" hat bereits auf einem Teil Hochbeete angelegt. (Roland Scheitz)

An der östlichen Spitze der Überseeinsel hat sich vor kurzem eine sogenannte Stadtwirtschaft angepflanzt. Die Anbaufläche für Lebensmittel und Menschlichkeit mit integriertem Gartenlokal soll sich noch in diesen Sommermonaten für Besucher öffnen.

Betreiber ist die Gesellschaft für integrative Beschäftigung (GiB). „Stadtwirt“ Michael Scheer, Geschäftsführer des sozialen Dienstleisters, ist davon überzeugt: Die Bremer und ihre Gäste werden dieses ganz besondere Stück Land in ihre Herzen schließen. 

Mehr zum Thema
Gelände in der Überseestadt wird umgestaltet: Kellogg-Areal: Eine Idee nimmt Gestalt an
Gelände in der Überseestadt wird umgestaltet
Kellogg-Areal: Eine Idee nimmt Gestalt an

Die Bagger rollen, die ersten Pläne sind umgesetzt: Auf dem Kellogg-Areal tut sich einiges. So ...

 mehr »

Überseeinsel – so heißt nun das ehemalige Kelloggs-Betriebsgelände. Auf dem zuvor unzugänglichen 15-Hektar-Areal zwischen Europahafen und Weser soll im Laufe des kommenden Jahrzehnts ein völlig neues Quartier zum Wohnen und Arbeiten entstehen. 2000 Quadratmeter mit Weserblick überließ Eigentümer und Projektentwickler Klaus Meier der Gesellschaft für integrative Beschäftigung. Keine zehn Minuten habe das Verhandlungsgespräch gedauert, erklärt Scheer. „Dann sagte er: Könnt ihr haben.“ Dem Investor, der sein Grundstück nach dem Leitsatz „lebendig, sicher, gesund und ökologisch“ aufbauen will, passten die Ideen des ungewöhnlichen Partners offensichtlich genau ins Konzept. Die GiB ist ein gemeinnütziger Beschäftigungsträger, der gleichzeitig gesellschaftlich und wirtschaftlich profitabel sein will.

Es blüht und gedeiht

Seit einigen Wochen blüht und gedeiht es auf dem Asphalt des früheren Werksparkplatzes vor der Reishalle. In rund 350 Hochbeeten wachsen Gemüse, Kräuter und Beeren heran. 400 Hopfenpflanzen strecken sich in die Höhe. Gehegt und gepflegt werden die Pflanzen von Menschen mit geistiger, psychischer oder seelischer Beeinträchtigung – oder, wie Michael Scheer zusammenfasst: „Menschen“. Bereits seit 2015 bestellt sein Gärtnerteam die 3000 Quadratmeter große „Gemüsewerft“ an der Basdahler Straße. 2016 kam eine ebenso große zweite Anbaufläche an der Stephanikirchenweide dazu. Dort werden Bio-Obst und -Gemüse unter anderem für das betriebseigene Lokal „Café Brand“ an der Gröpelinger Heerstraße gezogen. Außerdem ist die Gemüsewerft nach eigenen Angaben größtes deutsches Anbaugebiet für Hopfen in Hochbeeten.

Dritter Standort

Mit dem dritten Gemüsewerft-Standort am Weserufer in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt bietet sich der produktiven Gesellschaft nun erstmals die Möglichkeit, Gäste zu bewirten. Sie sollen zwischen den Beeten Platz nehmen. Ein alter Arbeitstriebwagen der Bremer Straßenbahn AG, der vorher auf einem Abstellgleis verrostete, wird als wettergeschützter Gastraum eingerichtet. Das Pförtnerhäuschen „Tor 2“ wird zurechtgemacht zum Ausschank unter anderem für Bier aus den eigenen Hopfenpflanzen. Es wird ein Biergarten ohne Schickimicki und Halligalli, betont Scheer: „Wir möchten, dass die Menschen hier herunterschalten und die Geräusche der Stadt wahrnehmen.

Mehr zum Thema
Kellogg-Areal wird Überseeinsel: Umbau des Kellogg-Geländes beginnt
Kellogg-Areal wird Überseeinsel
Umbau des Kellogg-Geländes beginnt

Das Unternehmen, das das frühere Kellogg-Gelände in der Bremer Überseestadt weiterentwickelt, hat ...

 mehr »

Die Möwen, das Wasser, die Schiffe, die Industrie.“ Später soll auch ein kleines Speisenangebot dazukommen. Grundlage ist, was hier gerade erntereif ist: Regionaler und saisonaler geht es nicht. Für den inklusiven Zweck sei die Gastronomie ein besonders ergiebiges Feld, um Berührungsängste und Barrieren der Unbeholfenheit auf beiden Seiten abzubauen. Der persönliche Kontakt in einer naturnahen Umgebung sei  „ein super Humus, um Menschen zu verbinden“, sagt Scheer. Er ist sich sicher: „Wir werden hier die Herzen erobern!“

Urbane Agrikulturprojekte im Trend

Urbane Agrikulturprojekte sind in den vergangenen Jahren in vielen Städten der Welt herangewachsen. Oft sind sie geduldete Zwischennutzer auf Flächen, die nicht – oder noch nicht – im Fokus der Stadtentwicklung waren. Dabei würden Projekte wie diese immer wichtiger, wenn eine Stadt auch in Zukunft lebenswert bleiben wolle, mahnt der Biologe. „Immer mehr Menschen drängt es in die Städte. Der Besiedlungsdruck wird weiter steigen. Grünflächen wie diese müssen daher städtebaulich verankert werden“. Zwar könnten sie nie mehr als nur einen Bruchteil dessen produzieren, was die Bevölkerung  konsumiert. Doch Michael Scheer ist davon überzeugt: Sie werden nachhaltig dazu beitragen, sparsam und respektvoll mit den Früchten der Natur umzugehen. „Die Stadtbevölkerung hat immer weniger Kontakt zu Lebensmitteln. Aber wer versteht, wie viel Zeit und Arbeit der Anbau erfordert, wird bereit sein, höhere Preise dafür zu bezahlen, und zweimal überlegen, bevor die Lebensmittel im Müll landen.“

Wie urbane Landwirtschaft aussehen und was sie alles leisten kann: Davon erzählt ausführlich und anschaulich das Buch „Stadtwirte – Von Sozialraumfarmern und Inklusionswirten“. Michael Scheer und die Künstlerin und Autorin Angela Ljilianiç haben dafür in den vergangenen Jahren Projekte unter anderem in Leipzig, Groningen und Belgrad besucht und mit den Akteuren gesprochen. Musikerin Nina Hagen hat ein leidenschaftliches Plädoyer gegen Zwangspsychiatrie beigesteuert. Der Bremer Immo Wischhusen erzählt, wie sein Projekt „Die komplette Palette“ entstand, und was es mit seiner persönlichen Biografie zu tun hat. Brauer Markus Freybler erklärt, wie sein „Craft Bier“ von der Symbiose mit der Gemüsewerft profitiert.

Mehr zum Thema
Pläne vorgestellt: Nächste Stufe für Entwicklung des Überseeinsel-Quartiers
Pläne vorgestellt
Nächste Stufe für Entwicklung des Überseeinsel-Quartiers

Am Sonntag wurden die Entwürfe für das Überseestadt-Quartier vorgestellt. Der Rahmenplan soll im ...

 mehr »

Weitere Informationen

Das 280-Seiten-Buch mit zwölf Interviews, acht Essays und rund 100 Fotografien ist das Ergebnis eines dreijährigen Projektes, das von der Aktion Mensch gefördert wurde. Es kann kostenfrei über die Adresse www.gib-bremen.info/downloads/Stadtwirte_Bestellung.pdf bezogen werden.


Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 18 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige