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Großbrand in Bremer Pflegeheim: 21 Menschen verletzt

Lisa Boekhoff 18.06.2019

Der komplette Dachstuhl steht in Flammen
Der komplette Dachstuhl steht in Flammen (Gisela Jaensch)

In einem Bremer Alten- und Pflegeheim in Huchting sind am Dienstagnachmittag bei einem Großbrand mindestens 21 Menschen verletzt worden. Der gesamte Dachstuhl des Gebäudes über eine Länge von 200 Metern stand nach Angaben der Feuerwehr in Flammen. Um 15.52 Uhr war der Alarm bei der Feuerwehr eingegangen. Zunächst mussten alle Bewohner aus dem Stadtteilhaus Huchting in Sodenmatt geholt werden. „Das war in der Tat ein Problem“, sagte Einsatzleiter Frank Möller vor Ort am Dienstagabend. Allein rund 80 der 96 Bewohner saßen im Rollstuhl und mussten heruntergetragen werden. Alle Kräfte seien zunächst bei der Rettung der Menschen eingespannt gewesen. Erst danach seien die Löscharbeiten eingeleitet worden.

Mehrere Menschen mussten wegen mittlerer bis leichter Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus gebracht werden, weitere Personen wegen Kreislauf- oder Atembeschwerden. Bei zwei Feuerwehrleuten und einem Polizisten wurden erhöhte Monoxidwerte im Blut festgestellt, sodass sie vorsichtshalber ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Das Löschen des Feuers dauerte nach Angaben von Einsatzleiter Möller etwa eine Dreiviertelstunde. Im Anschluss war die Feuerwehr noch damit beschäftigt, Glutnester auf dem verkohlten Dach ausfindig zu machen. „Wir reißen alles auf links“, beschrieb es Frank Möller. Insgesamt waren allein 140 Feuerwehrleute im Einsatz und 40 weitere Rettungskräfte. Die Polizei bekam auch Unterstützung aus Niedersachsen. Entlang der Straßen um das Alten- und Pflegeheim der Bremer Heimstiftung in der Tegeler Plate standen überall Rettungswagen und Feuerwehrautos. Zum Heim gehören drei Gebäude mit mehr als 170 Bewohnern. Das Feuer loderte im mittleren der Häuser.

Fotostrecke: Großbrand in Seniorenwohnanlage in Bremen-Huchting

„Das brannte lichterloh“

Gegen 17.45 Uhr waren keine Flammen mehr zu sehen und dennoch drei Wasserschläuche zeitgleich auf das Dach gerichtet. Der Geruch von Verbranntem war deutlich wahrnehmbar. „Schrecklich“, sagte Anwohnerin Christine Puhlmann beim Blick auf die Löscharbeiten. Als die Einsatzkräfte angerückt seien, sei sie erst auf das Feuer aufmerksam geworden. „Das brannte lichterloh.“ Schon aus dem Zentrum Bremens waren die Rauchwolken laut Augenzeugen deutlich zu sehen. Das bestätigte auch Einsatzleiter Möller, der sich von dort auf den Weg nach Huchting machte und die Rauchsäule bereits unterwegs auf der Oldenburger Straße erblickte.

Bewohner des Heims, betagte Männer und Frauen teils mit einem Rollator vor sich, saßen zunächst noch am Gehweg in der Nähe des Einsatzortes auf Stühlen und Bänken und warteten. Eine Tochter betreute dabei ihre Mutter, die sie immer dienstags im Heim besuche. Als sie von Erledigungen zurückkam, war das Feuer bereits ausgebrochen. „Dann habe ich meine Mutter hier auf der Straße wiedergefunden.“ Schon von unterwegs habe sie die Wolken gesehen. „Ich habe erst gedacht, es soll ja noch ein Gewitter geben.“ Doch dann sei ihr klar gewesen, dass es Rauchwolken waren. „Die werden hier hervorragend versorgt“, sagte sie über die Arbeit der Einsatzkräfte.

Eine ältere Dame, ebenfalls Bewohnerin, bemerkte zunächst, als sie aus dem Fenster blickte, dass Menschen hinauf zum Dach sahen und ihr bedeuteten, nach draußen zu kommen. Dann sei sie aus dem Zimmer geholt worden. Sie habe sich noch ihre Tasche geschnappt und sei sofort herausgegangen.

Zwei weitere Bewohnerinnen schienen sehr gefasst mit der Situation umzugehen. In ihren Händen Plastikbecher mit Wasser. „Ich habe die Wolken gesehen und gedacht: Ob es Regen gibt?“, erinnerte sich Christa Sandt an den Moment, als das Feuer ausbrach. Ihre Sitznachbarin Gertrud Müller sagte, sie habe zuerst den Geruch wahrgenommen und dann sei schon jemand an der Tür gewesen, um sie aus dem Gebäude zu holen. Nichts wie raus – das habe es in dem Moment geheißen. Die beiden, 80 und 88 Jahre, betonten, sie seien aus der Kriegsgeneration und hätten schon Schlimmeres erlebt: „Das kann uns nicht erschüttern. Uns ist nichts passiert.“ Nach und nach wurden die Bewohner vorerst zur Unterbringung in eine Turnhalle begleitet und von dort später in Hotels und andere Heime gebracht.

Am Gehweg der Tegeler Plate wartete auch ein junger Mitarbeiter aus der Küche des Heims. Er habe oben in der vierten Etage, der direkt unter dem Dachgeschoss, Kaffee gekocht und Kuchen verteilt, als das Feuer ausbrach. Dann hätten die Kollegen geschrien: Raus! Raus! „Das war es. Das war eine Katastrophe“, berichtete er sichtlich schockiert. Die Flammen hätten hoch auf dem Dach gestanden.

Die Rauchsäule ist über Huchting zu sehen.
Die Rauchsäule ist über Huchting zu sehen. (Kevin Kucharski)

Immer wieder zogen gegen 19 Uhr Rettungswagen Richtung Alten- und Pflegeheim. Die Pflegefachkräfte des Heims verließen den Einsatzort ebenfalls nicht, um helfen zu können. Fachkraft Bärbel Fritz sagte, sie könne sich nicht mehr erinnern, wie die Evakuierung ablief: „Das ging alles automatisch.“ In aller Eile mussten sie und die Kollegen die Bewohner aus dem Haus bringen während es lichterloh brannte und dabei die Ruhe bewahren. „Damit keine Panik ausbricht“, sagte ihre Kollegin Monika Ochsenfeld. In dem Moment kam eine Kollegin: Es müsse eine Liste angefertigt werden und die Angehörigen der Bewohner des Pflege- und Seniorenheims nach und nach informiert werden.

Die Anwohner verfolgten die Szenen des Großbrands aus den Fenstern blickend, auf den Balkonen stehend oder draußen vor der Tür. Zur Brandursache konnte die Polizei am Abend noch keine Aussage treffen.


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Leserkommentare
ManUD7 am 22.10.2019 07:37
Wieso wird die Bevölkerung aufgehetzt? Jahrelang sieht man doch nur noch Mais. Und dieser dient weitestgehend zum Betrieb der Biogasanlagen. Dafür ...
Mangaguide.de am 22.10.2019 07:30
Ein Punkt in Flensburg fuer den Halter war ja geplant, wurde aber leider wieder verworfen.

Alternativ koennte man ja auch Feuerwehr, ...
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