Wetter: Regen, 11 bis 14 °C
Streit um Wochenendhäuser
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Grün gegen Grün in Kleingarten-Debatte

Jürgen Theiner 07.07.2018 1 Kommentar

Sollte es möglich sein, Kleingarten- in Wochenendhausgebiete umzuwandeln? Die Idee findet ein zwiespältiges Echo.
Sollte es möglich sein, Kleingarten- in Wochenendhausgebiete umzuwandeln? Die Idee findet ein zwiespältiges Echo. (Christina Kuhaupt)

Das gibt es nicht alle Tage: Die Grünen-Bürgerschaftsfraktion unternimmt einen politischen Vorstoß, und das grün-geführte Bauressort des Senats winkt ab. So geschieht es gerade mit der Forderung, ausgewählte Kleingartengebiete in sogenannte Wochenendhausgebiete umzuwandeln. Der Senat hat das Thema am Dienstag auf dem Tisch. Die Idee selbst ist nicht wirklich neu. Schon vor mehreren Jahren hatten Kleingartenvereine wie „Min Land“ (Walle), „Auf den Ruten“ (Woltmershausen) und „Waller Feldmark“ bei der Baubehörde vorgefühlt, ob eine Umwidmung ihrer Flächen in Wochenendhausgebiete infrage komme. Dieser Status würde andere Nutzungsoptionen eröffnen, vor allem die Möglichkeit, dort zeitweise zu übernachten. Manche Kleingartenpächter machen das zwar auch so schon gelegentlich. Dem Geist und Buchstaben des Gesetzes entspricht das aber nicht.

Anders als in Kleingärten würde in Wochenendhausgebieten auch nicht die Regel gelten, die Parzellen zumindest teilweise landwirtschaftlich zu nutzen. Für Maike Schaefer, die Vorsitzende der Grünen-Bürgerschaftsfraktion, ist es an der Zeit, hierfür die baurechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. „Wochenendhäuser dienen Großstädtern als Ort der Freizeit und der Naherholung“, argumentiert sie. Sofern es bei einer Beschränkung der Wohnfläche auf 24 Quadratmeter bleibt, bestehe auch nicht die Gefahr, dass sich in Wochenendhausgebieten schleichend eine dauerhafte Wohnnutzung etabliert.

Mehr zum Thema
Diskussion um Kleingärten: Parzellisten wollen Planungssicherheit
Diskussion um Kleingärten
Parzellisten wollen Planungssicherheit

Für die Zukunft der Kleingärtner im Bremer Westen sind kreative Ideen gefragt. Das zeigt die ...

 mehr »

Schaefer hat ihre Initiative in Form einer parlamentarischen Anfrage an den Senat herangetragen. Darin erkundigt sie sich unter anderem nach rechtlichen Voraussetzungen und nach Parzellengebieten, die aus Sicht des Senats für eine Umwandlung geeignet wären. Doch die Antwort der Landesregierung fällt sehr zurückhaltend aus. Zwar könnten Wochenendhäuser in schwach ausgelasteten Kleingartengebieten „zu einer Belebung der Anlagen insgesamt beitragen“, heißt es in einer Vorlage für die Senatssitzung am Dienstag. Doch dann folgen grundsätzliche Vorbehalte. In Bremen sei die Natur „stadtnah erlebbar“, die Entwicklung von Wochenendhausgebieten zu Erholungszwecken deshalb eigentlich nicht erforderlich. „Vielmehr besteht durch die Gefahr der Bildung von Splittersiedlungen das Risiko eines verstärkten Landschaftsverbrauchs im Außenbereich“, mahnen die Fachleute der Behörde.

"Ort der Freizeit und der Naherholung"

Ihr Hauptargument ist allerdings: Wir haben gerade Wichtigeres zu tun, als Sondergebiete in Kleingärten auszuweisen. „Derzeit liegt der Schwerpunkt der planerischen Aktivitäten deutlich im Wohnungsbau sowie in der Schaffung planungsrechtlicher Voraussetzungen für Kitas sowie für gewerbliche Entwicklungen“, lässt das Ressort von Senator Joachim Lohse (Grüne) seine Parteifreundin wissen. Das ist ziemlich unverblümt, und so ist es bei Maike Schaefer auch angekommen. Sie habe Staatsrat Ronny Meyer – Lohses Stellvertreter – bereits gesagt, „dass ich die Antwort des Senats nicht so toll finde“, so Schaefer gegenüber dem WESER-KURIER.

Mehr zum Thema
Zukunft von Kleingärten im Bremer Westen: Behörde gegen Parzellen-Bebauung
Zukunft von Kleingärten im Bremer Westen
Behörde gegen Parzellen-Bebauung

Die Umweltbehörde will sich in den kommenden drei Jahren verstärkt um brachliegende ...

 mehr »

Innerhalb der Kleingärtner-Gemeinschaft ist das Thema durchaus umstritten. Peter Stolz, Mitglied bei „Min Land“ und Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Kaisenhaus-Bewohner, sieht den Senat schon lange in Verzug. „Es gab vor Jahren eine politische Zusage, bis zu drei Pilotgebiete für Wochenendhäuser zuzulassen“, erinnert sich Stolz und stellt klar: „Unser Interesse ist nach wie vor da.“ Wenn der Senat jetzt geltend mache, die Ausweisung von Wochenendhausgebieten verursache einen großen Planungsaufwand und zusätzliche Infrastruktur in den betroffenen Parzellengebieten, dann seien das „vorgeschobene Bedenken“. Auch Uwe Herrmann vom Woltmershauser Kleingartenverein „Auf den Ruten“ würde das Thema gern wieder aufleben lassen. Bei einer Umfrage unter den Mitgliedern hätten sich bereits im Jahr 2009 hundert Prozent für eine Umwandlung der Anlage ausgesprochen.

Beim Landesverband der Gartenfreunde, der rund 17.000 Parzellisten organisiert, begrüßt man dagegen die Haltung der Baubehörde. Die Stadt profitiere insgesamt von vitalen Kleingartengebieten. „Und es ist ja auch nicht so, dass eine Umwandlung zu Wochenendhausgebieten nur zu mehr Freiheiten für die Nutzer führen würde“, gibt Geschäftsführerin Birgit Drechsler zu bedenken. Die Grünen vergäßen beispielsweise, dass der niedrige Pachtzins von 16 Cent pro Quadratmeter und Jahr nur für Kleingartenland, nicht aber für mögliche Wochenendhausgebiete festgeschrieben sei. Drechsler: „Wir vertreten 89 Anlagen in Bremen. Ich würde mal sagen: Für 88 davon macht eine Umwandlung wirklich keinen Sinn.“ Über die Initiative der Grünen fällt sie deshalb ein vernichtendes Urteil: „Das ist Unfug.“

Mehr zum Thema
Nach Ärger um Trampolins in Kleingärten: Neue Gartenordnung wird überarbeitet
Nach Ärger um Trampolins in Kleingärten
Neue Gartenordnung wird überarbeitet

Die Mehrheit der Gartenfreunde Bremens haben den neuen Entwurf der Gartenordnung zurückgewiesen. ...

 mehr »

Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 14 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regenschauer.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
aguahorst am 20.10.2019 16:55
In der Nähe von Wilhelmshaven baut man neue Kavernen, um damit Geld zu verdienen. In Bremen will man sie verfüllen und stilllegen.....was passiert ...
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige