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Bremen soll "Essbare Stadt" werden
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Grünkohl statt Tulpen vor den Wallanlagen?

Jürgen Theiner 11.08.2017 35 Kommentare

Wenn es nach den Bremer Grünen geht, soll es in Bremen zukünftig mehr Gemüsebeete und Obstbäume statt Zierpflanzen geben. Ernten dürften die Bürger.
Wenn es nach den Bremer Grünen geht, soll es in Bremen zukünftig mehr Gemüsebeete und Obstbäume statt Zierpflanzen geben. Ernten dürften die Bürger. (Christian Kosak)

Blühen in den Wallanlagen und auf anderen öffentlichen Grünflächen statt Stiefmütterchen und Begonien bald Mangold und Kräuter? Den Grünen schwebt genau das vor. Sie wollen Bremen zur „essbaren Stadt“ machen. Der Senat wird sich in der nächsten Woche mit dem Vorstoß beschäftigen.

„Essbare Stadt“ ist ein Konzept, das bereits in einigen Kommunen umgesetzt wird. So hat beispielsweise die Stadt Andernach bei Koblenz die klassischen Wechselbeete in ihren Grünanlagen durch Gemüse, Obst und Kräuter ersetzt. „Auch solche Nutzpflanzen haben ihre optischen Reize“, sagt der Grünen-Bürgerschaftsabgeordnete Jan Saffe. Der Clou sei aber, dass die Bürger ernten dürfen, was in den Grünanlagen der „essbaren Stadt“ wächst. Beispielsweise Tomaten, Basilikum oder süßes Spalierobst. Die Kommune profitiere von einer Umstellung von Blumen- auf Staudenbeete, denn die Pflegekosten der essbaren Bepflanzung seien geringer als bei konventionell gestalteten Grünanlagen. „Auf öffentlichen Grünflächen soll künftig das Motto ,Pflücken erlaubt statt Betreten verboten‘ gelten. Gemüse, Obst und Kräuter sorgen auch für Blütenpracht“, schwärmt Saffe von dem Konzept.

Jan Saffe
"Gemüse, Obst und Kräuter sorgen auch für Blütenpracht", sagt der Grünen-Bürgerschaftsabgeordnete Jan Saffe. (Lukas Klose)

Umweltbehörde warnt: Bepflanzung der Wallanlagen könnte dem Anliegen schaden

Der Abgeordnete sieht zudem einen konkreten sozialen Nutzen. Menschen mit kleinem Geldbeutel könnten den ein oder anderen Euro sparen, wenn sie in öffentlichen Grünanlagen kostenlos Obst und Gemüse ernten dürfen. Sogar einen pädagogischen Sinn kann der Abgeordnete dem Vorhaben abgewinnen: „Viele Kinder wissen doch heute gar nicht mehr, wie manches Obst und Gemüse auf dem Feld aussieht.“ Die Begegnung mit Nutzpflanzen im öffentlichen Raum könne solche Wissenslücken schließen. Saffe würde mit der Umgestaltung am liebsten sofort loslegen. Etwa in den Neu­stadtswallanlagen und im Vegesacker Stadtgarten.

Nicht einmal vor dem Postkartenmotiv der Wallanlagen machen die Grünen Halt. In ihrer Anfrage an den Senat regen sie an, auch dort die klassische Bepflanzung durch Essbares zu ersetzen. Zuletzt hatten dort im Mai die Gärtner des Umweltbetriebs 22.000 rote und weiße Begonien gepflanzt, die zusammen eine florale „Speckflagge“ bilden.

Das Blumenmeer vor der Wallmühle gilt als das meistfotografierte Motiv Bremens. In ihrem Entwurf für eine Antwort des Senats auf die Grünen-Initiative bremst deshalb sogar die grün-geführte Umweltbehörde den Eifer der Parteifreunde.

Bei der Umsetzung des Konzepts „Essbare Stadt“ sei „breite Akzeptanz“ wünschenswert, heißt es in der Vorlage. Und weiter: „Eine Bepflanzung der als Schmuckgartenanlage denkmalgeschützten Wallanlagen, insbesondere vor der Wallmühle, mit Gemüse und Kräutern könnte dem Anliegen einer ,Essbaren Stadt‘ mutmaßlich eher schaden als nützen“, schreibt das Umweltressort.

Erste Schritte auf dem Weg zur "Essbaren Stadt"

So sieht man es auch bei der Bremer Touristik-Zentrale (BTZ). „Die Wallmühle ist ein beliebtes touristisches Motiv. Der optische Reiz der Bepflanzung sollte schon erhalten bleiben“, findet BTZ-Sprecherin Maike Bialek. Grundsätzlich sei die „Essbare Stadt“ aber ein spannender Ansatz, der sich auch touristisch vermarkten lasse.

Die Umweltbehörde hat unterdessen erste Schritte auf dem Weg zur „Essbaren Stadt“ eingeleitet. Unter anderem ist ein Verzeichnis öffentlicher Flächen in Arbeit, die von Initiativen, Vereinen und interessierten Bürgern für den Anbau von Gemüse, Obst und Kräutern genutzt werden könnten. „Zusammen mit dem Verzeichnis werden Handlungsempfehlungen, insbesondere für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit, die Einhaltung hygienischer Standards und die Beantragung behördlicher Genehmigungen erstellt“, heißt es in der Senatsvorlage.

Und was die Wallanlagen angeht, deutet sich ein Kompromiss an. Die Behörde will die Flächen vor der Wallmühle ab der Saison 2019 mit Blumen bepflanzen, die für Insekten und insbesondere für Bienen mehr Nahrung bieten als die bisher verwendeten Zierpflanzen.

Auf Stadtteilebene hat es in den vergangenen Jahren bereits verschiedene Projekte im Sinne der „Essbaren Stadt“ gegeben, manches davon blieb allerdings im Ansatz stecken. So beschloss beispielsweise der Beirat Blumenthal 2013, mehrere öffentliche Flächen für die Aussaat von Nutzpflanzen bereitzustellen. Letztlich scheiterte das Vorhaben jedoch an finanziellen Fragen sowie an Unstimmigkeiten über die ausgewählten Örtlichkeiten.


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Leserkommentare
derMeier am 19.10.2019 16:40
Ist ein 50 seitiges Gutachten wirklich notwendig, um das Offensichtliche zu bestätigen? Als wäre das irgendwie ein schwer zu beurteilender Fall? ...
suziwolf am 19.10.2019 16:31
Gerne ... „ischa Freimaak“ ...

mit manchmal auch v-e-r-brannte-n Mandeln.

Auf weitere gute Zusammenarbeit. ...
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