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Böhmermann auch unter den Opfern
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Hackerangriffe auf Politiker und Prominente - auch Bremer betroffen

Jan-Felix Jasch, Stefanie Heitmann und Kim Torster 04.01.2019 7 Kommentare

Es hat offenbar Hackerangriffe auf viele deutsche Politiker gegeben.
Es hat offenbar Hackerangriffe auf viele deutsche Politiker gegeben. (123RF)

Hunderte deutsche Politiker sind Opfer von Hackerangriffen geworden. Betroffen seien "alle Ebenen" - Politiker aus dem Bundestag, dem Europaparlament und den Landtagen bis hin zu den Kommunen, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz am Freitag in Berlin. Unter den Betroffenen sind unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), Martin Schulz (SPD), Grünen-Chef Robert Habeck, SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Zu jeder Partei wurde eine eigene Liste mit Daten veröffentlicht. Die AfD-Fraktion ist offenbar die einzige im Bundestag, die davon ausgenommen ist. "Nach dem derzeitigen Stand liegen den ermittelnden Behörden keine Erkenntnisse dazu vor, dass Politikerinnen oder Politiker der AfD von der Veröffentlichung betroffen sind", teilte das Bundesinnenministerium am Freitag in Berlin mit. Die Sichtung der Daten sei aber noch nicht abgeschlossen.

Bremer Politiker betroffen

Nach einer ersten Prüfung der fraglichen Dokumente durch den WESER-KURIER sind auch Bremens Bürgermeister Carsten Sieling oder die Bundestagsabgeordnete der Linken, Doris Achelwilm, betroffen. Sieling wollte sich auf Anfrage des WESER-KURIER am Freitag nicht äußern.

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Achelwilm hingegen erklärte, dass bereits im März 2018 ein E-Mail- und ihr Twitter-Account gehackt worden waren, nachdem sie ein Foto von einer Antikriegs-Demo gegen den türkischen Angriff auf das kurdische Afrin veröffentlicht hatte. Die damals und jetzt veröffentlichten Daten seien sehr ähnlich. Achelwilm forderte, dass Sicherheitslücken geschlossen gehörten. "Aktuelle Gesetzesänderungen für den Einsatz von sogenannten Staatstrojanern durch die Polizei laufen dem entgegen, weil Ermittlungsbehörden für ihre Überwachungssoftware genau auf vorhandene Sicherheitslücken angewiesen sind", sagte sie. Außerdem müsse Providern vorgeschrieben werden, dass sie aktuelle Sicherheitsstandards wie die Zwei-Faktor-Authentifizierung anbieten. 

Mattfeldt: Passwörter "beinahe wöchentlich" geändert

Ebenfalls betroffen ist der CDU-Politiker Andreas Mattfeldt, Abgeordneter für den Wahlkreis Osterholz-Verden. Wie er angibt, wurden bereits vor drei Jahren Daten von ihm abgefangen und veröffentlicht. Seitdem sei er sehr vorsichtig geworden, er und sein Büro würden "beinahe wöchentlich" Passwörter ändern, wie er dem WESER-KURIER sagte. Im aktuellen Fall seien von ihm sämtliche Outlook-Adressen und Facebook-Daten veröffentlicht worden, unter anderem auch private Gespräche über den Facebook-Messenger. Mattfeldt geht davon aus, dass der Angriff auf ihn ungefähr im Juli 2018 erfolgte, denn aktuellere Daten seien nicht betroffen.

Erfahren habe er von der Attacke am Freitagmorgen "über die Medien". Dass er speziell betroffen ist und welche seiner Daten veröffentlicht wurden, habe er selbst herausfinden müssen. Von der CDU-Fraktion habe es diesbezüglich keine Info gegeben, wie er sagt. 

Ähnlich erging es auch der Bremer CDU-Abgeordneten Elisabeth Motschmann. Als der WESER-KURIER sie am Freitagnachmittag anfragte, wusste sie zunächst noch nicht, ob auch ihre Daten gehackt wurden. Über eine eigene Recherche fand sie etwas später heraus, dass ihre Handynummer veröffentlicht wurde. Weitere Informationen dazu hatte sie nicht. Wie Motschmann sagte, habe die CDU-Fraktion eine Hotline für Abgeordnete eingerichtet, die Auskunft geben soll. Die Leitung sei aber durchgehend besetzt.

Wie die DPA unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, hat Martin Schulz den Stein ins Rollen gebracht. Nachdem sich bei dem SPD-Bundestagsabgeordneten und einstigen Kanzlerkandidaten am Donnerstag mehrere Fremde auf einer Nummer gemeldet hatten, die eigentlich nicht öffentlich ist, habe sein Mitarbeiter die Polizei angerufen.

Auch Prominente unter den Opfern

Das niedersächsische Innenministerium gab bekannt, dass es von 53 betroffenen Abgeordneten des niedersächsischen Landtags und sechs Mitgliedern der Landesregierung wisse. Es handele sich aber nicht um abschließende Zahlen. Betroffen sind unter anderem Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Innenminister Boris Pistorius (SPD), Umweltminister Olaf Lies (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Pistorius gab an, dass es sich bei ihm um größtenteils veraltete Daten handeln würde. Von Ministerpräsident Weil seien Privatanschrift und Telefonnummern veröffentlicht worden, sagte sein Sprecher.

Unter den Opfern sind jedoch nicht nur Politiker, sondern auch zahlreiche Prominente. So sind auch Daten des Bremer Moderators und Satirikers Jan Böhmermann sowie des Musikers Materia, des Moderators Oliver Welke, des Schauspielers Til Schweiger und der Band KIZ gehackt worden.

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Aufklärung unter Hochdruck

Das Bundeskriminalamt, der Verfassungsschutz und zahlreiche andere Behörden sind mit dem Fall beschäftigt, darunter auch Landesbehörden. Die Koordinierung liegt beim Nationalen Cyber-Abwehrzentrum. Auch der Generalbundesanwalt schaltete sich in die Prüfung ein. Dazu sei in der Behörde in Karlsruhe ein sogenannter Beobachtungsvorgang angelegt worden, sagte eine Sprecherin des Justizministeriums.

Wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Bundestag erfuhr, geht das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gegenwärtig davon aus, dass die Daten aus öffentlichen Bereichen des Internets wie Sozialen Medien oder Webauftritten stammen sowie teilweise aus privaten "Clouddaten".

Die FDP im Bundestag hat nach der Veröffentlichung von Daten von Politikern und Prominenten im Internet juristische Schritte eingeleitet. Auch Grünen-Chef Robert Habeck hat wegen der Veröffentlichung von Daten im Internet Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Das sagte ein Parteisprecher am Freitag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Habeck gilt neben Jan Böhmermann als ein Hauptbetroffener des Angriffs. 

Persönliche Dokumente und Handynummern

Wer für den Hack verantwortlich ist und welche Absicht dahinter steckt, ist noch unklar. Geleakt wurden vor allem Kontaktdaten wie Handynummern und Adressen, aber auch zahlreiche persönliche und parteiinterne Dokumente wurden von den Angreifern ins Internet gestellt. Politisch brisante Dokumente sollen nach einer ersten Durchsicht nicht unter den Unterlagen sein. Derzeit geht die Verwaltung der Bundesregierung davon aus, dass die Betroffenen direkt gehackt wurden und nicht etwa die Systeme der Bundes- oder Landesregierungen.

Nach Ansicht des renommierten Karlsruher IT-Sicherheitsexperten Christoph Fischer stammen die Daten nicht aus einer einzigen Quelle. "Da hat jemand offenbar mit viel Fleißarbeit versucht, Mail-Accounts zu öffnen", sagte Fischer der dpa. Es handele sich um ein Potpourri an Material aus verschiedenen Hacks. Fischer geht davon aus, dass die Betroffenen schlechte Passwörter sowie Webmail-Accounts statt der offiziellen Mailadresse für die Kommunikation genutzt haben.

Der Angriff ist aus Sicht des Chaos Computer Clubs für jeden Computernutzer ein Weckruf. "Die Attacke zeigt, was passiert, wenn sich jemand wirklich dahinterklemmt und versucht, systematisch Unsicherheiten und Schlampigkeit auszunutzen, die wir alle im Alltag mit unseren Geräten und Informationen betreiben", sagte CCC-Sprecher Frank Rieger der Deutschen Presse-Agentur.

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Kurios ist, dass die Veröffentlichung bereits vor Weihnachten in Form eines Adventskalenders auf einem Twitter-Account namens "G0d" erfolgte. Auf dem Account, der dem WESER-KURIER bekannt ist, wurden seit Sommer 2017 immer wieder persönliche Daten von mehr oder minder prominenten Personen veröffentlicht. Er hatte knapp 18.000 Follower. Der Account gehörte zu einer Internet-Plattform, der Betreiber soll sich in Hamburg befinden. Am Freitag wurde er gesperrt. Twitter verwies darauf, dass die unerlaubte Veröffentlichung privater Informationen gegen die Regeln des Dienstes verstößt. 

Bekannt wurde der Datenklau erst, nachdem der Twitter-Account des bekannten Youtubers Simon Unge am Donnerstag gehackt und dazu benutzt wurde, die gestohlenen Daten zu verbreiten. (mit dpa)

(Dieser Artikel wurde zuletzt um 17.43 Uhr aktualisiert.)


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Leserkommentare
Thomask am 07.05.2021 21:03
Es war der erste im Osten !
susanneundjens am 07.05.2021 21:00
Die machen die Baustelle extra, obwohl da gar nichts zu reparieren ist. Die wollen Sie persönlich ärgern, nur Sie, nur darum ist die da. Ja, ganz ...
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