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Tierhandel
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Hundebabys aus der Zuchtfabrik

Antje Stürmann 11.04.2017 0 Kommentare

Welpenhandel
Hunde wie diese werden gezüchtet, um möglichst großen Profit zu erzielen. Tierschützer sprechen von einer „Welpenmafia“. (Vier Pfoten)

Sie sehen zum Knuddeln aus. Kaum einer ahnt, dass die beiden Hundebabys in Serbien illegal gezüchtet und bei Ebay Kleinanzeigen zum Kauf angeboten wurden. Tierschützer der Hamburger Stiftung „Vier Pfoten“ haben die Anzeige entdeckt und dem Bremer Veterinärdienst gemeldet.

Die Shih-Tzu-Hündin und die Husky-Hündin müssen nun im Tierheim Bremerhaven eine dreimonatige Quarantäne über sich ergehen lassen. Nach Angaben der Behörde ist das nicht der einzige Fall, in dem viel zu junge Hunde aus dem Ausland zum Kauf angeboten wurden. Der Veterinärdienst warnt vor dem Welpenkauf im Netz.

Tollwut und andere Krankheiten

„Laut Händler sind die beiden Welpen acht Wochen alt“, sagt die Leiterin des Bremerhavener Tierheims, Amelie Bensch. Sie bezweifelt das: „Am Gebiss können wir erkennen, dass sie ungefähr fünf Wochen alt sein müssen.“ Die Tiere seien nicht geimpft gewesen, das hat das Tierheim nachgeholt. „Es geht in erster Linie um Tollwut“, sagt Bensch. Aber auch um andere Krankheiten, deren Erreger die beiden süßen Fellknäule in sich tragen könnten: „Zwingerhusten, Staupe, alles mögliche“, so Bensch.

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Zwei- bis dreimal im Jahr nimmt das Bremerhavener Tierheim illegale Welpen auf. Auch im Bremer Tierheim saßen jüngst drei Welpen aus Litauen in Quarantäne, teilt das Veterinäramt mit. „Illegalen Welpenhandel gibt es häufiger“, sagt Bensch, und er nehme zu. Die Polizei bestätigt das nicht, führt aber auch keine Statistik. Die Dunkelziffer ist ohnehin hoch. Begehrt sind nach Angaben von Birgitt Thiesmann von der Stiftung „Vier Pfoten“ vor allem französische Bulldoggen, Möpse und Chihuahua, bei den größeren Hunden Golden Retriever und Labrador.

Wie viele Hunde jährlich illegal ins Land gebracht und verkauft werden, kann sie nicht sagen. „Sicher ist: Der Tierhandel ist nach Waffen und Drogen der lukrativste Markt“, sagt Thiesmann. Einem Bericht der Stiftung zufolge machen die Händler mit einem in Ungarn billig gezüchteten Chihuahua rund 800 Euro Profit. Bei einem Transport von 20 Hunden seien es 15.000 Euro.

Zu früh von der Mutter getrennt

Viele Kunden wollen laut Bensch nicht bis zu 1000 Euro für einen Hund ausgeben, andere wollten einen möglichst jungen Hund haben, damit er später anhänglicher ist. Doch die Käufer bedenken nicht: Hunde, die zu früh von der Mutter getrennt werden, können Verhaltensauffälligkeiten entwickeln. Birgitt Thiesmann: „Unterbricht man die Prägephase der ersten acht Wochen, führt das zu Defiziten, an denen der Hund ein Leben lang leidet.“ Manche Hunde seien extrem ängstlich, andere könnten nicht mit ihren Artgenossen umgehen. Das führe zu Problemen. In Deutschland verbietet das Tierschutzgesetz den Verkauf von Hundewelpen, die jünger als acht Wochen sind.

In Serbien, sagt Bensch, gebe es Zuchtfabriken, in denen die Muttertiere einen Wurf nach dem anderen zur Welt bringen. Das bestätigt Birgitt Thiesmann. Die Welpen werden ihren Aussagen zufolge mit Antibiotika vollgepumpt, ehe sie quer durch Europa gefahren werden. Dass sie aus der Massentierhaltung stammen, sei nicht sofort zu erkennen. Erst wenn die Wirkung der Antibiotika nachlasse, zeige sich schnell, in welchem Zustand die Hundebabys wirklich sind.

Illegaler Welpenhandel
Diese Hunde sitzen in Bremerhaven in Quarantäne. (Amelie Bensch)

„Sie sind von Würmern befallen oder leiden an hochansteckenden Krankheiten, die auch auf den Menschen übertragen werden können“, sagt Thiesmann. „Menschen, die diese Tiere kaufen, bezahlen sich später beim Tierarzt dumm und dämlich“, weiß die Expertin für illegalen Welpenhandel. Und es könnte noch mehr unangenehme Überraschungen geben: Folgen von Inzucht oder genetischer Defekte, zum Beispiel Krankheiten an den Gelenken.

Wer auf der Suche nach einem gesunden Hund sei, der lasse sich die Papiere zeigen. Ein Blick auf das Muttertier sage viel. „Verwehrt der Züchter das, sollte man hellhörig werden und den Veterinärdienst, den Tierschutzverein oder die Polizei informieren“, sagt Amelie Bensch.

Auf der sicheren Seite sei, wer sich an einen Verband wende. Wichtig: „Kein Tier aus Mitleid kaufen“, denn: „Damit unterstützt man den illegalen Tierhandel.“ Für die Quarantäne der Hunde in Bremerhaven muss der Händler übrigens tief in die Tasche greifen. „Da kommen ein paar Tausend Euro zusammen“, sagt Bensch. Dem Händler droht eine Geldstrafe.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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