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Kundgebung mit Jörg Hofmann
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IG-Metall-Chef fordert sozialeres Europa

Lisa Boekhoff 01.05.2019 1 Kommentar

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, sprach vor mehreren Tausend Teilnehmern auf dem Domshof.
Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, sprach vor mehreren Tausend Teilnehmern auf dem Domshof. (Frank Thomas Koch)

In seiner Rede zum "Tag der Arbeit" hat der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, in Bremen appelliert, es müsse ein sozialeres Europa geben. Menschen erlebten quer durch Europa, dass man sich nicht um sie kümmere, es gebe in vielen Ländern eine hohe Arbeitslosigkeit gerade unter den Jugendlichen. "Das ist kein soziales Europa und kein Europa mit Perspektive. Deswegen haben rechte Parteien Zulauf", sagte er. Das Zutrauen darin, dass Demokratie und die Gesellschaft für Gerechtigkeit sorgten, herrsche offensichtlich nicht mehr bei allen Menschen vor.

Motto: "Europa. Jetzt aber richtig"

In ganz Deutschland standen die traditionellen Kundgebungen zum 1. Mai, zu denen der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) aufgerufen hatte, unter dem Motto "Europa. Jetzt aber richtig!" – wenige Wochen vor der Wahl des Europäischen Parlaments. Zur Kundgebung in Bremen kamen nach Angaben der Polizei etwa 3000 Menschen. Hofmann warnte bei seinem Auftritt auf dem Domshof, die Europawahl könne eine "Quittung für eine vernachlässigte Arbeitnehmerschaft in Europa" sein. Und er machte deutlich: Die Gewerkschaft stelle sich Nationalismus, Rassismus und Rechtspopulismus entschieden entgegen.

Klare Worte sprach auch Annette Düring, Vorsitzende des DGB in der Region Bremen-Elbe-Weser. Sowohl für die Europa- als auch die Bürgerschaftswahl am 26. Mai gelte: "Keine Stimme den Rechtspopulisten, die Rassismus und Hetze schüren, keine Stimme an AfD, BIW und Co." In Bremen brauche es mehr Investitionen in die Bildung, in Kitas, Schulen, Berufsschulen und besonders die politische Weiterbildung. "Denn es macht uns Sorgen, wie viele Menschen den populistischen und einfachen Antworten der Rechten hinterherlaufen."

"Kein Europa der Banken und Konzerne"

Hofmann war als Hauptredner in die Stadt gekommen. In Bremen zeige sich seiner Ansicht nach Skepsis gegen die Europäische Union auch aufgrund ihrer Industriepolitik, sagte er mit Blick auf das Stahlwerk von Arcelor-Mittal in der Hansestadt. Harte Kämpfe und Auseinandersetzungen seien notwendig gewesen, um Perspektiven für die Stahlbranche in Deutschland und Europa zu sichern und Schutz vor billigem Stahl aus China und Russland zu geben. "Wir verlangen ein Europa, in der Struktur- und Industriepolitik deutlich besser werden." Und weiter: "Wir wollen kein Europa der Banken und Konzerne. Wir wollen ein Europa der Bürger, ein soziales und demokratisches Europa. Und für das treten wir ein." Neben der Entwicklung in Europa beschäftigte Hofmann der Umbruch in der Arbeitswelt durch die Digitalisierung. Er forderte: Arbeitgeber müssten verpflichtet werden, verbindliche Personal- und Qualifizierungspläne für ihre Mitarbeiter vorzulegen.

DGB-Chefin: 2019 gutes Jahr in der Tarifpolitik

Die Erfolge der Gewerkschaften stellte Hofmann gleich zu Beginn seiner Rede heraus. In Bremen zähle dazu, dass 22.000 Beschäftigte in Hotels, Cafés und Restaurants mehr verdienen, weil der Tarifvertrag allgemeinverbindlich geworden ist. Darauf hatten sich vor knapp einem Jahr die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und der Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in der Hansestadt geeinigt. "Das tut gut, in die Kneipe zu gehen und zu wissen, das Personal wird nicht mehr mit Schandlöhnen abgespeist, sondern kriegt vernünftige Tariflöhne", sagte Hofmann. "Das ist einer der kleinen Erfolge, die wir heute feiern können."

DGB-Chefin Düring machte ebenfalls deutlich, 2019 sei ein "gutes Jahr für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Tarifpolitik" gewesen. Im Durchschnitt hätten die Lohnzuwächse bei drei Prozent gelegen. Düring plädierte zudem erneut für eine Bebauung des Rennbahngeländes. Dafür gab es Applaus, aber auch einen Buhruf aus dem Publikum vor der Bühne. Am 26. Mai gibt es zu dieser Frage einen Volksentscheid. "In Bremen fehlt es an Wohnraum – besonders für kleines Geld und junge Familien." Es könne nicht sein, dass Bremen die Bürger an das Umland verliere.

Demonstrationszug mit rund 3000 Menschen

Am Demonstrationszug beteiligten sich nach Angaben des DGB 3000 Menschen. Vom Weserstadion ging es für sie am Mittwochmorgen in Richtung Innenstadt zur Kundgebung auf dem Domshof ab 12.05 Uhr. Dort waren zahlreiche Stände von Gewerkschaften und Verbänden aufgebaut, etwa von der NGG, der Gewerkschaft der Polizei, dem Sozialverband Deutschland (SOVD), der IG Metall oder der Arbeitnehmerkammer Bremen. Unter den Besuchern fanden sich viele Politiker aus Bremen wie unter anderem Bürgermeister Carsten Sieling (SPD), Bildungssenatorin Claudia Bogedan (beide SPD), die Bürgerschaftsabgeordnete Claudia Bernhard von den Linken, Umwelt- und Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) sowie die Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann (CDU).

Seit fast 130 Jahren wird der "Tag der Arbeit" am 1. Mai begangen. Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegungen rufen traditionell zu Demonstrationen für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne auf. Die zentrale Kundgebung gab es am Mittwoch in Leipzig mit DGB-Bundesvorstand Reiner Hoffmann.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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