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Werkstatt Bremen stellt Produktion von Bürsten ein
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Im Martinshof hat sich's ausgebürstet

Justus Randt 27.01.2019 0 Kommentare

Mitarbeiter Joschka Kock präsentiert Schrankbesen aus eigener Produktion – seit Jahresbeginn werden Bürsten und Besen nicht mehr in Bremen hergestellt, sondern zugekauft.
Mitarbeiter Joschka Kock präsentiert Schrankbesen aus eigener Produktion – seit Jahresbeginn werden Bürsten und Besen nicht mehr in Bremen hergestellt, sondern zugekauft. (Christina Kuhaupt)

Mit den Besenbindern und Bürstenmachern des Martinshofs haben die letzten ihres Metiers die Arbeit eingestellt: Seit Jahresbeginn werden Straßen-, Stuben- und Schrankbesen, Handfeger, Ziegenhaarpinsel und viele weitere borstige Haushaltshelfer nicht mehr in Bremen hergestellt. Zu kaufen gibt es sie aber weiterhin, auch den Star auf der Bürstenbühne, Lola, die Rosshaarspülbürste, die demnächst aus Flensburg kommt.

Jahrzehntelang zählten Bürsten und Besen zum Kerngeschäft von Behindertenwerkstätten und Blindenanstalten und haben so zum Klischee von der geschützten Werkstatt als abgeschottetem Raum beigetragen. Heute pflegt der Martinshof, dessen Träger der städtische Eigenbetrieb Werkstatt Bremen ist, ein modernes Image und wirbt damit, einen „Beitrag zur inklusiven Arbeitswelt“ zu leisten. Es gibt sogenannte Außenarbeitsgruppen in Betrieben und in Martinshof-Läden.

An 30 Standorten im Bremer Raum werden unter anderem Lebensmittel, Möbel, Mülltonnenboxen und Fahrräder hergestellt. Dass „das Portfolio“ der sogenannten Eigenfertigungsprodukte künftig ohne Feger dasteht, findet Ahlrich Weiberg „bedauerlich“. Der Geschäftsführer der Werkstatt Bremen ist von Haus aus Maschinenbauingenieur und „handwerklich geprägt“, wie er sagt. „Da tut es weh, wenn man so ein altes Handwerk einfach sterben lässt. Aber die ganze Gruppe ist älter geworden, das Gesamtpaket, alle Handgriffe beherrschte nur noch einer“, sagt der Chef und bestätigt, was viele Besucher der Werkstatt in Blockdiek ausprobieren konnten: „Das ist kein Low-Level, sondern eine schwierige Arbeit.“

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Wohl auch deshalb sei die Bürstenmacherei in der Werkstatt als Arbeitsplatz nicht besonders beliebt gewesen, vermutet Weiberg. „Wenn ich die Maschinen verändere, könnte ich die Arbeit vielleicht für andere interessanter machen, aber man müsste relativ viel investieren, ohne zu wissen, ob sich das Geld wieder erlösen ließe.“ Deshalb sei nun nach ungefähr 30 Jahren Schluss.

"Nicht einen einzigen mehr" der in Bremen Bürszen herstellt

Der letzte Bürstenmacher von Bremen übernimmt eine andere Aufgabe in der Werkstatt. Außerhalb des Martinshofs gebe es schon seit 20 Jahren „nicht einen einzigen mehr“ in Bremen und Bremerhaven, der das Gewerbe des Bürsten- und Pinselmachers ausübe, sagt Michael Curtze, der bei der Handwerkskammer die Handwerksrolle führt.

Für Bettina Siebert-Kossmann liegt es auf der Hand, dass ein Mitarbeiter allein unmöglich das Angebot von mehr als einem Dutzend unterschiedlicher Bürsten, Besen und Pinsel hätte aufrechterhalten können. Zumal die Nachfrage nach den Produkten eher steige, als dass sie nachlasse. Die Leiterin Eigenfertigung und Einzelhandel/Verkauf der Werkstatt Bremen sorgt nun für Nachschub aus Schleswig-Holstein. „Unser Sortiment bleibt, und wir ergänzen es sogar.“ Die Mürwiker Werkstatt für Behinderte verfüge im Unterschied zum Martinshof über ein junges und mit 14 Spezialisten großes Team.

„Lola ist einmalig, der Renner“, sagt Siebert-Kossmann, deshalb werde die Spülbürste künftig das Repertoire der Mürwiker ergänzen. Noch im ersten Quartal solle Lolas Zukunft gesichert werden. Dabei geht es um die Überlieferung der Details: „Die antibakteriell wirkende Rosshaarbesteckung kommt überwiegend aus Südamerika und wird mit Kupferdraht eingezogen, das Buchenholz stammt aus Bayern.“ Und so hat Lola weiter ihren Platz in den Martinshofläden und künftig auch weit über Bremen hinaus.


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Leserkommentare
kkahle am 21.10.2019 15:04
Achtung, Achtung!
Der kleine Jan hat sich im Internet verlaufen und sucht jetzt seine Mutti.
Wer ihm begegnet, möge ihm den Weg nach ...
suziwolf am 21.10.2019 15:04
Weit weg ... @Jubi ... ist Erdogan.

Nicht nur geografisch, sondern auch
,Ihrer Vorfreude entsprechend‘ 🙀 !

Und, wenn ...
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