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1000 Schulmeider
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Immer mehr Kinder in Bremen gehen nicht zur Schule

Sara Sundermann 28.09.2017 14 Kommentare

Schulverweigerer in Sachsen-Anhalt
Draußen rumhängen, statt im Klassenzimmer zu sitzen: Immer mehr Kinder in Bremen bleiben dem Schulunterricht fern. (dpa)

Immer mehr Kinder in Bremen gehen dauerhaft nicht zur Schule. Das geht aus aktuellen Zahlen der Bildungsbehörde hervor. Demnach ist die Zahl der sogenannten Schulmeider von 699 Kindern im Schuljahr 2015/16 auf 968 Kinder im Schuljahr 2016/17 gestiegen.

Und diese Zahl erfasst nur die sehr auffälligen Fälle von Schulmeidern. „Da geht es um Kinder, die schon sechs Wochen lang gar nicht oder nur sehr unregelmäßig zur Schule gegangen sind und die von den Schulen an die Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentren gemeldet werden“, erklärt Behördensprecherin Annette Kemp.

Ihren Angaben zufolge gibt es verschiedene Gründe fürs Schulmeiden: „Wir vermuten, dass die Zahl vor allem an den Berufsschulen gestiegen ist“, so Kemp. Aus den Berufsschulen gebe es Hinweise darauf. Ein Teil des Anstiegs könnte durch zugewanderte und geflüchtete Kinder verursacht sein, vermutet Kemp.

Gemeinsam mit der Sozialbehörde

„Es gibt Jugendliche, die hier die Schulstrukturen noch nicht so kennen und Kinder, die traumatisiert sind.“ Auch bei unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen, die eine Berufsschule besuchen, kommt es zum Teil zu beträchtlichen Fehlzeiten. Im Umgang mit ihnen kommt erschwerend hinzu, dass es in Bremen keine Eltern oder nahen Angehörigen gibt, mit denen die Lehrer sprechen könnten und die auf die Jugendlichen einwirken könnten, damit sie zur Schule gehen.

„Manchmal gibt es bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen eine persönliche Bindung zu ihrem Betreuer, den Lehrer dann ansprechen können, aber das ist eben nicht bei allen so“, sagt Kemp. „Wir müssen uns offenbar noch mehr darum kümmern.“ Dies solle gemeinsam mit der Sozialbehörde geschehen.

Diese müsse die Vorarbeit leisten, „das Problem ist aus den Schulen heraus allein gar nicht zu lösen“. „Manche geflüchtete Jugendliche haben eine andere Schrift in ihrem Heimatland gelernt und kommen quasi als Analphabeten hierher, andere sind in ihrem Heimatland gar nicht zur Schule gegangen“, beschreibt Katharina Mild vom Verein Fluchtraum.

Viele individuelle Ursachen

„Für sie ist es hier in der Schule besonders schwierig, und es gibt auch keine Anlaufstelle für sie, die Rebuz-Zentren haben für diese Gruppe noch keinen richtigen Handlungsansatz.“ Doch geflüchtete Jugendliche sind nur ein Aspekt des Problems: Schulmeider gibt es in allen Schichten und Gesellschaftsgruppen. Wenn Kinder nicht zur Schule gehen, kann das viele individuelle Ursachen haben.

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„Es gibt keine einheitliche Erfassung für Schulmeider in Bremen“, sagt Karin Hauffe vom Träger Wabeq, der an drei Schulen im Bremer Westen Projekte für Schulmeider anbietet. Hauffe vermutet: Die Zahl der Schulmeider dürfte noch viel größer sein. „Häufig wird das Problem nicht erkannt.“

Kinder fälschen Entschuldigungen oder geben sich am Telefon als ihre Eltern aus, um sich abzumelden. Manche Kinder verlassen zwar morgens das Haus, gehen dann aber nicht zur Schule. Und es gibt viele Kinder, die zwar zum Unterricht kommen, sich aber innerlich abgemeldet haben, sagt Pädagogin Hauffe. „Die Zahl der knapp 1000 Schulmeider zeigt nicht, was im Verborgenen los ist.“

Warnsignale übersehen

Sie übt Kritik an der Ausstattung der Schulen und der Beratungsstellen, die beim Thema Schulmeider helfen sollen: Den Schulen, den Zentren für unterstützende Pädagogik und den Rebuz-Zentren fehle es an Personal. „Die Systeme zum Umgang mit Schulmeidern sind in Bremen da, aber sie funktionieren nicht“, sagt Hauffe.

„Aus einer Oberschule im Bremer Westen habe ich gehört, dass 20 Prozent der Kinder in der 5. Klasse gar nicht zu unterrichten sind, weil sie so verhaltensauffällig sind. Die Lehrer kommen doch zum Teil gar nicht dazu, ihren Bildungsauftrag zu erfüllen, wie sollen sie da auch noch auf erste Warnsignale von Schulmeidern achten?“, fragt Hauffe.

Handlungsunfähig weil schlecht ausgestattet

Sie selbst war auch als Mutter betroffen, ihr Sohn ging nicht zur Schule. Davon erfuhr sie aber erst, als auf dem Zeugnis fünf unentschuldigte Fehltage auftauchten, von denen sie zuvor nichts wusste. „In der Schule war es nicht aufgefallen, und ich sollte dann beim Rebuz drei Monate auf einen Termin warten“, erzählt sie.

„Im Rebuz gibt es kompetente Berater, doch die Rebuz-Zentren sind oft handlungsunfähig, weil sie so schlecht ausgestattet sind“, sagt auch Michal Myrcik, Vorsitzender des Personalrats Schulen. „Wir versuchen als Lehrer alles, um die Schüler zu erreichen, wir verlassen uns nicht auf die Rebuz“, betont er. „Gerade habe ich bei einem Schüler, der häufig fehlte, einen Hausbesuch gemacht und einen Schüler in Gröpelingen aus einer Spielothek herausgeholt, damit er zum Unterricht kommt.“


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Leserkommentare
WK-28203 am 22.10.2019 11:44
Nur leider sind die bestimmten Bahnen/Busse der BSAG schon überfüllt, dort gibt es einfach kaum noch Platz drin...

Um es mal direkt ...
peteris am 22.10.2019 11:19
Ach die "armen Landwirte". Monokultur,Massentierhaltung und Grundwasserverseuchung, sind das Markenzeichen der so "armen Landwirte", was auch noch ...
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