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Jugendliche in Bremen trinken und rauchen weniger

Ralf Michel 08.03.2018 4 Kommentare

Rauchen
Jugendliche rauchen und trinken heute deutlich weniger als noch 2005. Das zeigt eine neue Studie in Bremen. (dpa)

Zwölf Jahre hat es gedauert, bis es in Bremen mal wieder eine belastbare Untersuchung zum Drogenkonsum von Jugendlichen gab, aber immerhin, sie kommt mit überwiegend positiven Nachrichten: Jugendliche im Land Bremen konsumieren deutlich weniger Drogen als bei der letzten Studie 2005 lautet die zentrale Aussage zum Suchtverhaltens von 14 bis 17-Jährigen im Land Bremen.

Am Donnerstag stellten die Senatorinnen Eva Quante-Brandt (Gesundheit) und Claudia Bogedan (Bildung) die aktuelle Studie vor.

"Schulbus-Studie" heißt die Untersuchung der Hamburger Fachstelle für Suchtfragen "Sucht.Hamburg". Schulbus steht für "Schüler- und Lehrerbefragung zum Umgang mit Suchtmitteln". Zuletzt gab es eine solche Untersuchung 2005, 2016/17 wurden erneut 1600 Schüler in Bremen und Bremerhaven zu ihrem Konsum von Tabak, Alkohol und Cannabis befragt. In allen Bereichen war im Vergleich zu 2005 ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Die beiden Senatorinnen leiteten daraus ab,  "dass die Präventionsarbeit in Bremen Erfolge zeitigt".

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In Zahlen ausgedrückt: Gaben 2005 rund 70 Prozent der Bremer Jugendlichen an, schon einmal geraucht zu haben, so waren es 2016/17 nur noch 38 Prozent. Sogar mehr als halbiert hat sich die Zahl der aktuellen Raucher unter den Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren. 2005 bezeichneten sich 42 Prozent der Mädchen und Jungen als Raucher, in der jetzigen Studie sind es 19. 

Anstieg bei Schmerzmitteln

Zum Cannabis-Konsum befragt, gaben rund elf Prozent der Jugendlichen an, in den vergangenen 30 Tagen etwas geraucht zu haben. Vor zwölf Jahren waren es 16 Prozent. Noch stärker rückläufig ist der Alkoholkonsum. 2005 gaben etwa 70 Prozent der Befragten an, bereits Alkohol getrunken zu haben, in der aktuellen Studie liegt dieser Wert bei 50 Prozent. Geändert hat sich zudem auch das Alter, in dem die Jugendlichen erstmals Alkohol trinken. 2005 war dies mit 13,4 Jahren, jetzt mit 13,9 (Bremerhaven 14,1). Laut "Sucht.Hamburg" ein "signifikanter Anstieg".

Überraschend deutlich zugenommen habe dagegen die Einnahme von Medikamenten, genauer Schmerzmittel, berichtete Susanne Poppe-Oehlmann, Referatsleiterin Gesundheit und Suchtprävention am Landesinstitut Schule. 2005 gaben 32 Prozent der Jugendlichen an, Schmerzmittel zu nehmen, jetzt waren es 52 Prozent. "Wir wissen nicht, warum das so ist, aber auch das ist eine Hausaufgabe, die wir zu erledigen haben." 

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Und es gibt weitere Baustellen, auf denen trotz der insgesamt rückläufigen Zahlen auch in Bremen viel Arbeit bleibt. Allen voran ist da der nach wie vor hohe Wert beim sogenannten Binge-drinking oder auch Komasaufen. Hiermit werden  Trinkgelage bezeichnet, in denen Jugendliche in kurzer Zeit große Menge Alkohol konsumieren. Jeder fünfte der Befragten gab an, dies mindestens einmal im Monat zu tun.

Hinzu kommen eine Reihe von Verhaltenssüchten, auf die man künftig verstärkt ein  Augenmerk legen müsse, erklärte Gesundheitssenatorin Quante-Brandt. Angesprochen sind hiermit Bereiche wie PC-Spiele, Glücksspiel und das Internet – 86 Prozent aller Jugendlichen sind täglich mindestens einmal online aktiv, die durchschnittliche Dauer der täglichen Internetnutzung beträgt etwa sechs Stunden.

Auch Essstörungen sind Thema in der Studie. Hierzu gebe es zwar noch keine gesicherten Daten, aber erste Hinweise auf Verhaltensweisen, die sich zu einem problematischen Essverhalten entwickeln könnten. Dies betrifft laut Studie nicht allein Mädchen und junge Frauen. Auch 28 Prozent der männlichen Schüler machen sich häufig Gedanken über ihre Figur und ihr Gewicht, leiden unter Stimmungsschwankungen (15 Prozent) und blicken auf aktuelle Diäterfahrungen zurück (20 Prozent). 

Hierzu werde man intensive Gespräche mit den Krankenkassen führen, kündigte Quante-Brandt an. Ansprechpartner seien außerdem Ärzte und der öffentliche Gesundheitsdienst. So böten zum Beispiel die J1- und J2-Untersuchungen die Möglichkeit, das Jugendliche von einer neutralen Person auf eventuelle Probleme und Süchte angesprochen werden könnten.

Thema in Lehrerausbildung

Man sehe in den Ergebnissen der Studie aber auch den Auftrag, das Thema Suchtprävention stärker in die Ausbildung künftiger Lehrer einzubinden, erklärte Susanne Poppe-Oehlmann. Wie überhaupt Lehrer dafür sensibilisiert werden müssten, genauer hinzusehen. Darüber, wie dies heute geschieht, liefert die Schulbus-Studie keine Erkenntnisse. Trotz intensiver Bemühungen habe bedauerlicherweise keine repräsentative Stichprobe für Lehrerinnen und Lehrer realisiert werden können, heißt es in der Studie. 133 Lehrkräfte nahmen an der Befragung teil und berichteten von ihren Beobachtungen zum Umgang der Jugendlichen mit Drogen – zu wenig, um daraus verlässliche Zahlen abzuleiten. 

Einwurf der Bildungssenatorin: Schule sei ohne Frage ein wichtiger Ort für Suchtprävention, betonte Claudia Bogedan. "Aber wenn das nicht zugleich auf ein passendes gesamtgesellschaftliches Klima trifft, kann Schule auch nichts machen." Hier seien die Erwachsenen gefordert, ihren Kindern etwas vorzuleben. 

Aber ohne moralischen Zeigefinger, ergänzte Poppe-Oehlmann. Der funktioniere in der Präventionsarbeit überhaupt nicht, so ihre Erfahrungen. "Damit verlieren wir die Jugendlichen sofort." Es ginge vielmehr darum, Kinder und Jugendliche zu stärken und ihnen ein Risikobewusstsein zu vermitteln.

+ Der Artikel wurde aktualisiert um 16:58 Uhr +


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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