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Komatrinken kommt in Bremen aus der Mode

Sabine Doll 12.01.2019 0 Kommentare

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit Anzeichen für eine Alkoholvergiftung in Bremer Krankenhäuser eingeliefert wird, ist zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen.
Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit Anzeichen für eine Alkoholvergiftung in Bremer Krankenhäuser eingeliefert wird, ist zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen. (Peter Steffen/dpa)

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit Alkoholvergiftung in Bremer Krankenhäuser eingeliefert werden, ist zurückgegangen – soweit die positive Nachricht. Klinikärzte in Bremen berichten allerdings von einer Entwicklung, die aufschreckt. Immer häufiger müssen sie in der Notaufnahme der Kinderklinik Mädchen und Jungen behandeln, die verschiedene Drogen konsumiert haben.

Zum zweiten Mal in Folge ist 2017 die Zahl der jugendlichen Komatrinker im kleinsten Bundesland gesunken. Das meldet die Krankenkasse DAK und stützt sich auf Zahlen des Statistischen Landesamts. 163 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 20 Jahren wurden danach 2017 nach Alkoholmissbrauch ins Krankenhaus eingeliefert – 89 Jungen und 74 Mädchen.

Im Jahr davor lag die Zahl der jungen Komatrinker noch bei 170, das entspricht einem Rückgang von 4,1 Prozent. „Während die Zahl der männlichen Betroffenen im Vergleich zu 2016 um rund ein Prozent gesunken ist, gab es bei Mädchen und jungen Frauen einen Rückgang von 7,5 Prozent“, teilt die Kasse mit. Allerdings: In der Gruppe der Zehn- bis 15-Jährigen verzeichnet die Statistik ein Plus von 20 Prozent. Insgesamt mussten 18 Kinder – neun Mädchen und neun Jungen – wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden.

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Auch in Niedersachsen und Hamburg verzeichnen die Kliniken unterm Strich einen rückläufigen Trend: in Niedersachsen um 2,8 Prozent, dort wurden 2017 insgesamt 2055 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 20 Jahren wegen Alkoholmissbrauchs stationär behandelt. Besonders deutlich fällt der Rückgang in Hamburg mit 19,6 Prozent aus: Mit 135 jungen Patienten liegt die Gesamtzahl außerdem deutlich unter der in Bremen.

Trotz des Rückgangs der jungen Komatrinker, Entwarnung gibt es nicht: „Der rückläufige Trend ist erfreulich, dennoch ist jede Alkoholvergiftung eine zu viel“, sagt Jens Juncker, Leiter der DAK-Landesvertretung in Bremen. Die Kasse will weiter auf Prävention und Aufklärung mit ihrer Kampagne „bunt statt blau“ setzen, die sich an Schüler zwischen zwölf und 17 Jahren richtet. Sie sind aufgerufen, mit Plakaten Botschaften gegen das Rauschtrinken zu entwickeln. Schirmherrin der Kampagne in Bremen ist Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD).

"Gerade junge Mädchen betrifft dieses Problem"

Den rückläufigen Trend kann auch Klaus-Peter Hermes bestätigen, der Chefarzt leitet die Notaufnahme an Bremens größtem Krankenhaus, dem Klinikum Bremen-Mitte. Nach wie vor gebe es vor allem an Tagen wie dem 1. Mai, während des Freimarkts oder nach der Zeugnisvergabe Jugendliche, die mit Anzeichen für eine Alkoholvergiftung in die Notaufnahme eingeliefert würden.

„Aber es sind weniger und meist auch nicht mit so hohen Blutalkoholwerten“, betont Hermes. Häufig seien Mädchen betroffen, die mit Promillewerten von 0,8 oder 0,9 zusammenbrechen, da sie den Alkoholkonsum nicht gewohnt seien. In der Notaufnahme des Krankenhauses an der St.-Jürgen-Straße werden Jugendliche ab 16 Jahren aufgenommen. Mädchen und Jungen, die jünger sind, werden in der Prof.-Hess-Kinderklinik behandelt.

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„Zwar melden die Ärzte in der pädiatrischen Notaufnahme ebenfalls einen Rückgang in Bezug auf das Thema Komatrinken. Allerdings beobachtet man dort eine leichte Verschiebung hin zur Diagnose Vergiftung mit unterschiedlichen Drogen“, betont Stefanie Beckröge, Sprecherin des Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno), zu dem unter anderem das Klinikum Bremen-Mitte und die Prof.-Hess-Kinderklinik gehören. Neben Alkohol seien Ecstasy und Kokain im Spiel. Und: „Gerade junge Mädchen betrifft dieses Problem“, gibt die Sprecherin die Wahrnehmung der Ärzte in der Kinderklinik wieder.

In solchen Fällen würden Gespräche mit Psychologen der Klinik empfohlen, die Eltern würden zu Gesprächen gebeten, Adressen der Jugendsuchthilfe weitergegeben und geprüft, ob das Amt für Soziale Dienste eingeschaltet werden müsse. „Die Eltern sind oft dankbar für diese Gespräche“, betont die Sprecherin.

Ein weiterer erschreckender Befund: Es seien auch Jugendliche darunter, die nicht das erste Mal durch Drogenkonsum in der Klinik behandelt würden. Sie fielen häufig auch durch aggressives Verhalten auf. Stefanie Beckröge: „Auch das ist offenbar ein zunehmendes Problem in der pädiatrischen Notaufnahme.“


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Leserkommentare
linde79 am 20.10.2019 17:58
Wie wäre es denn, wenn man auch mal die Qualität der Lehrer und Lehrerinnen hinterfragte? Wie wäre es in Anbetracht der Bildungsmisere, die ...
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
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