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Ermittlungsarbeit gefährdet
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Kripo-Gewerkschaft schlägt Alarm: Bremer Polizei ist unterbesetzt

Ralf Michel 05.03.2019 9 Kommentare

Die Zahl der Indoorplantagen für den Cannabis-Anbau steigt in Bremen seit Jahren. Doch um dagegen intensiv vorgehen zu können, fehlen der Polizei die Mittel, sagt der BDK.
Die Zahl der Indoorplantagen für den Cannabis-Anbau steigt in Bremen seit Jahren. Doch um dagegen intensiv vorgehen zu können, fehlen der Polizei die Mittel, sagt der BDK. (China Hopson)

Wo der Schuh drückt bei der Kripo in Bremen? Falsche Frage, findet Michael Hauk. „Wo drückt er im Moment nicht?“, sagt der Geschäftsführer des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Landesverband Bremen. Noch drastischer formuliert es Heiko Kück, Beisitzer im Landesvorstand des Bremer BDK: „Die Handlungsfähigkeit der Dienststellen ist durchweg gefährdet. Überall wird täglich improvisiert.“

In Bremen fehlen Polizisten, die festgelegte Zielzahl von 2600 Stellen ist nach wie vor nicht erreicht. Das hat Auswirkungen, auch auf die Kriminalpolizei, bei der derzeit von 700 Stellen 50 nicht besetzt sind. Mehrfach Thema in der politischen Diskussion waren dabei zuletzt die Berge unerledigter kriminaltechnischer Untersuchungen, egal ob bei Drogen, DNA-Spuren oder digitalen Speichermedien. Intern werden die Bearbeitungsrückstände bei der Kripo als „Haldenberichte“ geführt. Insgesamt lägen derzeit 15 000 Vorgänge auf Halde, sagen Hauk und Kück.

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Eine plakative Zahl, doch für den BDK greift das Problem tiefer. Weil Personal fehlt, müsse priorisiert werden, erläutert Heiko Kück. „Wo schwerpunktmäßig was ist, werden Leute zusammengezogen.“ Dieses Personal fehle dann an anderer Stelle, also bleibe dort etwas liegen. Lang vorbei die Zeiten einer flexiblen Ermittlungsgruppe bei der Bremer Kripo, eine Art Taskforce, die alle Felder abdeckte. Diese Gruppe galt zwar als Erfolgsmodell, sagt Hauk. Wurde aber trotzdem aufgelöst. „Dafür fehlen einfach die Reserven.“

Hinzu käme die Standardisierung vieler Vorgänge, die zu Frust bei den Kollegen führe. Die beklagten, dass sie mit Standards geradezu überzogen würden und kaum noch kriminalistisch ermitteln könnten, berichtet Kück. „Die Qualität der Ermittlungstiefe ist nicht mehr vorhanden.“ Stattdessen seien Priorisierung und Standardisierung zum Alltag geworden. „Dabei ist das mit dem eigentlichen Berufsbild eines Ermittlers nicht zu vereinbaren.“ „Und da, wo nicht mehr intensiv ermittelt werden kann, verfestigen sich kriminelle Strukturen“, ergänzt Michael Hauk. Als Beispiel nennt der Hauptkommissar die Clan-Kriminalität. „Da muss man draufgehen, aber das geht nur mit einem intensiven Ermittlungsansatz. Doch dafür muss man die Leute haben.“ Nächstes Beispiel: Menschenhandel: „Früher konnten sich die Kollegen in der Stadt umsehen, es gab ein Lagebild für die Modellwohnungen.“

Heutige Herangehensweise

Und heute? Nicht zu schaffen für den einen Sachbearbeiter, der sich noch um den Menschenhandel kümmere. Oder die Discomeile: „Es gab mal Sachbearbeiter, die nur für die Meile zuständig waren. Und es gab ein zentralisiertes Lagebild.“ Auch das sei Vergangenheit. Heute werde die Discomeile dezentral in den Kommissariaten bearbeitet. Mit dieser Art der Herangehensweise gingen Informationsverluste und der Rückzug der Polizei aus dem Milieu einher, beklagt Hauk.

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Wegen fehlender Kapazitäten könnten außerdem bestimmte Bereiche nicht mehr angegangen werden. Bei jugendlichen Rauschgiftkonsumenten oder -händlern müsse eigentlich früh interveniert werden, gibt Hauk auch hier ein Beispiel. „Erziehung statt Strafe“, laute dabei der Grundgedanke. Tatsächlich würden im zuständigen Kommissariat aber mehrere 100 solcher Fälle nicht bearbeitet.

Und apropos Rauschgiftkriminalität: Es gebe in Bremen immer mehr Indoorplantagen. „Das deutet auf ein strukturelles Umfeld hin“, erklärt Michael Hauk mit Blick auf die in den letzten Jahren stetig steigende Zahl der entdeckten Plantagen und Pflanzen. Theoretisch müsste auch dagegen intensiv vorgegangen werden. Und in der Praxis? „Müssen wir bei einem Verdacht erstmal warten, bis die  operativen Kräfte einen Termin frei haben, um uns zu unterstützen.“

Kripo möchte "vernünftige technische Ausstattung"

Am Thema Indoorplantagen macht Heiko Kück ein aus seiner Sicht weiteres Manko für die Kriminalpolizei in Bremen fest – deren technische Ausstattung. „Wenn wir den Verdacht haben, dass sich in einer Lagerhalle eine Indoorplantage befindet, könnte das mit einer Drohne schnell geklärt werden.“ Mit Fotos von einer auffälligen Lüftungsanlage zum Beispiel. Oder mit Aufnahmen einer Wärmebildkamera. „Es gibt sogar schon Drohnen, die können den THC-Gehalt in der Luft messen.“ 

Zukunftsmusik für die Bremer Polizei, bei der bislang keine Drohne im Einsatz ist. Vernünftige Fahrzeuge für verdeckte Überwachungen wären auch gut, sagt Kück. Oder moderne Software zum Auslesen von Handydaten. „Gibt es alles. Muss man  nicht neu erfinden.“ Auch dies wäre aus Sicht des BDK ein Ansatz, um den Arbeitsdruck von den Kripobeamten zu nehmen und ihre Ermittlungsarbeit zu erleichtern: „Einfach mal Geld für eine vernünftige technische Ausstattung in die Hand nehmen.“


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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