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Langes Warten auf Abi-Noten in Bremen

Silke Hellwig 24.05.2019 1 Kommentar

Erstmals hat das Bildungsressort den Abiturnoten-Durchschnitt der 40 Schulen mit Oberstufe im Land Bremen veröffentlicht.
Erstmals hat das Bildungsressort den Abiturnoten-Durchschnitt der 40 Schulen mit Oberstufe im Land Bremen veröffentlicht. (Felix Kästle /dpa)

Erstmals hat das Bildungsressort den Abiturnoten-Durchschnitt der 40 Schulen mit Oberstufe im Land Bremen veröffentlicht. Verantwortlich dafür ist auch die Beharrlichkeit der Bremerin Hendrike Berger. Mitte Januar hatte sie sich an das Bildungsressort gewandt, um zu erfahren, wie die Abi-Noten in den Jahren 2015 bis 2018 an den Bremer Gymnasien und Oberschulen ausgefallen sind sowie an drei einzelnen Schulen. Dabei beruft sich die Mutter auf das bremische Informationsfreiheitsgesetz (IFG).

Hendrike Berger fragte die Daten nicht von ungefähr an: „Mein Kind kommt nächstes Jahr in die 5. Klasse. Zur Vorbereitung der Schulanwahl haben wir Informationsveranstaltungen weiterführender Schulen besucht.“ Den Noten-Durchschnitt des Ökumenischen Gymnasiums kannte Hendrike Berger aus der Zeitung. „Gerne wollte ich – als einem Puzzlesteinchen im Rahmen der Schulwahl – auch von den uns interessierenden staatlichen Schulen eine Vergleichsinformation haben.“

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Eines der Gymnasien, die sich Bergers ansahen, habe damit geworben, dass seine Schüler in vielen Bereichen höhere Kompetenzen als der Bundesdurchschnitt aller Gymnasiasten hätten. Eltern hätten sich erkundigt, ob sich das auch in den Abi-Noten zeige. "Daraufhin sagte die Schulleitung aber überraschenderweise, sie kenne den Abiturdurchschnitt der eigenen Abiturienten nicht.

Da waren wir erstaunt: Denn entweder wusste die Schulleitung wirklich nicht den eigenen Abi-Schnitt oder sie durfte ihn nicht nennen – beides fände ich bildungspolitisch wenig überzeugend. Kurz: Ich wollte mir gerne ein vollständigeres Bild machen und wandte mich an die Behörde", berichtet Hendrike Berger. Neben den Abi-Noten interessiert sich die Bremerin auch für Erstanwahl-Zahlen der fünften Klassen und zur Verfügung stehende Plätze für zwei Gymnasien.

Nach vier Monaten keine Antwort

Vier Monate später hatte die Mutter noch keinerlei Antwort, obwohl die Angaben „ohnehin in elektronischer Form allgemein zugänglich gemacht sein müssen“. Daran lässt das Informationsfreiheitsgesetz keinen Zweifel: „Die Behörden haben die (...) genannten Pläne, Verzeichnisse und Verwaltungsvorschriften sowie weitere geeignete Informationen (...) in elektronischer Form unverzüglich allgemein zugänglich zu machen“, heißt es im Gesetzestext.

Hendrike Berger strengte eine Dienstaufsichtsbeschwerde an. Auch darauf gab es keinerlei Reaktion. Sie sagt: „Ich empfinde es als widersprüchlich, dass Transparenz und Informationsfreiheit in Bremen immer wieder geradezu wie eine Monstranz vor sich hergetragen werden, ich selbst aber seit Monaten eigentlich ziemlich banale, mir rechtlich zustehende und der Behörde vorliegende Daten weder erhalte, noch mir mitgeteilt wird, weshalb ich sie nicht erhalte.“ Zumal andere Bundesländer wie Berlin diese Informationen öffentlich zugänglich machten. Auch Niedersachsen veröffentlicht Notenspiegel online.

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Die Mutter wandte sich an die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit. Anfang März teilte diese Behörde dem Ressort mit, dass die Monatsfrist, in der eine Auskunft erteilt werden muss, überschritten sei. „Da mir die Beantwortung nicht besonders komplex erscheint und auch keine Dritten zu beteiligen wären, dürfte eine weitere Fristverlängerung (...) hier nicht in Betracht kommen“, heißt es in dem Schreiben aus der Dienststelle der Landesbeauftragten. Das Bildungsressort antwortete daraufhin, dass die Daten in den nächsten Wochen veröffentlicht werden würden, so Imke Sommer.

Bildungsressort entschuldigt sich für Verzögerung

Seit diesem Mittwoch finden sich die Noten auf den Internetseiten des Bildungsressorts. Die Sprecherin zeigt sich zerknirscht: „Wir können uns für die Verzögerung und lückenhafte Kommunikation nur vielmals entschuldigen“, sagt Annette Kemp. Das Ressort verstehe sich ausdrücklich als „Dienstleister für die Bürger“. Es sei jedoch aufwendiger, die Zahlen zusammenzustellen, als man meinen könne, zudem bedürften sie einer Kommentierung, um nicht falsche Schlüsse zu ziehen.

Auch die Landesbeauftragte Imke Sommer ist nicht zufrieden: „Das Ergebnis, das wir nun haben, ist gut, aber es hat zu lange gedauert.“ Damit stehe das Bildungsressort allerdings nicht allein da. Es hake auch andernorts. „Sehr häufig können die gesetzlichen Fristen nicht eingehalten werden.“ Im Jahresbericht der Behörde für 2017 werden 29 Beschwerden über Mängel bei der Umsetzung des Informationsfreiheitsgesetzes durch die dazu verpflichteten Stellen aufgeführt.

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Hendrike Berger ist enttäuscht. Ein Teil ihrer Fragen sei noch offen. Zudem sei bei ihr „der Eindruck entstanden, dass hier ein wohl unliebsamer Antrag offenbar nicht in der gesetzlich vorgesehenen Weise bearbeitet wird. Wer so mit seinen Bürgerinnen und Bürgern umgeht, beschädigt das Vertrauen in staatliche Institutionen und das hiesige Bildungssystem und muss sich über Politikverdrossenheit nicht wundern.“

Das IFG ist seit 2005 in Kraft und mehrfach erweitert worden. Dass die Zahl der Anfragen deutlich gestiegen sei, dass sich ein Bewusstsein bei den Bürgern entwickle, Transparenz einzufordern, um sich eine Meinung zu bilden, "ist ein Erfolg“, sagt Imke Sommer. Umso enttäuschender sei es für Bürger, wenn sie sich nicht auf das verlassen könnten, was ihnen das Gesetz zusichere.

Zur Sache

Bester Schnitt am Ökumenischen Gymnasium

Die Abitur-Noten für die Jahre 2015 bis 2018 sind jetzt online auf den Seiten des Bildungsressorts unter www.bildung.bremen.de/abiturnoten-216729. Erstmals werden sie laut Bildungsressort in dieser Weise veröffentlicht, die Auflistung soll künftig Jahr für Jahr ergänzt werden.

Im Jahr 2018 wird für das Ökumenische Gymnasium der beste Notendurchschnitt (1,9) bilanziert, gefolgt vom Alten Gymnasium (1,97). Die Durchschnittsnote 2,1 erzielten die Abiturienten der Oberschule Findorff, bei den Absolventen des Kippenberg-Gymnasiums liegt der Durchschnitt bei 2,15. Am unteren Ende der Skala befinden sich die Privatschule Mentor gGmbH (Durchschnitt 3,38) und die Oberschule an der Kurt-Schumacher-Allee (2,77). Im Vorwort weist das Ressort darauf hin, dass „ein Notendurchschnitt allein wenig über die Qualität der Arbeit einer Schule, deren Unterricht und Haltung aussagt. Alle Schulen haben, je nach Zusammensetzung ihrer Schülerschaft, unterschiedliche Herausforderungen in der Überwindung des Zusammenhangs von sozialer Herkunft und Bildungserfolg anzunehmen.“

Entsprechend sind eine Reihe von "Spezifika" aufgeführt. Zu berücksichtigen sei beispielsweise, dass die "reinen gymnasialen Oberstufen an Schulzentren der Sekundarstufe II ohne eine Sekundarstufe I "eine soziale und fachliche Integration" der Schüler zu leisten hätten, "die sämtlich neu auf die Schule wechseln".


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Leserkommentare
linde79 am 20.10.2019 17:58
Wie wäre es denn, wenn man auch mal die Qualität der Lehrer und Lehrerinnen hinterfragte? Wie wäre es in Anbetracht der Bildungsmisere, die ...
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

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