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Laser und Roboter im Fablab Bremen

Jean-Pierre Fellmer 08.06.2019 0 Kommentare

Der 3-D-Drucker erhitzt Kunststoff und trägt ihn nacheinander schichtweise auf.
Der 3-D-Drucker erhitzt Kunststoff und trägt ihn nacheinander schichtweise auf. (Anne Werner)

Ein gleißend heller Punkt frisst sich durch ein Stück Papier. 55 Sekunden dauert es, bis der Laserstrahl die Vorlage zugeschnitten hat – kein Mensch und keine Schere sind so schnell und so exakt.

Der Lasercutter steht im Fablab, einer offenen Werkstatt im Alten Postamt am Bremer Hauptbahnhof. In der Halle entstehen Bilder aus dem 3-D-Drucker, es werden Roboter entwickelt und Minicomputer programmiert. Nicht von Ingenieuren, sondern von Schülern, Senioren und Hobbybastlern. Was sie verbindet, ist die Faszination für Technik.

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Einer von ihnen ist Bruno. Er ist im Ruhestand, sein Hobby ist der Modellbau. An einem Computer stellt er den Lasercutter ein: die Stärke des Lasers, seine Frequenz und mit welcher Geschwindigkeit sich der Lichtpunkt bewegen soll. Anschließend legt Bruno ein Stück Papierkarton in den unscheinbaren Apparat. Dass es sich dabei um einen Lasercutter handelt, lässt die Ablage vermuten: ein Metallgitter, durch und durch verkohlt. Bruno schließt die durchsichtige Klappe und drückt den Startknopf, die Motoren des Laserarms beginnen zu surren. „Jetzt könnte ich auch die nächste Datei am Computer laden“, sagt Bruno. „Oder ich schaue dem Gerät zu. Es geht eine Faszination davon aus, dem Laserstrahl zu folgen.“

Schüler Karl Trompke und Fablab-Mitarbeiterin Julia Kehr-Ritz arbeiten am selbst entwickelten Thermometer.
Schüler Karl Trompke und Fablab-Mitarbeiterin Julia Kehr-Ritz arbeiten am selbst entwickelten Thermometer. (Anne Werner)

Modelle, die es nicht zu kaufen gibt

Bruno hat vor vier Jahren das Fablab in Bremen kennengelernt. Hier schneidet er mit dem Lasercutter Bauteile für Modelle aus, die es nicht zu kaufen gibt. „Ich rekonstruiere etwa historische Gebäude. Dafür vermesse ich alte Pläne und übertrage den Maßstab auf den der Modelleisenbahn.“ Später digitalisiere ein Kollege die Pläne, dann können sie für den Lasercutter verwendet werden.  Wie das am Ende aussieht, zeigt Bruno anhand von Modellen, die er zum Fablab mitgebracht hat – etwa einen Güterbahnhof. „Wenn man etwas plant, das umsetzt und es dann auch noch funktioniert – das ist doch das Schönste, was es gibt.“ Eine Etage höher sitzen Paul und Karl sich gegenüber, jeweils hinter einem Laptop. An den Rechnern der Schüler hängt ein Kabel mit einer Platine – es ist ein Minicomputer, der Arduino. Karl und Paul haben ein Thermometer gebaut. Das Gerät funktioniert so: Ein Sensor misst die Temperatur und leitet die Information an den Minicomputer weiter. Den haben die beiden Entwickler so programmiert, dass er einen Motor steuert. Dieser dreht je nach Temperatur in die eine oder andere Richtung. Am Motor ist ein kleiner Pfeil montiert, der entsprechend der Temperatur auf ein Gesicht zeigt.

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Karl (15) und Paul (14) besuchen die Oberschule an der Ronzelenstraße, die eine Kooperation mit dem Fablab hat. In das Programmieren seien sie eingeführt worden, sagt Paul. „Wir haben aber auch Infos aus dem Internet, außerdem haben uns die Betreuer geholfen“, sagt er. Mitschüler hätten auch noch andere Geräte gebaut und programmiert, sagt die Lehrerin der beiden Schüler, Johanna Mohr. „Mein Anspruch ist es, dass die Schüler so viel wie möglich im Bereich der Mint-Fächer kennenlernen“, sagt Mohr. Mint ist eine Abkürzung, sie steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. „Das Fablab hat dafür die Maschinen und das Material.“

Die beiden Schüler der Oberschule an der Ronzelenstraße haben mithilfe der Fablab-Mitarbeiterinnen ein digitales Thermometer gebaut und es selbst programmiert.
Die beiden Schüler der Oberschule an der Ronzelenstraße haben mithilfe der Fablab-Mitarbeiterinnen ein digitales Thermometer gebaut und es selbst programmiert. (Anne Werner)

Neue Technologien sollen in der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden

In einer anderen Ecke des Labors steht Antje ­Moebus, zu ihren Füßen ein Roboter auf zwei Rädern. Verspielt wiegt die Vorständin des Fablabs eine sternförmige Platine in ihren Händen, damit steuert sie den Roboter. „Die Idee des Fablabs ist es, neue Technologien in der Öffentlichkeit bekannt zu machen“, sagt Moebus. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen im Fachbereich Mathematik und Informatik. „Wir machen das Angebot nicht für Ingenieure oder Programmierer, sondern für alle, die sich dafür interessieren“, sagt sie. Vormittags kämen, insofern es Personal und Material zulassen, Schulklassen und Arbeitsgemeinschaften vorbei, abends Vereinsmitglieder.

Die Platine, die Moebus in den Händen hält, nennt sich Calliope. Darauf verbaut sind unter anderem ein Prozessor, ein Lautsprecher sowie ein Lagesensor. Sogar Grundschüler basteln damit ihre ersten eigenen Maschinen und Roboter. Ein kreativer Anwendungszweck ist etwa eine Süßigkeitenkiste, die Alarm schlägt, wenn sie geöffnet wird. Auch die Programmierung übernähmen die Grundschüler selbst, sagt die Vorständin: „Der Code ist grafisch, über farbige Blöcke können die Kinder den Computer programmieren. Dahinter befindet sich die eigentliche Programmiersprache.“ So müssten die Kinder nur die logischen Zusammenhänge begreifen.

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„Wir wollen dabei helfen, die digitale Welt besser zu verstehen“, sagt Moebus. Jeder könne zumindest die Grundlagen verstehen und sich aneignen. Das Fablab ist ein gemeinnütziger Verein, er finanziert sich über Mitgliederbeiträge, Spenden und Sponsoren. Ohne sie würde es das Fablab nicht mehr geben, die Finanzierung sei schwierig. Förderung vom Senat gebe es nicht, sagt Moebus: „Die Politiker kommen aber gerne vorbei, um sich unsere Räume anzuschauen und das Projekt zu loben.“

Interessierte Besucher seien willkommen, sagt Moebus: „Jeden Montagabend von 18 bis 21 Uhr ist Openlabday, da kann man unangemeldet vorbeischauen. Wir sind eine Community, die sich gegenseitig hilft.“

Modellbauer Bruno hat ein Beispiel seiner Arbeit mitgebracht: einen Güterbahnhof. Die Teile stammen aus dem Lasercutter.
Modellbauer Bruno hat ein Beispiel seiner Arbeit mitgebracht: einen Güterbahnhof. Die Teile stammen aus dem Lasercutter. (Anne Werner)

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Leserkommentare
Wesersteel am 19.10.2019 12:05
Da hat man sich genau den Richtigen zum Gespräch rausgesucht,denn der Hering ist ein Arbeitgeber-Betriebsrat !
Bremen99 am 19.10.2019 12:01
Na das passt ja hervorragend: 70 Jahre SPD-Regierung in Bremerhaven steht dann für "Ruinen schaffen ohne Waffen".

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