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Verdacht auf jugendpornografisches Material
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Lehrer in Bremen vom Dienst suspendiert

Jürgen Theiner 14.09.2019

Bereits 2016 ermittelte die Polizei in einem anderen Fall gegen den Pädagogen und hat bei der Durchsuchung seines privaten PCs das jugendpornografische Bildmaterial sichergestellt.
Bereits 2016 ermittelte die Polizei in einem anderen Fall gegen den Pädagogen und hat bei der Durchsuchung seines privaten PCs das jugendpornografische Bildmaterial sichergestellt. (Imago/Thomas Trutschel)

Die Bremer Bildungsbehörde hat einen Lehrer vom Dienst suspendiert und mit Hausverbot belegt, weil er im Verdacht steht, jugendpornografisches Material besessen zu haben. Nach Informationen des WESER-KURIER lagen der Polizei entsprechende Erkenntnisse bereits 2016 vor. Die Bildungsbehörde wurde allerdings erst Ende Juli informiert. Sie verhängte umgehend dienstrechtliche Sanktionen gegen den Pädagogen. Gegen ihn werden nun weitere Schritte geprüft, die bis zur Auflösung des Beamtenverhältnisses reichen können.

Die Erkenntnisse über den Pädagogen stammen ursprünglich aus einem anderen Fall. Gegen den Mann hatte die Staatsanwaltschaft mehrere Jahre lang wegen des Verdachts von Beihilfehandlungen in einem größeren Strafverfahren ermittelt. Die Sache wurde allerdings im Juli eingestellt. Bereits 2016 hatte die Polizei seinen privaten PC beschlagnahmt – in der Hoffnung, im Datenspeicher Beweismaterial für eine Tatbeteiligung zu finden. Sozusagen als „Beifang“ wurden damals auch die jugendpornografischen Bilddateien sichergestellt. Separate Ermittlungen gegen den Pädagogen in dieser Sache unterblieben allerdings. Er konnte weiter an der Schule unterrichten, obwohl der mutmaßliche Besitz des Bildmaterials durchaus Zweifel an seiner Eignung zum Umgang mit Kindern begründen könnte.

Keine strafrechtlich relevanten Bilddateien

Warum also teilte die Staatsanwaltschaft ihre Erkenntnisse über Jahre nicht mit dem Bildungsressort des Senats? Auf Anfrage des WESER-KURIER nahm die Strafverfolgungsbehörde am Freitag zu dem Vorgang Stellung. Nach Darstellung ihres Sprechers Frank Passade war die Polizei 2016 bei einer ersten Auswertung des Computers zu der Auffassung gelangt, „dass es sich nicht um strafrechtlich relevante Bilddateien handeln würde“. Erst bei der Vorbereitung einer Akteneinsicht durch die Bildungsbehörde sei das Material vor zwei Monaten erneut gesichtet worden.

„Die zuständige Fachdezernentin der Staatsanwaltschaft Bremen hat hierbei eine neue Bewertung der Bilddateien vorgenommen und diese als jugendpornografisch eingestuft“, so Passade weiter. Wohlgemerkt: jugend-, nicht kinderpornografisch. Daraufhin sei am 24. Juli ein Ermittlungsverfahren gegen den Lehrer eingeleitet und anschließend die Bildungsbehörde informiert worden. Der Anwalt des betroffenen Pädagogen reagierte am Freitag auf Anfrage des WESER-KURIER mit Unverständnis. „Ich kann das nicht nachvollziehen, schließlich hatte die Polizei die Akten schon einmal geschlossen“, sagte Rechtsanwalt Helmut Pollähne.

Kein Vorgang ähnlicher Tragweite in den vergangenen Jahren

Das Bildungsressort von Senatorin Claudia Bogedan (SPD) wollte zu der Angelegenheit nicht Stellung nehmen. Aus behördeninternen Quellen war allerdings zu erfahren, dass es an Bremer Schulen in den vergangenen Jahren offenbar keinen Vorgang von ähnlicher Tragweite gegeben hat. Suspendierung plus Hausverbot – ein solch scharfes Schwert hat die Bildungsbehörde schon lange nicht mehr gegen einen Beamten geführt. Vor mehreren Jahren gab es einen Fall, in dem ein Lehrer gemeinsam mit Schülern geduscht hatte und die Eltern eines Schülers dies als Grenzüberschreitung gewertet hatten. Auf eine entsprechende Beschwerde hin wurde der Pädagoge an eine andere Schule versetzt. Versetzungen gab es demnach auch in zwei Fällen sexueller Kontakte zwischen Schülerinnen und Pädagogen.

Für den Umgang mit diesem heiklen Themenfeld gibt es in der Bildungsbehörde seit einigen Jahren einen „Arbeitskreis gegen sexuelle Diskriminierung“. Er arbeitet „hoch vertraulich“, sagt Angelika Hanauer,  Personalratsvorsitzende Schulen. In dem Gremium sind neben besonders qualifizierten Behördenmitarbeitern Vertreter des Personalrats und einer öffentlich geförderten Beratungsstelle gegen den sexuellen Missbrauch von Mädchen beteiligt. Auch die Kriminalpolizei berät die Kommission. Wird ein Fall möglichen sexuellen Fehlverhaltens von Pädagogen gegenüber Schülern an den Arbeitskreis herangetragen, „gibt es ein gut geregeltes Verfahren, an dem man sich orientiert“, so Hanauer. „Da ist unter anderem festgelegt, wann die Polizei eingeschaltet wird und wann die betreffende Person mit dem Vorgang zu konfrontieren ist.“ Die Bandbreite möglichen Fehlverhaltens reiche von verbalen Anzüglichkeiten bis hin zu konkreten sexuellen Handlungen.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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