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Schloss Erbhof
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Liegestütz und Kampfkunst

Ina Bullwinkel 24.02.2018 0 Kommentare

Einmal im Monat hält die Hanse Garde Wache vor dem Schloss Erbhof in Thedinghausen. Ihre Uniformen sind denen von Landknechten aus dem 15. Jahrhundert nachempfunden.
Einmal im Monat hält die Hanse Garde Wache vor dem Schloss Erbhof in Thedinghausen. Ihre Uniformen sind denen von Landknechten aus dem 15. Jahrhundert nachempfunden. (Daniel Chatard)

Bloß eine dünne Uniform und ein blecherner Brustpanzer trennen die Gardisten von den stechenden Nadeln der Winterluft. Sie marschieren. Ihre Halbschuhe knirschen auf den kleinen Steinen des Schlosshofs. In weiße Handschuhe gehüllt umgreifen sie ihre Waffen. Wie lange Fackeln tragen sie die Hellebarden neben sich her – statt Flammen sitzen an ihren Enden scharfe Metallspitzen, und statt zu lodern, spiegeln sie das schwache Licht der Wintersonne.

Links, zwo. Die Garde schreitet voran, stampft nach Kommando in Formation über den Hof, der zwischen Feldern und Landstraßen liegt. Drei, vier. Vor dem Schloss macht sie Halt. Die Männer der Hanse Garde sind keine Soldaten. Sie sind Studenten, arbeiten als Informatiker oder Techniker. Die Uniform ist Teil ihres Hobbys, das Wachehalten sonnabendmorgens vor dem Schloss Erbhof in Thedinghausen bloß Kür. Kein Gutsherr, kein König muss hier beschützt werden. Trotzdem wachen die Mitglieder der Hanse Garde einmal im Monat über das Anwesen. Weil es eben dazugehört.

In Formation marschieren die Gardisten über den Schlosshof.
Auf die Gardisten aus Bremen und Niedersachsen ist sogar schon die Schweizer Garde aufmerksam geworden.
Michael Thrun mit einem Rapier in seinem Arbeitszimmer. Vor zehn Jahren hat er die Hanse Garde gegründet.
Freitags trainiert die Trainingsgruppe der Fechtakademie in einer Sporthalle des Kippenberg Gymnasiums.
Fotostrecke: Hanse Garde vereint Sport und Waffenlehre

„Wa-che, Ach-tung!“ – „Wa-che, rührt euch!“, ruft Lars Feddeck über den Hof und formt dabei eine Atemwolke vor seinem Gesicht. Mit diesem Befehl sind die Gardisten entlassen. Sie senken ihre Köpfe und Waffen und gehen zu ihren Autos. Gegenseitig helfen sich die fünf Männer aus den Brustpanzern, lösen die schmalen Ledergurte am Schulterblatt und an ihren Helmen. Langsam schieben sie die Hellebarden in die Kofferräume bis zu den vorderen Sitzen. Es geht ins Nachbardorf.

Michael Thrun, ein großer Mann mit feinem Bart, sitzt am Steuer seines Kleinwagens. Der 54-Jährige könnte auch als Türsteher durchgehen. Seine Körperhaltung ist kontrolliert. Noch immer trägt er die schwarz-weiße Uniform; sie ist der von Landknechten aus dem 15. Jahrhundert nachempfunden. „Eine Garde hat immer einen Wachauftrag“, sagt Thrun, der die Hanse Garde leitet. Sie ist so etwas wie der Kader der Hanseatischen Fechtakademie, die er vor zehn Jahren gegründet hat. Mit dem Kampfsport fing er als Jugendlicher an, heute führt Thrun die Akademie hauptberuflich.

Training in der "Hall of Pain"

Das Thermometer in seinem Auto zeigt ein Grad. Am Rückspiegel baumelt ein Wimpel der Schweizer Garde – das ist die Wache des Papstes im Vatikan. Fünf Tage durfte er dort mit seiner Garde verbringen und sein Wissen über historische Waffen weitergeben. Sein nächstes Ziel: die Wache am spanischen Königshof trainieren. Thrun ist zu einem Experten geworden – in einer absoluten Nische.

„Wir werden immer wieder in die rechte Ecke gestellt“, bedauert er. Waffen seien ein sensibles Thema in Deutschland. Dabei sei die Garde weder politisch, noch verherr-liche sie Gewalt. „In vielen Vereinen werden Waffen verniedlicht. Das tun wir nicht. Wir kennen ihre Wirkung und interessieren uns für ihren historischen Kontext“, so Thrun.

Thrun parkt sein Auto vor einem alten Bauernhof. Hier beginnt gleich das Training – in Thruns „Hall of Pain“. So nennt er den Trainingsraum im Eingangsbereich seiner Wohnung, die im Erdgeschoss des Hofs liegt. Der hohe Raum, der mal eine Scheune war, ist nicht geheizt. Noch liegen die Hanteln, Gewichte und Taue an der Seite. Gleich werden sie gehoben, geschleudert und verflucht.

Nach den Kampfübungen kommt die Fitness

„Mit dem harten Training habe ich schon so manchen vertrieben“, sagt Thrun, der inzwischen seine Kleidung gewechselt hat und nun einen Sportanzug trägt. Menschen, die zu ihm kämen, weil sie dem Mittelalterkult anhängen, blieben meistens nicht lange. „Mit dieser Szene haben wir nichts zu tun. Ich kann nicht viel mit jemandem anfangen, der sich selbst Ritter Kunibert nennt.“

Der Boden ist mit schwarzen Kunststoffplatten ausgelegt. Aus den Boxen dröhnt Mainstream-Rockmusik. Große und kleinere Boxsäcke hängen an Ketten von der Decke. Das Training beginnt, wie es am Vortag geendet hat – freitags trainiert die Gruppe der Fechtakademie in einer Sporthalle des Bremer Kippenberg Gymnasiums. Zwei Gardisten stehen sich gegenüber. Einer greift mit einem Messer an, der andere wehrt ab. „Das ist immer das gleiche Prinzip, egal welche Waffe du hast“, sagt Feddeck, der seit vier Jahren in der Garde trainiert.

Nach den Kampfübungen kommt die Fitness. Auf einen Boxsack wird eingeschlagen, Hanteln werden gestemmt. Als Nächstes kommt das „Battle Rope“. Thrun nimmt in jede Hand eines der schweren Taue, schleudert sie durch die Luft, formt Spiralen und große Kreise. Nach jeder Station werden Liegestütze gemacht. So geht es mindestens eine Stunde lang. „Los! Zieht!“, ruft er seinen Schützlingen zu, die keuchen und brüllen, als es auf die letzte Runde zugeht. Die Wache ist eben bloß die Kür.


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Leserkommentare
K_ter_Lysator am 22.10.2019 09:14
Das die Verkehrssituation in Findorff (und auch andere Stadtteile) den Status "sub-optimal" nicht erreicht ist kein vom Freimarkt abhängiges Problem. ...
Wesersteel am 22.10.2019 09:04
Deutschland soll Soldaten/innen laut AKK nach Syrien schicken UND hier sitzen die jungen Syrer im trocknen - was verkehrte Welt !

Man ...
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