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„Man muss selber was tun für sein Glück“

Ina Bullwinkel 11.02.2019 0 Kommentare

Entertainer Horst Lichter war Koch und ist immer noch Sammler, auch von Geschichten. Mit seinem Programm „Herr Lichter sucht das Glück!“ kommt er nach Bremen.
Entertainer Horst Lichter war Koch und ist immer noch Sammler, auch von Geschichten. Mit seinem Programm „Herr Lichter sucht das Glück!“ kommt er nach Bremen. (Henning Kaiser /dpa)

Herr Lichter, wann haben Sie zuletzt selbst gekocht – ohne Fernsehkameras?

Horst Lichter: Jeden Morgen: meinen Kaffee. Dass ich mal selbst gekocht habe, ist schon länger her. Zu Hause kocht meine Gattin und das macht sie hervorragend. Wir haben eine ganz klare Aufteilung getroffen, ansonsten bekommen wir Kompetenzprobleme (lacht).

Ihr Restaurant haben Sie vor knapp acht Jahren aufgegeben, seit mehr als fünf Jahren moderieren Sie die Trödelsendung „Bares für Rares“. Hätten Sie das Kochen nicht überspringen und gleich Entertainer werden können?

Das Leben ist ein Weg und dieser Weg bietet immer wieder interessante Türchen, hier wat und da wat. Ich bin sehr glücklich mit dem, was ich gerade mache, weil das meine Kernkompetenzen trifft: Ich mochte schon immer alle alten Dinge und ich liebe Menschen. Das Kochen bleibt trotz alledem eine Leidenschaft.

Ab Februar stehen Sie wieder auf der Bühne. In der Beschreibung des Programms gibt es den Hinweis, dass es sich dabei nicht um eine Kochshow handelt. Gibt es Menschen, die genau das erwarten?

Natürlich, und das ist auch verständlich, aber selbst als ich im Fernsehen gekocht habe, hat das vielleicht einen Anteil von zehn Prozent ausgemacht. Die Menschen haben sich schon immer mehr für meine Geschichten interessiert. Und wenn ich jetzt mal albern bin, dann kann ich behaupten, dass ich so lange übers Essen erzählen kann, dass alle am Ende glauben, sie hätten was gehabt.

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Warum, glauben Sie, hören die Zuschauer so gerne Ihre Geschichten?

Es gab immer schon jemanden am Lagerfeuer, der Geschichten erzählt hat. Es gibt Menschen, die können das, denen hört man gerne zu, und es gibt Menschen, bei denen ist das eher anstrengend zuzuhören. Mir scheinen die Leute eben gerne zuzuhören.

Aber warum wollen Menschen hören, wie ein Fernsehkoch über Glück spricht?

Ach Gott, ich gehe jetzt mal weg von der Berufsbezeichnung Fernsehkoch. Man wüsste vielleicht eher fragen, warum sie jemandem zuhören, der über Glück spricht. Ich gehe auf eine Bühne und erzähle. „Herr Lichter sucht das Glück“ ist im Prinzip ein Programm aus dem Alltäglichen. Es hat einen tiefen Sinn. Ich erzähle von Lebenssituationen und Begegnungen, sodass die Menschen lachen, sich wiedererkennen, aber auch am Ende rausgehen und sagen: Na ja, manchmal bin ich gar nicht bereit, das Glück zu sehen, was vor mir steht.

Gelegentlich schwingen Sie sich auch auf Ihr Motorrad, um nach dem Glück zu suchen. Wonach suchen Sie da genau?

Damit wollte ich eigentlich zeigen, dass die Dinge, die man nicht hat und von denen man glaubt, sie würden einem Glück bringen, vielleicht nicht unbedingt Glück bedeuten. Manchmal muss man auch erst aus seiner gewohnten Umgebung raus um zu sehen, wie viel Glück man eigentlich hat oder sein Glück zu finden. Auf diesen Reisen besuche ich verschiedene Menschen in den unterschiedlichsten Regionen und zeige damit: Glück hat nichts mit beruflichem Erfolg oder finanziellen Möglichkeiten zu tun, sondern mit dem, wie man sich gerade fühlt. Und die glücklichsten Menschen überhaupt, die ich kennengelernt habe, sind oft Menschen mit Handicap, Kranke oder Alte.

Warum war das so?

Erst, wenn Sie etwas verloren haben, was für Sie selbstverständlich ist, bekommen Sie die nötige Demut, zu erkennen, was alles gut ist in ihrem Leben. Manchmal ist das traurig. Wenn man mal so schwer krank war wie ich, dann weiß man, wie schön es ist, gesund zu sein. Und wenn man ein Kind verloren hat, weiß man erst das Glück zu schätzen, ein Kind zu haben.

Finden Sie, dass Sie Glück hatten im Leben?

Ich möchte das so formulieren: Ich hatte wahnsinnig viel Glück, ja. Aber mein Weg war beschwerlich. All die Dinge, die mir passiert sind, haben mich zu dem gemacht, der ich heute sein darf. Das macht mich unendlich glücklich. Aber trotzdem wünsche ich niemandem, dass er das alles erst erleben muss, um glücklich zu werden.

Würden Sie etwas anders machen, wenn Sie könnten?

Da habe ich oft drüber nachgedacht. Es gibt Dinge, die ich bereue, aber ich habe sie, glaube ich, alle in Ordnung gebracht. Das ist ganz wichtig. Mir war vergönnt, dass ich erst in einem erwachsenen Alter beruflich Erfolg hatte, dadurch konnte ich da mit einer ganz anderen Demut und Dankbarkeit herangehen.

Begreift man Glück erst im Alter?

Ich möchte jungen Menschen nicht unterstellen, dass sie kein Glück erfahren können. Das wäre falsch. Aber es liegt in der Natur des Menschen, dass man als junger Mensch – das kommt auch auf die Erziehung und das Umfeld an – sehr auf sich selbst bedacht ist und viele glückliche Momente erst im Nachhinein erkennt. Ich denke, mit der Lebenserfahrung und dem Bewusstsein, dass alles ein Ende hat, kann man glücklicher sein.

Glauben Sie daran, dass jeder seines Glückes Schmied ist?

Ich bin ein großer Feind von der heute in Deutschland üblichen Meinung, dass alle anderen schuld sind. Haben Sie schon mal jemanden gehört, der gesagt hat: Menschenskinder, da habe ich aber Scheiße gebaut, da war ich schuld, ich muss mehr tun, ich muss mich anstrengen, ich muss mich verändern? Das ist selten geworden. Es nützt nichts, wenn wir eine Gesellschaft von Menschen sind, die nur alle Schuldigen suchen. Man muss selber was tun für sein Glück, für seine Zukunft, für sein Leben.

Sie zeigen im Fernsehen gern ihre Gefühle und sagen frei raus, was Ihnen durch den Kopf geht. Stört es Sie, wenn Kritiker Sie deswegen weniger ernst nehmen?

Ich habe kein Problem mit Kritik. Ganz im Gegenteil, wenn jemand zu mir kommt und sagt: Mensch, Horst, das fand ich doof, dann höre ich mir das an. Und wenn ich einsehe, dass er recht hat, dann gebe ich das zu. Was ich überhaupt nicht akzeptiere, ist alles Anonyme. Es ist so unglaublich leicht, anonym andere Menschen zu beschimpfen und zu kritisieren.

Es gibt Menschen, die mich überhaupt nicht mögen, das sei ihnen freigestellt. Aber Fernsehen ist ja die einzig wirklich funktionierende Demokratie, weil man eine Fernbedienung hat. Wenn ich den Herrn Lichter nicht sehen möchte, schalte ich weg. Wieso gucken die das, wenn sie mich nicht mögen? Das ist als würde ich mir jeden Tag etwas zu essen kaufen, das ich gar nicht mag.

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Sie sammeln selbst Antiquitäten, Oldtimer und Trödel. Fällt es Ihnen schwer, nicht selbst etwas zu kaufen in der Sendung?

Am Anfang war das ganz schlimm für mich. Ich habe aber früh, schon bevor die Sendung anfing, mit meinem Schatz einen Deal gemacht. Ich habe gesagt: Nein, ich kaufe nichts und wenn, dann frage ich sie vorher. Und mit dem ZDF und der Produktionsfirma habe ich den Deal gemacht, dass ich erst kaufen darf, nachdem der Händler gekauft hat.

Wie oft kam das schon vor?

Über die ganzen Jahre seit 2013 waren das vielleicht zehn Sachen. Aber die habe ich auch heute noch, weil ich sie liebe.

Wenn Sie nur eins Ihrer Sammelstücke behalten könnten, was wäre das?

Was ich nie weggeben würde, wäre mein Gästebuch aus der Oldiethek. Das haben wir damals geführt, als ich anfing. Da muss ich nur durchblättern, sehe die Namen, sehe den Eintrag und habe die Menschen und die Geschichten vor Augen. Und da ich immer schon Geschichtensammler war, ist mir das unglaublich wichtig.

Das Gespräch führte Ina Bullwinkel.

Zur Person

Horst Lichter (57)

wurde bundesweit bekannt als Fernsehkoch der freitäglichen Johannes-B.-Kerner-Sendung. Die Kochmütze hat er mittlerweile an den Nagel gehängt. Seit 2013 moderiert er die ZDF-Show „Bares für Rares“. In seinen 20ern hatte er zwei Schlaganfälle und einen Herzinfarkt, zudem starb eines seiner Kinder als Säugling.

Weitere Informationen

Bremen ist der dritte Termin auf der aktuellen Tour: Am Sonnabend, 23. Februar, kommt Horst Lichter mit seinem Programm „Herr Lichter sucht das Glück!“ in die Hansestadt. Ab 20 Uhr steht er dann im Metropol Theater auf der ­Bühne.


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Leserkommentare
kkahle am 21.10.2019 15:04
Achtung, Achtung!
Der kleine Jan hat sich im Internet verlaufen und sucht jetzt seine Mutti.
Wer ihm begegnet, möge ihm den Weg nach ...
suziwolf am 21.10.2019 15:04
Weit weg ... @Jubi ... ist Erdogan.

Nicht nur geografisch, sondern auch
,Ihrer Vorfreude entsprechend‘ 🙀 !

Und, wenn ...
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