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Archäologische Funde im Stephani-Viertel
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Mehr als ein Arbeiterquartier

Tim Harpers 24.05.2019 0 Kommentare

Die Funde, die Dieter Bischop und das Team der Landesarchäologie getätigt haben, deuten darauf hin, dass es sich beim Stephaniviertel um mehr als ein Arbeiter- und Fischerquartier handelte.
Die Funde, die Dieter Bischop und das Team der Landesarchäologie getätigt haben, deuten darauf hin, dass es sich beim Stephaniviertel um mehr als ein Arbeiter- und Fischerquartier handelte. (Christina Kuhaupt)

Die private Grabungsfirma „Archaeofirm“ und die Bremer Landesarchäologie sind bei Untersuchungen auf einem Baufeld im Stephaniviertel auf aufschlussreiche Funde aus der Zeit des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit gestoßen. Fundort ist einGrundstück am Beginn der Neuenstraße, auf dem "Bauatelier Nord" 55 Eigentumswohnungen errichten will. Es liegt laut Landesarchäologie knapp außerhalb der früheren hochmittelalterlichen Stadtbefestigung Bremens, die das Viertel erst ab circa 1307 mit einbezog.

Besonders aufschlussreich für die Archäologen ist ein Gebiet zwischen Neuenstraße und Abbentorwallstraße, das überraschend viele Abfallgruben, Kloaken des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit enthält. "Vom Nimbus des armen Stephaniviertels müssen wir uns wohl langsam aber sicher verabschieden", sagt Landesarchäologe Dieter Bischop. "Die Funde, die wir bei diesen Grabungen gemacht haben, deuten darauf hin, dass das Stephaniviertel mehr als ein Arbeiter- und Fischerquartier war. Hier könnten auch wohlhabende Menschen gelebt haben."

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Den archäologischen Ruf als „armes Stadtquartier“ widerlegen Funde aus dem 17. bis 18. Jahrhundert. Neben aus China importiertem Porzellan und aus dem Rheinland stammendem hochwertigen Steinzeug weisen Münzfunde auf den Wohlstand der Bewohner hin. Als „herausstechend“ bezeichnet Bischop den Fund der bisher schwersten Goldmünze (13,4 Gramm), die je bei Ausgrabungen auf Bremer Stadtgebiet geborgen wurde. Es handelt sich um einen sogenannten „Doppel Gold Louisdor“ von Ludwig XIV. Die im Jahr 1694 in Frankreich geprägte Münze hatte seinerzeit einen enormen Wert. Sie stellte in etwa den Jahreslohn eines Bremer Arbeiters dar. Heute wird die Münze laut Bischop mit einem Wert von etwa 1500 Euro gehandelt.

Landesarchäologie ohne ausreichende personelle Kapazitäten

Die Arbeiten an der Grabungsstelle laufen schon seit April, werden aber nicht von der Landesarchäologie durchgeführt. „Die Landesarchäologie hat nicht die personellen Kapazitäten, um Grabungen selber umzusetzen“, erläutert „Archaeofirm“-Grabungsleiter Felix Jordan die Hintergründe. „Sie ist mit dem Auswerten von Plänen und der archäologischen Bewertung von Bauvorhaben ausgelastet.“ Deshalb würden private Unternehmen wie das seine mit solchen Projekten betraut.

„Kloaken und Müllgruben sind immer dankbare Fundstellen“, sagt Jordan. „Knochenfunde geben uns Aufschluss über das Nahrungsgefüge und Münzfunde über die finanzielle Situation der Bewohner.“ In diesen Kloaken seien sie zum Beispiel auf viele Fischknochen gestoßen, was angesichts dessen, dass das Stephaniviertel als ehemaliges Fischerquartier galt, nicht überraschend gewesen sei. "Wohl aber die Münz- und Keramikfunde. Außerdem graben wir derzeit noch einen sogenannten Bronzegrapen aus. Dabei handelt es sich um einen dreibeinigen Topf, den man früher direkt ins Feuer stellte." Der sei relativ wertvoll gewesen und deshalb oft testamentarisch weitervererbt worden. "Dass so etwas in einem angeblichen Fischer- und Arbeiterviertel im Müll gelandet ist, ist zumindest seltsam." Die Größe der Kloaken lasse darauf schließen, dass sie von mehr als einer Partei genutzt worden sein könnten.

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Bevor die Archäologen mit den eigentlichen Ausgrabungsarbeiten beginnen konnten, mussten auf dem ehemaligen Fitnessstudio-Gelände zunächst einige Bodenschichten abgetragen werden. "Da war viel Bauschutt im Weg, der sich über die vergangenen Jahrhunderte angesammelt hat", sagt Jordan. Die gemachten Funde würden gereinigt, archiviert und – wenn sinnvoll – wissenschaftlich untersucht.

Der Bauträger indes kann auf dem Gelände erst weitermachen, wenn die Archäologen fertig sind. Wie lange das noch dauern wird, ist unklar. Bis die Eigentumswohnungen stehen, soll es ab Baustart zwei Jahre dauern. Bei "Bauatelier Nord" hält man den Herbst 2021 für ein realistisches Ziel.


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Leserkommentare
Bevenser am 22.10.2019 17:47
Man muss sich nicht künstlich blöd stellen. Wie es geht sieht man z.B. in Österreich - und nicht nur da.
peteris am 22.10.2019 17:39
Werden diese Menschen "losgelassen", dann gibt es erst wieder einen Stop in Deutschland.

Bereiten" wir " uns schon einmal darauf vor. ...
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