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Mehr Privatinsolvenzen im Norden

04.10.2019 12 Kommentare

Auf 100.000 Bürger gerechnet, sind in Bremen 83 Menschen zahlungsunfähig geworden.
Auf 100.000 Bürger gerechnet, sind in Bremen 83 Menschen zahlungsunfähig geworden. (picture alliance/Alexander Heinl/dpa)

Im ersten Halbjahr 2019 verzeichnen Bremen und Niedersachsen den höchsten Anteil an Privatinsolvenzen. Das geht aus dem am Freitag veröffentlichten Schuldenbarometer der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel hervor. Auf 100.000 Einwohner gerechnet mussten in Bremen demnach 83 Bürger Zahlungsunfähigkeit anmelden. Damit bleibt das Bundesland die Insolvenzhochburg. Niedersachsen folgt auf dem zweiten Platz zusammen mit Schleswig-Holstein mit jeweils 74 Insolvenzen und liegt damit ebenfalls deutlich über dem Bundesschnitt von 51. Auf den vierten Platz kommt Hamburg mit 69 Privatinsolvenzen auf 100.000 Einwohner.

Zahl der Privatinsolvenzen in Bremen um sieben Prozent gestiegen

Die Zahl der Privatinsolvenzen ist insgesamt rückläufig und fiel in den ersten sechs Monaten um 1,4 Prozent auf 42. Städte. Das ist laut Crifbügel von Kredit- und Bonitätsinformationen, der niedrigste Wert seit 2004. Allerdings wuchs die Zahl gegen den Trend in neun Ländern – darunter Bremen und Niedersachsen mit einem Plus von rund sieben Prozent. „Die Zahlen spiegeln die Sozialstruktur wider“, konstatiert Bernd Schneider, Sprecher der Senatorin für Soziales, für Bremen. Der Vergleich verwundere nicht, wenn man die höhere Arbeitslosigkeit im Bundesland berücksichtige und dass es mehr Alleinerziehende sowie Menschen in geringfügiger Beschäftigung und Teilzeit gebe.

Als Ursache, dass Schulden nicht mehr beglichen werden können, nennt Insolvenzverwalter Uwe Kuhmann drei Faktoren: „Krankheit, Scheidung und Arbeitslosigkeit“. Seine Kanzlei mit Büros in Bremen, Hannover, Osnabrück und Leer wird von Gerichten damit beauftragt, die Insolvenzverfahren für Unternehmen und Verbraucher zu übernehmen. Warum gerade im Norden die Zahl der Privatinsolvenzen hoch ist, kann er sich nicht erklären. Damit es nicht zur Insolvenz kommt, bietet Bremen eine präventive Schuldenberatung an. Diese hilft Beschäftigten mit Geldsorgen, bevor Gläubiger sich an deren Arbeitgeber wenden und womöglich den Arbeitsplatz in Gefahr bringen, erklärt Schneider: „Dieser Mechanismus soll durchbrochen werden.“

Für die Schuldnerberatung bei der Inneren Mission Bremen ist Kerstin Petrusch zuständig. Ihrer Ansicht nach müsste es einen besseren Zugang zur Schuldnerberatung geben: Wer überschuldet sei, könne sich die Hilfe teils nicht leisten. Empfängern von Sozialhilfe und Hartz IV stehe zwar eine Kostenübernahme zu, der Antrag werde aber nicht immer bewilligt. „Somit können sich viele Menschen nicht beraten lassen.“ Dabei gehe es darum, ihre finanzielle Situation wieder in den Griff zu bekommen. „Jahr um Jahr hat Bremen die meisten überschuldeten Privathaushalte. Daran würde sich ja vielleicht etwas ändern, wenn man in Bremen bei Bedarf allen Hilfesuchenden grundsätzlich eine Schuldnerberatung genehmigt.“ Außerdem müsse die Finanzkompetenz besser geschult werden.

Städte stärker betroffen

Die norddeutschen Bundesländer wiesen schon in der Vergangenheit hohe Werte auf. Die wenigsten Verfahren gibt es laut Crifbürgel in Bayern mit 32 Fällen auf 100.000 Einwohner. Beobachten lässt sich zudem, dass Städte im Verhältnis stärker betroffen sind. Aus diesem Grund wertet Kai Stührenberg, Sprecher des Wirtschaftsressorts, den Vergleich der Bundesländer für „nicht wirklich aussagekräftig“. 2018 habe Hannover mit 185 sogar eine höhere Zahl auf 100.000 Bürger als Bremen mit 164 gehabt. Im Vergleich der 20 größten Städte lagen Bremen und Hannover damit nur noch hinter Dortmund auf Platz eins. Dort kamen 189 Privatinsolvenzen auf 100.000 Einwohner. Ein besonderes Risiko trügen Alleinerziehende. Hier habe Bremen gerade eine Initiative auf den Weg gebracht, um ihre Situation zu verbessern, „und mehr Menschen in den Beruf zu bekommen“. Rechtsanwalt Kuhmann sieht, dass Schulden von ein paar Tausend Euro oft nicht zu tilgen seien, wenn das Einkommen der Betroffenen gerade so zum Leben reiche. „Das ist ein Riesenproblem für die Menschen.“ Wenn die Gläubiger dann etwa Inkassounternehmen beauftragten, um das Geld zu bekommen, wüchsen die Schulden um weitere Kosten. „Das ist ein Teufelskreis.“

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In diesem Jahr erwartet Crifbürgel 88.000 Privatinsolvenzen in Deutschland und damit erneut einen Rückgang. Die Aussichten trüben sich aber ein. Geschäftsführer Christian Bock geht von einer Trendumkehr für 2020 aus: „Die konjunkturelle Schwächephase hinterlässt langsam auch am Arbeitsmarkt leichte Spuren.“ Die Auswirkungen zeigten sich verzögert bei den Insolvenzstatistiken.

++ Der Artikel ist am 10. Oktober korrigiert worden: Es hat sich herausgestellt, dass es beim Vergleich der 20 größten Städte für 2018 von Statista eine verkehrte Angabe gab. Dortmund lag fälschlicher hinter Bremen und Hannover. Wir bitten, den dadurch entstanden Fehler zu entschuldigen.++


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Leserkommentare
Gissmo am 23.10.2019 09:36
Danke für die konstruktive Antwort, man kann sich scheinbar ja doch noch ohne Beleidigungen hier im Kommentarbereich austoben, so machts doch allen ...
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...
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