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Plastikabfälle verschmutzen die Ozeane
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Müll im Meer - und was Bremen damit zu tun hat

Jan-Felix Jasch 25.04.2019 3 Kommentare

Die Nordsee ist verseucht mit Plastikmüll. Auf 100 Metern Strand sind durchschnittlich knapp 400 Müllteile zu finden.
Die Nordsee ist verseucht mit Plastikmüll. Auf 100 Metern Strand sind durchschnittlich knapp 400 Müllteile zu finden. (Imago)

Ein Schnorchelausflug wird für Boyan Slat zu einem einschneidenden Erlebnis. Als Schüler erschreckt sich der Niederländer beim Tauchen in Griechenland - wegen eines Plastikteppichs im Meer. Das Thema lässt ihn nicht mehr los. Als er 17 ist, entwirft er für die Schule ein Projekt, um die Ozeane von Müll zu säubern. 

Mehr als 100 Millionen Tonnen Abfall verseuchen die Weltmeere bereits, jährlich kommen rund zehn Millionen Tonnen dazu. Schon 2050 könnte mehr Plastik als Fische in den Ozeanen schwimmen, warnen die Vereinten Nationen. Einer der größten Müllstrudel, der sogenannte Great Pacific Garbage Patch, ist rund 1,6 Millionen Quadratkilometer groß - das entspricht viermal der Fläche der Bundesrepublik. 

Auf der Karte sind die größten fünf Strudel eingezeichnet:

Die Müllstrudel kann man sich als eine Art Müllsuppe vorstellen, erklärt Rosanna Schöneich-Argent. Sie ist Meeresbiologin an der Universität Oldenburg. Je näher man dem Zentrum komme, umso mehr Müll sehe man auch. Aber es sei nicht so, dass man nur noch Müll sehe oder sich ein Teppich aus Plastik und anderem Unrat angesammelt habe. 

Heute ist Boyan Slat 24 Jahre alt und Gründer des Unternehmens The Ocean Cleanup. Mit einer u-förmigen Röhre will er den Plastikmüll im Pazifik, den Great Pacific Garbage Patch, einsammeln. Bereits kurz nach dem Start aus der Bucht von San Francisco gab es Probleme, zum Jahreswechsel kam das vorläufige Aus für den Müllfänger. Er wird nun an Land technisch angepasst.

Nordsee in besorgniserregendem Zustand

Auch in Bremen und Niedersachsen ist Plastikmüll ein Problem. Der Zustand der Nordsee ist besorgniserregend. "Die Nordsee ist verdreckt", sagt Schöneich-Argent. Aus einem Bericht geht hervor, dass auf 100 Metern Strandabschnitt 389 Müllteile zu finden seien, fast 90 Prozent davon bestünden aus Plastik. In dem Bericht heißt es weiter, dass sich der Zustand zwischen 2011 und 2016 nicht verbessert habe. Mitverantwortlich ist dafür unter anderem die Weser, die als Förderband fungiert. 

Die Grafik erklärt, wie sich der Zustand der Nordsee verändert hat: 

Experten des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (Awi) haben zwei zentrale Müllansammlungen in der Nordsee ausgemacht. Die küstennahe stamme demnach aus den Flussmündungen von Weser, Ems und Elbe. Der küstenferne Müllteppich speise sich aus der Themse und mehreren Flüssen in Frankreich. Der größte Teil des Mülls schwimmt, den Experten zufolge, von der Nordsee in den Nordatlantik und weiter in Richtung Arktis. Insgesamt treiben durchschnittlich 1300 Plastikteile in einem Quadratkilometer, sagt der Meeresbiologe Lars Gutow vom Awi. Damit liegt die Nordsee im internationalen Mittelfeld. Auch Schöneich-Argent forscht zu der Bewegung des Mülls. Sie hat ein Projekt mitinitiiert, bei dem kleine Holzplättchen mit Kennungen in Gewässer geworfen werden. Durch die Nummern kann dann deren Bewegung nachvollzogen werden. Das sei wichtig, um Verursacher zu identifizieren und Vorhersagen zu treffen, erklärt Schöneich-Argent. 

Neuer Anlauf bei The Ocean Cleanup

Boyan Slat gibt trotz der Probleme mit seinem Projekt nicht auf. "Die Geschichte ist voller Dinge, die einmal als unmöglich galten und dann doch getan wurden", sagt er. Und weiter: "Ich hoffe, dass The Ocean Cleanup in diesem Jahrhundert ein Symbol dafür wird, dass mit Technologie tatsächlich etwas verbessert wird." Er will mit seinem System 1000 Kilogramm Plastikmüll in der Woche absaugen. Dafür soll eine 100 Kilometer lange Barriere mit einer Art Vorhang, der drei Meter in die Tiefe reicht, zu Wasser gelassen werden. Der Plan: Plastik bleibt in dem Vorhang hängen, Tiere schwimmen drunter hindurch. Der Start ist für 2020 geplant. Der Prototyp "Wilson" hat aus unbekannten Gründen die Plastikteile immer wieder verloren. Außerdem löste sich ein größeres Teil, das jedoch wieder eingesammelt werden konnte. Boyan Slat arbeitet an einer Lösung - für sein Projekt und für die Weltmeere. 

So funktioniert das System: 

"Bremen tut viel für die Vermeidung von Müll"

"In Bremen haben wir keine spezielle Strategie zur Vermeidung von Plastikmüll in Weltmeeren", sagt Jens Tittmann, Sprecher des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr. "Das ist ein Thema, das bundesweit oder europaweit geregelt werden muss." In Bremen setze man auf die generelle Vermeidung von Müll. "Dafür gibt es in der Stadt 16 Recyclingstationen", so Tittmann. Dort können Bürger ihren Abfall jederzeit abgeben. Auch Aktionen wie "Bremen räumt auf" oder die Uferbereinigung des BUND tragen dazu bei, Müll zu beseitigen. 

Ansässige Industrieunternehmen hätten "ihre Hausaufgaben gemacht", so Tittmann. Die Stahlwerke seien zwar Bremens größter CO2-Emittent, durch Investitionen arbeite man jedoch umweltfreundlicher als noch vor Jahren. Tittmanns Hauptpunkt ist die Vermeidung von privatem Müll. "Da appelliere ich an jeden einzelnen", sagt er. Menschen sollten möglichst unverpackt einkaufen, wiederverwendbare Dosen benutzen und Abfall nicht in der Natur liegen lassen, wo er in Gewässer geweht werden könnte. 

Wie man Verpackungsmüll vermeiden kann: 

Ähnlich sieht es Rosanna Schöneich-Argent. Die Meeresbiologin arbeitet am Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg. "Es gibt keine Einmallösung für die Meere", sagt sie. Man müsse vielmehr an verschiedenen Punkten ansetzen. Einer ist, da stimmt sie mit Tittmann überein, die Vermeidung von privatem Müll. "Strandsäuberungen und Aktionstage sind gut, aber sie reichen nicht aus." Menschen müssten sensibilisiert werden, damit sie weniger Müll - vor allem aus Plastik - produzieren. "Und auch die Politik ist gefragt", so Schöneich-Argent. Dort müsse Druck auf Wirtschaft und Industrie erzeugt werden. Außerdem sollten Alternativen vorangetrieben werden. So könne es zum Beispiel sinnvoll sein, Unverpackt-Läden zu unterstützen. 

Selfair, Vor dem Steintor 189:
Müsli, Nüsse, ja sogar Reis gibt es im Lebensmittelladen
Martha’s Corner Seifenmanufaktur, Münchener Straße 51: 
Claudia Schreiber hat
Milchtankstellen:
An Milchtankstellen können sich die Kunden rund um die Uhr am Automaten frische Milch in Glasflaschen zapfen. Die im Automaten angebotene Rohmilch ist unbehandelt, kommt also direkt von der Kuh und erhält dadurch mehr Rahm, mehr Vitamine und Nährstoffe als Milch aus dem Supermarkt. Nachteil der frischen, rohen Milch: Sie ist meist nicht so lange haltbar und wegen der fehlen Patseurisierung für Schwangere oder kranke Menschen wegen einer möglichen Keimbelastung ungeeignet. Deshalb sollte man die Rohmilch vor dem Verzehr abkochen. An manchen Milchtankstellen gibt es aber auch pasteurisierte Vollmilch. Hier gibt es eine Übersicht von Automaten in der Region. 
Aleco Biomarkt (Kirchweg 204, Wätjenstraße 146, Admiralstraße 14, Hindenburgstraße 36, Gerold-Janssen-Straße 4, Bismarkstraße 14, Rockwinkeler Heerstraße 172 und  Langener Landstraße 28 Bremerhaven): 
Aleco setzt in seinen Biomärkten ebenfalls an vielen Stellen auf bewusstes Einkaufen ohne Müll. Daher ist es möglich Obst und Gemüse in waschbaren Mehrweg-Netzen zu kaufen. Die Beutel gibt es auch vor Ort zu kaufen. 
Auch Käse- und Backwaren gibt es im eigenen Mehrweg-Behälter. Selbstverständlich müssen aber auch hier die Dosen sauber und unbeschädigt sein.
Darüber hinaus können Kunden in den meisten Aleco Filialen ihre Heißgetränke ebenfalls im mitgebrachten Mehrweg-Becher bekommen, sofern der Markt eine solche Station anbietet. 
Fotostrecke: Hier können Sie in Bremen verpackungsfrei einkaufen

Pilotprojekte in Niedersachsen

Mehrere Pilotprojekte zur Müllvermeidung gibt es in Niedersachsen: Das Küstenland hat ein Pfandsystem für ausgediente Fischernetze eingeführt, Auffangeinrichtungen für Schiffsabfälle im Hafen gebaut und strengere Auflagen für Strandpartys erlassen. Niedersachsen müsse mit gutem Beispiel vorangehen, auch wenn man die weltweite Vermüllung der Meere nur international, mindestens aber auf europäischer Ebene angehen müsse, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) Anfang des Jahres. Der grünen Landtagsfraktion geht das nicht weit genug. „Die Landesregierung muss endlich konkrete Maßnahmen ergreifen, um die Plastikflut zu stoppen und Müll zu vermeiden“, sagte die Umweltexpertin Imke Byl.

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Warum Müll gefährlich ist

Schöneich-Argent unterscheidet zwischen zwei Arten von Plastikmüll: Zum einen gebe es das Makroplastik. Das sind größere Teile, die noch gut sichtbar sind - Tüten, Schuhe, Eimer und ähnliches. Zum anderen gebe es Mikroplastik. Nach einiger Zeit zerfallen die größeren Teile in kleine, sehr feine Partikel. Makroplastik birgt Gefahren für Tiere. Sie verheddern sich nicht selten in den Teilen, manchmal fressen sie den Müll auch. Vögel verwenden Materialien zum Nestbau. Und auch für die Industrie birgt das Makroplastik Gefahren. Die Kosten für die Reparatur von Schiffen, die mit Müll kollidieren, befinde sich laut Schätzungen bereits in Milliardenhöhe, so Schöneich-Argent. Genaue Zahlen gebe es nicht. Mikroplastik gelangt in die Organismen der Tiere und kann so über die Nahrung auch gefährlich für Menschen werden.

Der Kreislauf des Plastiks: 

Eine Lösung gibt es nicht, noch nicht. Auch The Ocean Cleanup wird diese nicht bringen, glaubt Schöneich-Argent; sie hat für das Projekt gearbeitet. Als problematisch sieht sie vor allem den Müll, der absinkt, der nicht mehr an der Wasseroberfläche zu sehen ist. Es gehe nicht darum, Plastik zu verteufeln. "Immerhin hat der Stoff die westliche Welt revolutioniert". Ein Überkonsum ist jedoch gefährlich und hat bereits jetzt verheerende Folgen - für Tiere, Menschen und Wirtschaft. 

Plastikmüll verseucht die Weltmeere und birgt Gefahren für Menschen und Tiere.
Plastikmüll verseucht die Weltmeere und birgt Gefahren für Menschen und Tiere. (EPA/MIKE NELSON)


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    Leserkommentare
    theface am 18.10.2019 20:54
    Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
    Opferanode am 18.10.2019 20:48
    Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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