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Lautsprecher-Probleme am Alten Gymnasium
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Nach vermeintlichem Amoklauf: Bremer Eltern fordern vergeblich Lösung

Ralf Michel 25.05.2019 0 Kommentare

Im August 2018 hantierte ein Schüler mit einer täuschend echt aussehenden Gewehrattrappe am Fenster des Alten Gymnasiums – und löste damit einen Großeinsatz der Polizei aus.
Im August 2018 hantierte ein Schüler mit einer täuschend echt aussehenden Gewehrattrappe am Fenster des Alten Gymnasiums – und löste damit einen Großeinsatz der Polizei aus. (Koch)

Am Ende war's kein Amoklauf, sondern nur ein Schüler, der mit einer täuschend echten Gewehrattrappe herumhantierte. Trotzdem sorgte der Vorfall am Alten Gymnasium im August vergangenen Jahres für einen Großeinsatz der Sicherheitskräfte. Bei der Aufarbeitung der Ereignisse stieß man in der Schule auf ein technisches Problem, das bei einem wirklichen Anschlag zur Katastrophe führen könnte – die veraltete Lautsprecheranlage. Im Ernstfall könnten die Schüler in einem Gebäudetrakt der Schule nicht vor einem Amokschützen gewarnt werden. Das Problem ist seit Sommer 2018 bekannt, seit Monaten macht auch der Elternrat Druck, geschehen ist seither – nichts.

Rückblende, 15. August 2018: Um kurz nach 11 Uhr entdeckt eine Anwohnerin am Fenster der Schule einen Jungen, der mit einem Gewehr auf sie zielt. Die Frau alarmiert die Polizei. Die schließt einen Amoklauf nicht aus und rückt mit entsprechendem Aufgebot an. Straßensperrung, Sondereinsatzkräfte, Maschinenpistolen, kugelsichere Westen, das gesamte Programm.

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Knapp eine Stunde später ist der Spuk beendet. Die Polizei führt einen 14-jährigen Schüler in Handschellen ab. Der Junge hatte sich während der Proben für die Aufführung von Schillers Drama „Die Räuber“ in einer modernen Fassung ein Plastikgewehr geschnappt und damit vom Fenster aus auf die Frau aus der Nachbarschaft gezielt.

Der Vorfall führte am Alten Gymnasium und den anderen Bremer Schulen zu Diskussionen über sogenannte Anscheinswaffen, berichtet Annette Kemp, Sprecherin der Bildungsbehörde. Letztlich sei der Fall aber vom Bildungsressort, der Polizei und von den Schulleitungen als außergewöhnlich und einzigartig eingestuft worden. „Es gab deshalb keine Notwendigkeit, Richtlinien zur Verfügbarkeit von Anscheinwaffen zu erlassen.“

Verantwortungsvoller Umgang mit Anscheinswaffen 

Grundsätzlich gehörten derartige Attrappen als Requisiten an vielen Schulen beim Darstellenden Spiel mit dazu, sagt Kemp. Um Vorfällen wie am Alten Gymnasium entgegenzuwirken, sollte mit den Schülern über einen verantwortungsvollen Umgang mit Anscheinswaffen gesprochen werden. Zudem sei diese Art von Requisiten stets sicher in abgeschlossenen Räumen und Schränken aufzubewahren.

Am Alten Gymnasium wurde  im Fachbereich Darstellendes Spiel gründlich darüber diskutiert, „wie wir künftig mit diesem Thema umgehen und ob wir Einschränkungen machen“, erzählt Schulleiterin Angela Köhler. „Wir schauen da jetzt schon ganz anders drauf, gerade auch, wenn man durch Fenster von außen bei uns reinschauen kann.“ Völlig auf Waffenattrappen verzichten könne man in bestimmten Stücken der deutschen Literatur aber schon aus dramaturgischen Gründen nicht, etwa wenn es um die Darstellung von Szenen mit Soldaten ginge.

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Letztlich habe man sich auf eine pragmatische Lösung verständigt: Bei den Proben, die in den unterschiedlichsten Räumen der Schule stattfinden, würden die falschen Gewehre durch Lineale ersetzt. Bei der Aufführung in der Aula, die von außen nicht einsehbar ist, kämen dann aber die richtigen Requisiten zum Einsatz.

Eine ähnlich einfache und vor allem schnelle Lösung ist bei einem anderen Problem nicht in Sicht. Denn bei der Nachbereitung des Vorfalles wurde ein anderes Problem deutlich, das es nicht nur am Alten Gymnasium gibt. Die Lautsprecheranlage erreichte im alten Teil des Gebäudes lange nicht alle Schüler, erklärt Schulelternsprecher Thomas Groneick. Die Lautsprecher seien dort in den Fluren angebracht, die Durchsagen wegen der massiven, schallschluckenden Wände in den Klassenräumen schlecht oder gar nicht zu verstehen. Fatal, wenn per Durchsage die Schüler vor einem Amokschützen gewarnt werden soll, verbunden mit der Aufforderung, unbedingt in den Klassenräumen zu bleiben und die Türen abzuschließen. 

Ahnungslose Schüler

Tatsächlich schlenderten im August reihenweise Jugendliche durch die Schule und auf den Pausenhof, obwohl der Alarm längst ausgelöst war. Sie hatten davon schlicht nichts mitbekommen. Um Abhilfe zu schaffen, müssten aus Sicht der Eltern lediglich ein paar Lautsprecher in die Klassenräume im alten Gebäudetrakt verlegt werden. Schon seit Längerem dringe man auf diese Lösung, sagt Elternsprecher Groneick. „Aber wir werden von den Behörden seit Monaten nur hingehalten.“ Schulleiterin Köhler bestätigt dies. Es wirke, als ob sich Immobilien Bremen als Vermieter und die Liegenschaftsverwaltung der Bildungsbehörde die Verantwortung gegenseitig zuschöben.

Die Problematik am Alten Gymnasium wurde im Hause Immobilien Bremen diskutiert, erklärt  hierzu auf Anfrage Behördensprecherin Annette Kemp. „Zunächst ging es darum, eine komplette bauliche Lösung zu schaffen.“ Die sei aber offenbar vor dem Hintergrund der Kapazitäten bei Immobilien Bremen und des Umfangs der erforderlichen Umbaumaßnahmen nicht vor 2020 möglich.

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Auf Drängen der Bildungssenatorin werde es aber kurzfristig einen gemeinsamen Termin mit den Beteiligten und der Polizei geben, um eine technische Zwischenlösung zu finden, die dann bis zum Herbst umgesetzt werden soll. Denn in der Sache sieht auch die Bildungsbehörde dringenden Handlungsbedarf: „Uns ist klar, dass die Situation beängstigend ist“, sagt auch Kemp. „Es hätte ja auch ein echter Amoklauf sein können.“


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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