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Medizinische Notversorgung
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Neue Sprechstunde für wohnungslose Menschen

Sabine Doll 28.11.2017 0 Kommentare

BREMEN, DEUTSCHLAND 28.11.2017 Bremer Treff, FOTO: Daniel Chatard / Weser-Kurier
Dr. Georg Kückelmann (l.) untersucht während der neu eingerichteten Sprechstunde im Bremer Treff Peter Bonet. Immer dienstags dient das Büro als eine Art Praxis für Obdachlose. (Daniel Chatard)

Der kleine Behandlungsraum im Untergeschoss der kirchlichen Begegnungsstätte „Bremer Treff“ ist wie eine Hausarztpraxis auf einfachem Niveau ausgerüstet: Es gibt eine Liege, auf der die Patienten untersucht werden, einen Schrank mit Behandlungsmaterial und Medikamenten, einen weiteren für die Patientenunterlagen und einen Computer für die Abrechnung mit der Kassenärztlichen Vereinigung.

An vier Tagen in der Woche dient das kleine Zimmer den Mitarbeitern des „Bremer Treffs“ als Büro – seit dieser Woche ist es immer dienstags ab 18 Uhr als Praxis für die medizinische Notversorgung von Wohnungslosen und anderen Menschen in prekären Lebenslagen geöffnet. Rund 18.000 Menschen besuchen jährlich den „Bremer Treff“. An sechs Abenden in der Woche haben sie dort die Möglichkeit, sich aufwärmen, Wäsche zu waschen oder eine warme Mahlzeit zu essen. „Wir sind glücklich, dass wir nun auch eine medizinische Notversorgung anbieten können“, sagt der Leiter des Treffs, Dietmar Melcher.

Alle Patienten werden kostenlos behandelt

Träger der Praxis ist der Verein zur Förderung der medizinischen Versorgung Obdachloser (MVO). „Mit der wöchentlichen Sprechstunde haben wir unser Angebot auf drei Standorte in der Stadt ausgeweitet und hoffen, dass wir damit noch mehr Menschen mit dieser niedrigschwelligen medizinischen Versorgung erreichen können“, sagt der Vorsitzende des Vereins, Gerd Wenzel. Neben der neuen Anlaufstelle am Altenwall 29 bietet der Verein dreimal wöchentlich eine Sprechstunde im Café Papagei am Bahnhof sowie einmal wöchentlich eine Sprechstunde für Frauen im „Frauenzimmer“ an der Abentorstraße an. Wenzel: „Alle Patienten werden kostenlos behandelt, auch wenn sie nicht krankenversichert sind.“

Nach Schätzungen leben in Bremen rund 500 wohnungslose Menschen – die Zahl steige seit Jahren. Damit wachse auch der Bedarf an solchen niedrigschwelligen Angeboten zur Notversorgung. „Wohnungslose Menschen gehen eher nicht in reguläre Praxen; aus Scham, Scheu und Angst“, sagt Georg Kückelmann. „Dazu kommt: Wer auf der Straße lebt, konzentriert sich auf das Überleben. Die Sorge um einen Platz zum Schlafen, Kleidung und den Besitz, der sich oftmals in wenigen Plastiktüten befindet, Sucht, Gewalt und andere Umstände bedeuten den ganzen Tag Stress. Gesundheit ist dann das Letzte, woran diese Menschen denken. Das gilt grundsätzlich: Je ärmer Menschen sind, desto weniger kümmern sie sich um Gesundheit – weil es viele Probleme gibt, die andere Menschen nicht haben.“

Wohnungslose Menschen erkranken häufiger und schwerer

Kückelmann ist einer von sechs Ärzten, die ehrenamtlich die Notversorgung in den drei Anlaufstellen des Vereins übernehmen. Durch ein Leben an der unteren Armutsskala, wie er betont, würden die Menschen häufiger und schwerer erkranken. Folge sei eine deutlich geringere Lebenserwartung. Wunden würden oft nicht versorgt, chronische Erkrankungen nicht kontinuierlich behandelt. Sehr verbreitet seien Diabetes, Herz- und Lungenerkrankungen, Bluthochdruck, dazu kämen oft die Folgen des Alkoholkonsums. „Wir können keine Hausarztpraxis ersetzen. Ziel ist es immer, die Menschen in eine reguläre ärztliche Versorgung zu bringen, das gelingt aber nur sehr selten. Deshalb sind niedrigschwellige Anlaufstellen enorm wichtig“, betont Kückelmann, der sich seit rund 15 Jahren engagiert und niedergelassener Arzt in Hemelingen ist.

Nach Angaben des Vereins werden in den bislang zwei Anlaufstellen rund 150 Patienten im Quartal versorgt, mit der neuen Sprechstunde kämen etwa 30 bis 40 Patienten dazu. Auch Termine für psychotherapeutische Gespräche werden dort angeboten. Zwei Apotheken lösen Rezepte kostenfrei ein, etwaige Zuzahlungen übernimmt der Verein. Ärztekammer, Gesundheitsamt und der Verein für Innere Mission haben den MVO vor 20 Jahren gegründet, die Arbeit wird durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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