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Neues Fahrradzubehör macht Radfahren noch gesünder

Justus Randt 11.12.2018 0 Kommentare

Zweiradradfachfrau Iris Langstädtler hat ein Fahrradzubehör entwickelt, mit dem sie das Radfahren komfortabler und sicherer machen will. 
Zweiradradfachfrau Iris Langstädtler hat ein Fahrradzubehör entwickelt, mit dem sie das Radfahren komfortabler und sicherer machen will.  (Christina Kuhaupt)

Sie sind mit Gel gepolstert, aus anpassungsfähigem Schaum vorgeformt oder haben Hohlräume. „Die Sättel, die es heute gibt, sind toll, und trotzdem ist es so,  als säße man auf einem Poller“, sagt Iris Langstädtler, die 35 Jahre Erfahrung in der Zweiradbranche hat. „Der Fahrradsattel blockiert die Durchblutung, und das wird so bleiben, solange er sich nicht mitbewegt.“ Genau daran arbeitet die 55-Jährige, und sie hat im Sommer beim Wettbewerb Ideen für Bremen den ersten Preis mit ihrem Projekt Freibeik geholt. Dass ihre Erfindung, ein dreidimensional bewegliches Gelenk unter dem Fahrradsattel, nicht allein ein Bremer Thema ist, steht für die Sebaldsbrückerin außer Frage: „In ein paar Jahren sehe ich das Gelenk an jedem Rad, das wird sich so verbreiten wie der Nabendynamo“, lautet ihre Vision.

„Die Muskulatur und die Durchblutung werden abgedrückt, der Sattel scheuert. Die Folgen sind eingeschlafene Hände oder Beine oder Gesäßschmerzen“, sagt die Erfinderin. Es sei gang und gäbe, dass Leute mit diesen Problemen zu ihr und ihrem Mann Matthias ins Geschäft kommen. Alle Altersgruppen von Radlern seien darunter. Manche glaubten, sie könnten mit neuen Lenkergriffen und einem anderen Sattel etwas ändern. „Aber den ultimativen Sattel gibt es nicht, solange man ihn beim Fahren nur abwechselnd rechts und links mit den Sitzhöckern eindrückt und er die Bewegung  aus der Hüfte nicht mitmachen kann.“

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Iris Langstädtler hat einen anschaulichen Vergleich parat: „Wenn Sie einen Ball möglichst weit werfen wollen, holen Sie aus und machen eine runde Bewegung beim Schwungholen – nicht gerade von hinten nach vorn, wie eine chinesische Winkekatze.“ Gegen die wackelnden Tischfiguren, denen nachgesagt wird, sie winkten das Geld herbei, hat die Unternehmerin selbstverständlich nichts. Aber solange sie noch nicht für Umsatz sorgt, muss die Katze als Negativbeispiel herhalten.

„Das menschliche Pendelsystem aus der Hüfte, das gibt es so noch nicht, damit hat keiner Erfahrung“, sagt Iris Langstädtler. Patente, Gebrauchsmuster- und Markenschutz habe sie sicherheitshalber angemeldet, nachdem sie vor drei Jahren ihre nach eigener Einschätzung „gravierend sensationelle Erfindung“ gemacht hat. Kindern, Erwachsenen, Radrennfahrern, Mountainbikern, Älteren auf E-Bikes und „Hochgewichtigen“ – allen biete das Gelenk nur Vorzüge, ist seine Schöpferin überzeugt.

Neue Methode soll Beweglichkeit beim Radfahren steigern

Sie hat sich ausgiebig mit der menschlichen Physiologie und der Biomechanik befasst. Das Radfahren nach ihrer Methode soll die Beweglichkeit steigern. „Man kann viele kleinere Kurvenradien fahren, weil sich die Balance bei langsamer Fahrt besser halten lässt, man hat keine Sattelschmerzen, und der Schulterblick fällt leichter, weil ein Teil der Drehung aus der Hüfte kommt.“

Eine Beobachtung hat sie gemacht: Während Männer „immer erst mal fahren wollten“, sei Frauen oftmals schon bei der Beschreibung „sofort klar, dass sie das Gelenk haben wollen, sagt Iris Langstädtler. „Frauen haben ja ein ganz anderes Körpergefühl, machen oft Yoga, Beckenbodentraining oder tanzen und sind deshalb empfänglicher für solche Sachen.“

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Die Katze ist nur ein Beispiel, ihr Pferd spielt eine viel wichtigere Rolle bei der Entstehung. „Ich bin erst relativ spät zum Reiten gekommen und wollte einfach meinem Pferd nicht in den Rücken fallen, ich wollte draufsitzen, ohne abzuheben. Dazu musste ich erst beweglicher werden.“ Als Übungsgerät gebe es einen speziellen, in jede Richtung beweglichen Hocker. Das Prinzip hat Iris Langstädtler übernommen und unterm Fahrradsattel installiert.

„Radlerhosen haben ja nicht umsonst diese dicken Gelpolster“, sagt die 55-Jährige. „Wenn der Druck sich auflöst und der Sattel die Bewegung mitmacht, ist das Problem aus der Welt.“ Testfahrerinnen und -fahrer hätten ihre Einschätzung bestätigt: „Man wird sehr leicht dabei.“ Bisherige Federsattelstützen greifen das Prinzip zum kleinen Teil bereits auf. „Aber sie machen die Seitwärtsbewegung nicht mit und schlagen aus. Die Leute sind damit oft am glücklichsten, wenn der Mechanismus ausgeschlagen ist und deshalb beweglicher wird – kurz bevor er kaputt geht.“

Matthias Langstädtler zeigt einen der zu Testfahrten montierten Gelenk-Prototpyen – das schwarze Kästchen unterm Fahrradsattel.
Matthias Langstädtler zeigt einen der zu Testfahrten montierten Gelenk-Prototpyen – das schwarze Kästchen unterm Fahrradsattel. (Christina Kuhaupt)

Manuelle Konstruktion ohne Computerprgramm

Die gelernte Einzelhandelskauffrau zeichnete ihre ersten Entwürfe 1:1 auf Millimeterpapier – von der Seite, von oben, von unten. „Ich habe ein gutes bildliches Vorstellungsvermögen“, sagt sie, „das ist alles manuell entstanden, ohne Konstruktionsprogramm auf dem Computer.“ Ihr Mann schweißte dann alles für sie zusammen. „Mein erster Gedanke war, dass sich Kinder, die hinten sitzen, auf keinen Fall klemmen können.“

Nicht zuletzt deshalb ist das kleine Gelenkgehäuse als geschlossener Kasten konzipiert. 15 Grad Neigung sind möglich, in jede Richtung. Im Frühjahr 2019 seien die Tüv-Abnahme und die Produktion der ersten Kleinserie von 100 bis 200 Stück geplant. Viele hätten bereits vorbestellt, sagt Iris Langstädtler. „Jeder der bisher fünf Prototypen kostet mich so viel wie ein kleines Auto.“ Für zukünftige Lizenzverhandlungen stehe Werder Bremen ihrem Projekt als Pate zur Seite. Rund 250 Euro soll das Gelenk kosten.

Wenn das Gelenk erst einmal verbreitet sei, will Iris Langstädtler sich weiteren Verbesserungen widmen: „Das Fahrrad ist ja selbst nach 200 Jahren noch nicht perfekt – die Leute haben Rückenschmerzen. Da haben wir für viele Jahre zu tun. Auch über das Bremssystem sollte man noch mal nachdenken.“ Aber das Gelenk sei schon eine echte Bereicherung, sagt seine Schöpferin: „Es löst Blockaden – und das macht die Menschen fröhlicher.“


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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