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Frauennotruf-Projekt derzeit gestoppt
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Rechtsstreit um die "Luisa"-Kampagne in Bremen

Nina Willborn 21.07.2019 6 Kommentare

Rund 30 Clubs, Discos, Bars und Kneipen haben sich an dem Projekt beteiligt. Zahlen, wie oft der Notruf
Rund 30 Clubs, Discos, Bars und Kneipen haben sich an dem Projekt beteiligt. Zahlen, wie oft der Notruf "Ist Luisa da?" genutzt wurde, gibt es nicht. (mARTIN sCHUTT/DPA)

„Ist Luisa da?“ Stellt eine Frau unterwegs im Bremer Nachtleben bislang diese Frage einem Barkeeper oder dem Servicepersonal in Kneipen und Discos, ist die Chance hoch, dass dieses dann schnell schaltet und weiß: Diese Frau wird gerade belästigt oder bedroht und braucht Hilfe. Im Jahr 2017 hatte der Bremer Frauennotruf die Kampagne zum Schutz vor sexueller Belästigung und Gewalt gestartet. Rund 30 Clubs, Bars und Cafés beteiligten sich seitdem, sensibilisierten ihr Personal und machten die Gäste über Plakate und Flyer auf die Aktion aufmerksam. Auch auf der Breminale und dem Freimarkt im Jahr 2018 konnten sich Frauen mit „Luisa“ diskrete Hilfe in Notsituationen holen. Jetzt aber gibt es, wie die Tageszeitung „taz“ zuerst berichtet hatte, Ärger – die Aktion ist derzeit gestoppt.

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Der Hintergrund: „Luisa“ ist keine Bremer Erfindung. Der Frauennotruf nahm sich bei der Kampagne die der Kollegen in Münster zum Vorbild, die die Aktion zusammen mit der nordrhein-westfälischen Polizei im Dezember 2016 als erste deutsche Stadt gestartet hatten. Ursprünglich stammt die Idee aus dem britischen Lincolnshire, dort heißt der Code-Satz „Ask for Angela“ (dt. „Frag nach Angela“). Münster mit „Luisa“ – der Name wurde übrigens gewählt, weil „Luisa“ als Name auch „Kämpferin“ bedeutet – beantragte Markenschutz für die Kampagne, seit Anfang des Jahres gilt er, wie Lea Götz, Mitarbeiterin in der Münsteraner Koordinierungsstelle von „Luisa“ dem WESER-KURIER erklärt.

Bremen nicht auf der Lizenzliste

Das bedeutet: Wer die Aktion auch verwenden will, muss einmalig eine Gebühr von 100 Euro zahlen und sich bei Flyern und Plakaten an die geschützten Design-Vorgaben halten. Das Geld sei nötig für die Bearbeitung der Anfragen, stellt Götz klar. „Wir wollen und dürfen mit unserem Präventionsprojekt kein Geld verdienen.“ Rund 50 Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz listet der Münsteraner Frauennotruf auf seiner Homepage als Lizenznehmer auf – Bremen ist nicht darunter.

Schon bei der Vorstellung des Projekts in Bremen 2017 kam die Warnung aus Münster, dass man mit rechtlichen Schritten drohen werde, weil eben keine Vereinbarung geschlossen wurde. Stattdessen gingen die Bremerinnen mit minimalen Abweichungen im Text – "Ist Luisa da?“ statt „Ist Luisa hier?“ – und eigenem Layout an den Start und mussten nach der Klage-Ankündigung aus Nordrhein-Westfalen nun die teilnehmenden Lokale bitten, ihre Plakate und Hinweise vorerst zu entfernen.

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Tübingen und Vorarlberg beispielsweise haben dagegen eigene Projekte, erstere unter der Frage „Arbeitet Uli heute?“ ein Konzept, bei dem sich auch Männer zum Beispiel bei rassistischen Belästigungen Hilfe holen können. Nicht nur auf Frauen bezogen ist auch die „Gemeinsam.Sicher.Feiern“-Kampagne des Clubverstärkers (Verbund von Bremer Musikspielstätten), die es seit November 2018 gibt.

„Wir sagen ja nicht, dass es die Kampagne in Bremen nicht geben soll“, sagt Lea Götz. „Aber wir müssen aufpassen, dass unsere Marke nicht verwässert.“ Beim Frauennotruf in Bremen darf sich auf rechtliches Anraten hin derzeit niemand öffentlich zu dem Thema äußern. Man hoffe, dass es möglich sein werde, eine schnelle Lösung zu finden, sagt eine der Mitarbeiterinnen.

Entscheidung noch offen

Dasselbe sagen übrigens auch die Kolleginnen aus Münster. Götz: „Wir arbeiten an einer Einigung, aber noch gibt es keine Entscheidung.“ Eine schnelle Einigung wünscht sich auch Kerstin Eckardt, Kreisvorsitzende der Frauen Union Bremen. Die Kampagne sei inzwischen gut eingeführt und bekannt. „Der angefangene Weg sollte weitergegangen werden“, sagt Eckardt.

Inwieweit „Luisa“ aber tatsächlich in Bremen erfolgreich ist, ist schwierig einzuschätzen. Der Polizei sind laut Aussage von Sprecher Nils Matthiesen für das Jahr 2018 und in Zusammenhang mit dem Hilfsangebot lediglich „Fälle im niedrigen einstelligen Bereich bekannt“. „Grundsätzlich ist das Projekt aber zu begrüßen“, sagt Matthiesen. Ein solches Projekt könne aber nicht die Arbeit der Polizei ersetzen. Matthiesen: „Ist es zu strafbarem Verhalten gekommen oder besteht eine konkrete Gefahren- oder Bedrohungssituation, sollte von der Betroffenen oder in deren Auftrag vom Personal immer der Polizeiruf 110 gewählt werden.“

In Viertel-Kneipen wie dem Wohnzimmer und dem Fehrfeld, in denen es „Luisa“ gab, ist den Mitarbeiterinnen nicht bekannt, dass Frauen den Code genutzt hätten. „Ich finde die Aktion trotzdem sehr wichtig“, sagt Semy Kong, Teamleitung des Wohnzimmer-Barpersonals. „Sie ist ein wichtiges Signal für die Frauen, dass sie sich trauen können, um Hilfe zu bitten. Männer werden vielleicht auch sensibilisiert, besser auf ihr Verhalten zu achten.“


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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