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Erfolgreicher Videoblogger aus Zeven
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Schräge Vögel und planlose Heimwerker

Serena Bilanceri 30.04.2017 0 Kommentare

Ständig vor der Kamera: Fynn Kilemann zeigt seinen Fans das Leben in seiner Kolumne.
Ständig vor der Kamera: Fynn Kilemann zeigt seinen Fans das Leben in seiner Kolumne. (Michael Galian)

Am Ende wird es immer laut. Egal, was Fynn Kliemann und sein Team sich vornehmen: Krach, Explosionen und kreischende Geräusche dürfen dabei nicht fehlen. Der 28-jährige Videoblogger aus Zeven hat mittlerweile dank seiner Heimwerker-Videos eine Youtube-Gemeinde von fast 300 000 Abonnenten. In seinen Videobeiträgen baut und probiert er alles aus, was ihm einfällt. Wakeboarding (Wasserski auf einem Brett) in einem selbst ausgebaggerten Teich? Kein Problem.

Ein Spacecurl (kreisförmiges Gerät, in dem eine Person sich kopfüber drehen kann) ohne jegliche fundierte Handwerkerkenntnisse aufbauen? Klingt wie der Beginn einer Katastrophe, doch am Ende gelingt es. Schließlich geht der selbst ernannte „Heimwerker-King“ nach eigenen Angaben ziemlich „lapidar” mit seinen Vorhaben um.

Ob Motorradfahren oder Wakeboarding: Der Hof ist ein riesiger Spielplatz.
Ob Motorradfahren oder Wakeboarding: Der Hof ist ein riesiger Spielplatz. (Michael Galian)

Weil allein alles bekanntlich nur halb so viel Spaß macht, hat Kliemann kürzlich eine Kommune, das Kliemannsland, in der niedersächsischen Provinz gegründet. Das selbst ernannte Land im Landkreis Rotenburg ist auch der Drehort seiner Sendung „Kliemannsland“, die auf „Funk“, einer Online-Plattform von ARD und ZDF,  ausgestrahlt wird. Kliemann, der eigentlich gelernter Mediengestalter ist, empfängt täglich Gäste in seinem neuen Reich. Reisende, die auf ihrem Weg über sein Projekt stolpern, genauso wie Menschen, die gezielt ins neu gegründete Land ziehen – zumindest für ein paar Tage.

Wie zwei junge Männer und eine Frau, die eine Motocross-Maschine und die Ausrüstung für das Wakeboarding in die Kommune mitgebracht haben. Oder zwei Freunde von Kliemann, die einen Tag lang an der Einrichtung einer Internetverbindung auf dem Hof arbeiten. 

Die alten Bauernhäuser auf dem niedersächsischen Land müssen aufgeräumt und renoviert werden. Die Dächer sind alt, manche sind zum Teil moosbedeckt. Die Geschichte der Gebäude reicht bis ins 19. Jahrhundert. Damals wurde hier eine Kneipe betrieben. Da, wo sich heute der Stall mit Stroh auf dem Boden und leeren Pferdeboxen befindet. Alle Gebäude, die die Künstler, Handwerker und Kreativen des Kliemannslandes heute benutzen, sind bis 1920 entstanden.

Willkommen im Kliemannsland!
Willkommen im Kliemannsland! (Michael Galian)

Zu den Kreative, gehört auch Kameramann Ian Budimann, der mit seiner Handycam den ganzen Tag das Leben auf dem Hof auf Video festhält. Die Netz-Gemeinde will schließlich sehen, wie das Projekt voranschreitet. Immer aufs Neue müssen der Heimwerker-King und sein Team die Zuschauer mit abgedrehten Aktionen und witzigen Geschichten überraschen. Mit einem langen karierten Stoff um die Taille, der wie ein Rock aussieht, und einer Sportjacke folgt der Kameramann Kliemann. Doch Zeit, um sich zurückzuziehen und mit sich selbst alleine zu sein, findet man in der Kommune auch. Zum Beispiel abends auf dem Hof vor dem Feuer, das in einem verrosteten Metallfass brennt. 

Auf dem zentralen Hof, der von den naheliegenden Gebäuden umgeben ist, wurde im Dezember sogar  ein Weihnachtsmarkt errichtet. Auch Kliemanns Mutter und Oma halfen dabei und besorgten Tannenbäume bei den Bauern in der Nachbarschaft. Die Nachbarn hatten Stände aufgebaut. Der „Wuwizaklila Weihnachtsmarkt“ lud Menschen aus der Region in das Kliemannsland ein.

Am Ende zählt der Versuch

Ein unkonventionelles Video mit in die Luft gesprengten Weihnachtsmännern, wie man es von Kliemann erwartet hätte, warb für die Veranstaltung. Und die Besucher kamen – zahlreich. Sie schlenderten im Dunkeln zwischen den Holzständen auf dem Hof, der mit neonfarbigen Dekorationen und selbst gebauten Laternen beleuchtet wurde.

Eigentlich nutzt der Hobby-Handwerker den Platz auf dem Hof in Elsdorf meistens für abenteuerlichere Unternehmungen. Zum Beispiel mit dem Motocross der drei neuen Besucher. Da werden die erwachsenen Männer wieder zu Kindern. Der Heimwerker-König fährt auf dem schlammigen Boden durch die Gegend. Auch eine Wakeboarding-Ausrüstung haben die Besucher mitgebracht. Kliemann lässt sich in seinem Neoprenanzug auf dem Wakeboard an einem Seil über den Teich ziehen. Eigentlich ist er dabei mehr im Wasser als auf dem nassen Element, aber am Ende zählt der Versuch.

Für ein gutes Video tut man alles - sogar an einem kalten Herbsttag ins Wasser springen.
Für ein gutes Video tut man alles - sogar an einem kalten Herbsttag ins Wasser springen. (Michael Galian)

Hauptsache, es entstehen gute Aufnahmen, die für die nächste Episode der Sendung benutzt werden können. Gerade wird eine Cafeteria aufgebaut. Kein leichtes Unternehmen: Zum ersten Mal müssen die sonst so planlosen Heimwerker mit professionellen Plänen und Maßen arbeiten. Kaum zu glauben: Das Vorhaben gelingt. Zwar muss ein paar Beinen mit Bierdeckeln zur richtigen Höhe verholfen werden, aber das Café kann demnächst eröffnen.

Kliemanns Online-Gemeinde gefällt offensichtlich das Projekt dieser Kommune mit modernem Technologiezugang. Nachdem er seine Fans öffentlich dazu aufgefordert hatte, ihm bunt dekorierte Fliesen zukommen zu lassen, bekam das Kliemannsland drei Kisten Kacheln in allen Formen und Farben. Jetzt schmücken sie eine ganze Wand im ehemaligen Pferdestall. Auch ein Hindernisparcours wurde in den leeren Räumen einer großen Scheune aufgebaut, die seit Kurzem den Namen „Studio“ trägt.

Der Fantasie sind im Kliemannsland kaum Grenzen gesetzt. „Ein Ort, an dem man alles kann”, hatte Kliemann es am Anfang beschrieben. Diesem Motto ist er auch treu geblieben. Der hochgewachsene Mann mit den blonden Haaren wird weiterhin alles aufbauen und ausprobieren, wonach ihm gerade ist. Jetzt aber ist er nicht mehr al­leine.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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