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Schuhe für Lady Gaga

Nico Schnurr 11.05.2019 0 Kommentare

„Ich weiß, dass ich eine Weltmarke werde“, sagt David Kotowski.
„Ich weiß, dass ich eine Weltmarke werde“, sagt David Kotowski. (fr)

Er hat drei Versuche. Hamburg, Köln, Berlin. Drei Konzerte in vier Tagen. Danach soll eine Stilikone seine Schuhe tragen. Sie hat ihn nicht darum gebeten, natürlich nicht. Lady Gaga hat keine Ahnung, wer dieser damals gerade volljährige Bremerhavener ist, der ihr hinterherreisen wird, im Gepäck zwei Kartons. David Kotowski hat Schuhe entworfen, zwei Paar, von denen sich behaupten lässt, sie sähen aus wie venezianischer Karneval am Fuß, Masken gespannt vor zwölf Zentimeter hohe Absätze. Er will den Popstar überzeugen, sie zu tragen.

Wahrscheinlich passiert ihr das ständig. Irgendwo auf der Welt macht sich vermutlich täglich ein Designer auf den Weg, um Lady Gaga Mode anzudrehen. Wem das gelingt, ist Aufmerksamkeit garantiert. Gaga ist Expertin für Extravaganz und staatstragende Nichtigkeiten auf Roten Teppichen, seitdem sie angefangen hat, in Kleidern aus rohem Fleisch oder hunderten Kermit-Fröschen aufzutauchen. Was Gaga trägt, da ist der Name Programm, muss anders sein, schriller, gewagter. Das ist die Liga, in der ein Bremerhavener spielen will.

Die Fans kreischen, Kotowski kreischt

Der erste Versuch scheitert. Ein Freund von Kotowski hat sich eines dieser sehr teuren Tickets gekauft, Tausend Euro oder mehr, um nach dem Konzert etwas Zeit mit der Künstlerin verbringen zu dürfen. Er soll die Gaga-Schuhe überbringen, doch keine Chance, das Treffen ist schon wieder vorbei, bevor es überhaupt richtig begonnen hat. Am nächsten Tag versucht es Kotowski selbst. Er wartet vor einem Kölner Hotel, stundenlang. Lady Gaga trifft er nicht, ihre Visagistin schon. Die beiden kommen ins Gespräch, sie will helfen. Irgendwie schummelt Kotowski die Schuhe in die Konzerthalle, zur Visagistin.

Der Tag darauf, 3 Uhr nachts in Berlin, die Tür einer Limousine öffnet sich. Die Fans kreischen, weil Lady Gaga aussteigt. Kotowski kreischt, weil sie seine Schuhe trägt. Gaga spricht ihn an, er ist so aufgeregt, dass ihm nichts Besseres einfällt, als einen Vortrag über die Lampen zu halten, die er unter die Maskenschuhe montiert hat. Sie lobt noch Kotowskis Konstruktion und rät ihm, die Designersache beruflich zu machen, dann verschwindet Lady Gaga im Hotel. Am nächsten Tag sind die Bremerhavener Schuhe Thema auf allen Klatschportalen. Für Kotowski ist das der Anfang von so etwas wie einer Karriere.

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„Ich will untragbare Sachen tragbar machen“

Im Schaufenster schimmern bronzefarbene High Heels, die nicht unbedingt aussehen, als wären sie erfunden worden, um darin zu laufen. „Man soll wenigstens in den Schuhen stehen können. Das ist schon das Ziel“, sagt Kotowski. „Ich will untragbare Sachen tragbar machen.“ Er hat eine Abwasserrinne der Länge nach halbiert und einen Drahtreiniger zu etwas Sonnenähnlichem verformt. Dann Lack darauf und alles an den Schuh genietet. So läuft das oft bei Kotowski. Er nimmt gewöhnliche Schuhe, die er auf Flohmärkten oder bei Lagerverkäufen findet, und macht daraus Ungewöhnliches, das schon mal aussieht, „als ob man direkt aus dem Baumarkt kommt“, sagt er. „Upcycling“ nennt Kotowski das. Oder „kunstvolles Verunstalten“. Funktioniert vielleicht nicht immer für den Alltag, aber auf der High-Heel-Weltausstellung in Detroit, wo das Paar zu sehen war.

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Polnische Popstars tragen Kotowskis Mode in Musikvideos. Im polnischen Ableger der Topmodel-Show sind seine Sachen mehrfach zu sehen gewesen. Bald soll eine kleinere Hollywood-Produktion in die Kinos kommen, in der seine Kostüme auftauchen. Die Anfragen häufen sich, seitdem Lady Gaga seine Schuhe getragen hat. Seine Arbeitsweise hat er nicht verändert. Weiterhin gilt: im Zweifel gaga. „Ich frage mich immer: Was würde Lady Gaga machen? Würde sie das tragen? So entscheide ich, ob ich eine Idee umsetze.“

Ein Gang durchs Atelier, Kotowski führt vor, was schon fertig ist von der neuen Kollektion. Viel Kunstleder und Kunstfell, auch Tüll. Alles wieder sehr ausladend, eher Kostüme als Klamotten, fast alles Einzelstücke. Leben kann Kotowski davon bislang nicht. Designer sein, das bedeutet für ihn gerade noch 40-Stunden-Woche im Supermarkt. Im Atelier arbeitet er erst nach Feierabend, oft bis spät in die Nacht. Ewig kann das nicht so gehen. In der neuen Kollektion sollen deswegen ein, zwei Jacken dabei sein, die man sich auch außerhalb von Musikvideos und Museen vorstellen kann, an ganz normalen Menschen. „Ich weiß, dass ich eine Weltmarke werde“, sagt David Kotowski. „Ich habe nur Angst, dass die anderen das erst so sehen, wenn ich schon alt oder tot bin.“


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Leserkommentare
Bunker-F76 am 18.10.2019 19:04
Bedeutet dies auch, dass der Mann im Falle einer Verurteilung in ein Jugendgefängnis muss?
Video2000 am 18.10.2019 19:03
Noch dreister finde ich, daß man so tut, als hätte man mit den sozialen Problemen in Bremen absolut gar nichts zu tun.
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