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Sensibilisierungs-Kampagne
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Sicher durchs Bremer Nachtleben ziehen

Pascal Faltermann 20.11.2018 1 Kommentar

Schlüssel und Grundlage der Kampagne ist laut den Initiatoren der Begriff Awareness.
Schlüssel und Grundlage der Kampagne ist laut den Initiatoren der Begriff Awareness. (Shirin Abedi)

Er erlebt es ständig. Wenn die Nacht zum Morgen wird, die Besucher die Clubs verlassen und die Schichten der Tresenkräfte sich dem Ende zuneigen, hört Türsteher Kai Villbrandt immer wieder davon. Dem Security-Mitarbeiter von der Sicherheitsfirma Public and Private Security wird im Nachhinein von Besuchern berichtet, die sich übergriffig, grenzüberschreitend oder diskriminierend verhalten.  „Ich frage die Kollegen dann immer, warum sie nicht früher Bescheid gegeben haben“, sagt Villbrandt.

Um diese Situationen zu vermeiden, um das Ausgehverhalten aufmerksamer zu gestalten und für mehr Sicherheit im Nachtleben zu sorgen, hat der Clubverstärker, ein Verbund von Musikspielstätten und Festivals aus Bremen, Oldenburg und dem Bremer Umland, eine Kampagne unter dem Titel „Gemeinsam.Sicher.Feiern.“ gestartet. Am Dienstag gab es für rund 50 Betreiber von Bremer Spielstätten eine erste Schulung in den Räumen des Kulturzentrums Lagerhaus dazu, bei der Villbrandt als Referent in die Thematik einführte.

Ein strukturelles Problem

Ziel der Kampagne ist es, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich Feiernde, Partygänger und Konzertbesucher gemeinsam in und vor den Clubs und Kneipen sicher und wohlfühlen. Der Gedanke soll nicht nur in Spielstätten umgesetzt, sondern auch auf offener Straße beim Ausgehen von möglichst vielen gelebt werden. „Es geht um die Förderung einer friedlichen, bunten und ausgelassenen Ausgehkultur und um die Sensibilisierung auf ein achtsames, offenes und respektvolles Miteinander“, sagt Julia von Wild vom Vorstand des Clubverstärkers.

Das ist auch das Hauptanliegen von Kai Villbrandt. Immer wieder ist er bei seiner Tätigkeit an den Türen der Clubs und Spielstätten der Stadt direkt damit konfrontiert worden, dass es zu sexualisierter, rassistischer oder diskriminierender Gewalt kommt. „Ich habe festgestellt, dass es ein strukturelles Problem ist“, sagt der Sicherheitsmann. Vom Anstarren, Anpfeifen bis zum Anfassen, Abdrängen und Angreifen – Gewalt und Belästigung werden immer individuell wahrgenommen, erklärt er in seinem Vortrag.

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Um dies zu untermauern, hat er Zahlen rausgesucht: Jede siebte Frau mache strafrechtlich relevante Erfahrungen, mindestens 60 Prozent der Frauen hätten schon einmal sexuelle Belästigungen erlebt. Und: Beinahe jeder nicht „deutsch“ aussehende Mensch habe schon einmal diskriminierende oder rassistische Erfahrungen gemacht. All diese Beispiele veranschaulicht Villbrandt mit Szenen und Situationen, die er selbst erlebt hat.

Mit Absicht spricht er nicht von Opfern und Tätern, sondern von Betroffenen und gewaltausübenden Personen. Er gibt Tipps, Lösungsvorschläge und Anregungen. All seine Erfahrungen waren Grund genug, sich mit den Vertretern des Clubverstärkers, die das Thema ebenfalls auf der Agenda hatten, zusammenzusetzen und an einem Konzept, einem Leitfaden zu arbeiten. Nach gut eineinhalb Jahren Arbeit ist die Sensibilisierungs-Kampagne fertig und finanziell abgesichert.

Aufmerksames und couragiertes Personal ist wichtig

Die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Kampagne sei bislang einzigartig in Deutschland, sagt Julia von Wild. „Mit dieser Aktion liegen wir bundesweit ganz vorne.“ Die Mittel für das Projekt hat die Interessenvertretung der Bremer Spielstätten und Kneipen anlässlich des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ bekommen. Finanziert werden dadurch die Workshops und Schulungen sowie die Plakate, Flyer, Aufkleber und Bierdeckel. Man gebe den Leuten und dem Personal an der Theke, Garderobe, Tür oder in der Technik damit einen Leitfaden an die Hand, sagt Kira Sackmann vom Lagerhaus.

Schlüssel und Grundlage der Kampagne ist laut den Initiatoren der Begriff Awareness, der ein aktuelles, situationsbezogenes Bewusstsein einer Person über ihre Umgebung und die daraus resultierenden Reaktionen bedeute. Die Aktion setzt sich aus drei Schwerpunkten zusammen: Poster in möglichst vielen Bremer Clubs und Kneipen sollen einen Überblick über die Funktion der Kampagne geben.

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Sticker sollen durch eine Fotostory die Hauptaussage „Gemeinsam.Sicher.Feiern.“ visualisieren und veranschaulichen. Doch der wichtigste Faktor sei ein aufmerksames und couragiertes Personal. Für die Betreibenden und deren Personal bietet der Clubverstärker betriebsinterne Schulungen an, in denen beispielsweise der situationsbezogene Umgang mit rassistischen oder sexuellen Übergriffen vermittelt wird.

Im Leitfaden wird empfohlen, dass in den Spielstätten eine Person pro Schicht als Awareness-Leitung eingeteilt wird, es, wenn möglich, einen Rückzugraum gibt und das günstigste Getränk nicht alkoholisch ist. Zudem liefert eine Übersicht konkrete Handlungsmöglichkeiten. Grundsätzlich gelte, so Villbrandt, dass niemals der betroffenen Person die Schuld für fehlerhaftes Verhalten oder sexuelle Gewalt gegeben werde.

Felix Grundmann, Betreiber des Heartbreak Hotel im Bremer Viertel, ist davon überzeugt, dass mit der Kampagne ein positives, sicheres Grundgefühl in Bremens Clublandschaft geschaffen werden kann. „Es ist wichtig, diese Problematik transparent zu machen und öffentlich zu diskutieren“, sagt Grundmann, dessen Personal sich aufgrund des engen Raumes seiner Kneipe stets mit dem Thema auseinandersetze. Es sei gut, durch den gemeinsamen Austausch andere, zusätzliche Ansatzpunkte bei der Arbeit zu finden.

Nach dem es gut ein Jahr still um das Römer im Bremer Viertel war, wurde der Club im Februar 2018 unter neuer Leitung wiedereröffnet.
Freitags und Samstags kann man ab 23 Uhr zu elektronischer Tanzmusik das Tanzbein schwingen.
Das Innere des Clubs wurde komplett neu gestaltet. Wer nicht gerade das Tanzbein auf der Tanzfläche schwingt, kann sich an der Bar hinsetzen. Die Getränkekarte bietet neben Bier und Wein auch diverse selbstkreierte Cocktails an.
Cocktail im Römer.
Fotostrecke: Wo man in Bremen und umzu feiern und tanzen kann

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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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