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Büro- und Geschäftskomplex in Bremen
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So soll der neue Lloydhof aussehen

Jürgen Hinrichs 12.12.2018 7 Kommentare

So soll der neue Lloydhof aussehen.
So soll der neue Lloydhof aussehen. (Denkmalneu)

Das Dach macht den Unterschied. Eine Dachkonstruktion für den Lloydhof, die so spektakulär ist, dass sie Staunen auslöst. Am Mittwoch ist der Gewinner-Entwurf im Wettbewerb um die Gestaltung der Fassade des Gebäudes im Ansgari-Viertel vorgestellt worden. Veränderungen vom Scheitel bis zur Sohle, erhalten bleiben lediglich die vier Giebel zum Ansgarikirchhof hin – ein Rest vom alten Lloydhof, der ansonsten in eine völlig neue Zukunft geht.

Ende des Jahres wird der prägnante Geschäfts- und Bürokomplex zwischen Ansgarikirchhof und Hanseatenhof geschlossen. Der 35 Millionen Euro teure Umbau beginnt Mitte 2019 und nimmt anderthalb Jahre in Anspruch. Investor ist der süddeutsche Projektentwickler Denkmalneu. Er plant einen Mix aus Wohnen, Einzelhandel, Gewerbe, Gastronomie und Hotel.

Siegerentwurf stammt aus Berlin

Fünf Entwürfe standen zur Auswahl, einer stammt vom Bremer Architekturbüro Schulze Pampus, das in dem Wettbewerb den dritten Platz belegt hat. Einstimmig an die Spitze beförderte die Jury den Plan von Sauerbruch Hutton Architekten aus Berlin. „Der Entwurf gibt dem Lloydhof als stattlichem Haus in der Innenstadt ein neues Antlitz“, erklärte Senatsbaudirektorin Iris Reuther bei der Präsentation aller fünf Beiträge. „Der Geschäftsbereich lädt mit großzügigen Öffnungen am Ansgarikirchhof zum Schauen und Shoppen ein, die vier Giebel zum Platz zeigen ein vertrautes Bild auch in Korrespondenz zum denkmalgeschützten Gebäude der Handwerkskammer, und auf einem neuen Dach gibt es eine Aussichtsterrasse in Verbindung mit einem besonderen Gastronomieangebot“, fasste Reuther die verschiedenen Aspekte zusammen. In der Jury sei sehr intensiv über das Nebeneinander von Alt und Neu diskutiert worden. „Diesen Dialog brauchen wir in der Mitte Bremens.“

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Hinter den vier Giebeln wird sich künftig eine neue Hülle auftun. Im Sieger-Entwurf besteht sie aus einer perforierten Metallfläche in Kupferton. Ob es dabei bleibt, steht noch dahin. Möglich wäre auch eine Hülle aus Kunststoff. „Der Plan von Sauerbruch Hutton ist eine sehr gute Grundlage, ein paar Dinge müssen allerdings noch präzisiert werden“, erklärte die Senatsbaudirektorin. So oder so soll die Konstruktion auf dem Dach aber transparent sein. „Das ist ein Novum für die Innenstadt“, so Reuther. Die Sky-Bar, das Restaurant, die riesige, öffentlich zugängliche Dachterrasse – dort werde bis in die Nacht hinein etwas los sein. „Man kann dann sagen, es ist noch Licht an.“

Das „Lebendige Haus“

Das genau ist das Grundkonzept von Denkmalneu. Es nennt sich das „Lebendige Haus“ und ist in Dresden und Leipzig bereits erfolgreich verwirklicht worden. Zentral ist dabei die Mischnutzung mit Angeboten, die sich auf sämtliche 24 Stunden eines Tages verteilen. Das ist der Handel, es sind Büros, Einrichtungen für Sport, Gastronomie, Flächen für Tagungen und Events, herkömmliches Wohnen und sogenannte Boardinghouses mit Fünf-Sterne-Standard. Die Zimmer und Apartments können für wenige Tage gebucht werden, wenn Touristen sich die Stadt ansehen wollen. Man kann sie aber auch für Wochen oder gar Monate mieten. Das könnten Geschäftsreisende nutzen oder Firmen, die Mitarbeiter für eine gewisse Zeit nach Bremen entsenden.

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Der Lloydhof ist fast 40 Jahre alt. Dass er jetzt neu entwickelt wird, stand lange Zeit überhaupt nicht auf dem Plan, im Gegenteil, der Komplex sollte eigentlich abgerissen werden. Die Stadt wollte an der Stelle ein City-Center errichten lassen. Hinzugenommen werden sollte die Fläche des städtischen Parkhauses am Brill. Den Lloydhof musste Bremen vor sechs Jahren kaufen, der Preis: 23,8 Millionen Euro.

Der Jammer war groß, als die City-Center-Pläne scheiterten. Plötzlich hatte Bremen eine Immobilie am Hals, die in den oberen Etagen zwar noch ordentliche Mieteinnahmen abwarf. Die Geschäftslage im Erdgeschoss funktionierte aber schon lange nicht mehr. Beklagt wurde eine hohe Fluktuation und viele Leerstände. Zuletzt behalf sich die Stadt auf der Fläche mit dem sogenannten City-Lab, in dem sich Gründer für wenig Miete mit neuen Geschäftsideen austoben durften.

Unternehmen zahlte 21,5 Millionen Euro

Unter diesen Umständen war es ein Glücksfall, dass Denkmalneu sich für das Gebäude interessierte und schließlich zuschlug. Das Unternehmen, hinter dem die milliardenschwere Familie des SAP-Gründers Hasso Plattner steht, zahlte 21,5 Millionen Euro. Die Stadt war die Last los und konnte den finanziellen Schaden in Grenzen halten.

Durch den Dachaufbau wird sich die Bruttogeschossfläche nach Angaben des Investors um etwa 2000 Quadratmeter auf insgesamt 17 000 Quadratmeter erhöhen. Den Löwenanteil hat sich die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) gesichert, wie in dieser Woche bekannt wurde. Die Behörde wird vier Büroetagen mit 5800 Quadratmetern anmieten. Auf die Frage, ob das beim Kauf der Immobilie Teil des Deals gewesen sei, kommt vom Investor ein klares Nein. „Das haben wir sauber getrennt“, erklärte Thomas Binder.

Der Projektleiter von Denkmalneu war am Mittwoch dabei, als die Entwürfe für die Fassade erläutert wurden. Er konnte berichten, dass die beiden geplanten Großbereiche im Erdgeschoss mit einer Gesamtfläche von 3000 Quadratmetern bereits vergeben sind. Mieter seien eine Textilfirma und ein Lebensmittelhändler. Namen dürfe er noch keine nennen. Auf 100 Quadratmetern werde es im Erdgeschoss auch eine Gastronomie mit Außenplätzen geben.

Mit Verlauf und Ergebnis des Wettbewerbs ist Binder sehr zufrieden: „Dadurch kommt schon eine andere Qualität heraus, als wenn man von den eigenen Architekten im stillen Kämmerlein planen lässt.“

Die Ausstellung mit den Entwürfen kann im Lloydhof bis zum 21. Dezember werktags zwischen 9 und 14 Uhr besucht werden.


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Leserkommentare
WESER-KURIER_Onlineredaktion am 23.10.2019 10:44
Danke für den Hinweis. Das Gelände wurde vor 14 Jahren erworben. Die Fläche ist elf Hektar groß. Wir haben das korrigiert.
Lemurer am 23.10.2019 10:41
Noch nicht gemerkt? Die redaktionelle Qualität der WK Artikel hat bald Bild-Zeitungsniveau erreicht.
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