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So trägt man Pelz

Ina Bullwinkel 16.02.2018 6 Kommentare

„So trägt man Pelz“ - Tierschutzbund Bremen
„Nur so trägt man Pelz“ – unter diesem Motto posiert Tierpflegerin Nicole Janssen mit dem Hund "Gin".  (Christina Kuhaupt)

Ein flauschiger Bommel an der Mütze, ein kuscheliger Kragen an der Winterjacke – es ist wieder in Mode, Pelz zu tragen. Vor allem bei Minusgraden finden das viele Menschen schick. Für Gaby Schwab, die Sprecherin des Bremer Tierschutzvereins, ist dieser Trend nur schwer nachvollziehbar. Aktuell wirbt der Verein dafür, sowohl auf Pelz als auch auf Kleidung mit Pelzbesatz zu verzichten.

Zu schlecht seien die Bedingungen, unter denen die Tiere auf den Pelzfarmen gehalten werden. Zum Motto „Nur so trägt man Pelz!“ haben sich mehr als 30 Pflegerinnen und Pfleger des Bremer Tierheims mit Heimtieren fotografieren lassen. Auf Plakaten zeigen sie sich unter anderem mit Hunden und Katzen auf dem Arm – und tragen die Tiere buchstäblich und nicht als Kleidungsstück. 

Regelmäßig versuche der Verein, mit Infoständen und anderen Aktionen die Menschen in Bremen über die Pelzproduktion zu informieren, so Schwab. „Der Verbraucher achtet nicht genug darauf. Die Leute interessiert es teilweise nicht, sie wissen es nicht besser, oder sie sagen: ‚Es ist ja nur ein bisschen Pelz.‘ Obwohl dafür auch ein Tier sterben muss.“ Oft sei die Kleidung aber auch falsch deklariert. Für den Kunden sei dann nicht ersichtlich, dass er ein Kleidungsstück mit echtem Fell kauft.

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Im Dezember vergangenen Jahres haben der Deutsche Tierschutzbund und die Stiftung für Tierschutz „Vier Pfoten“ die Kennzeichnung von Kleidungsstücken mit Echtpelz untersucht. Das Ergebnis: Fast 90 Prozent der getesteten Artikel waren nicht korrekt gekennzeichnet. „Bei vielen Produkten im Handel, bei denen offensichtlich und bewiesenermaßen Echtpelz verwendet wurde, ging dies aus dem Etikett nicht hervor“, sagt Lea Schmitz, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbunds. So sei eine Mütze mit Bommel aus Echtpelz untersucht worden, bei der im Etikett „100 Prozent Acryl“ gestanden habe. 

„Meistens wird der Pelz von Marderhunden verwendet, weil ihr Fell besonders weich und lang ist“, sagt Schmitz. Die Tiere würden in China unter erbärmlichen Bedingungen gehalten. Oft sei die Pelzproduktion günstiger als die von Kunstfell. „Dies ist ein Irrsinn, den viele Verbraucher nicht durchblicken“, so die Sprecherin. Dazu gebe es falsche Bezeichnungen wie etwa „Raccoon“ – englisch für Waschbär – obwohl es das Fell eines Marderhunds ist. 

Ganz leicht selbst zu testen

Der Deutsche Tierschutzbund spricht sich für ein komplettes Verkaufsverbot von Pelz in Deutschland aus. „Doch solange das nicht gewährleistet ist, fordern wir ein Etikett, das über die Tierart, das Herkunftsland und die Haltungsform informiert“, betont Sprecherin Lea Schmitz.

Hersteller müssten bei echtem Pelz laut EU-Kenn­zeichnungs­pflicht den Hinweis anbringen: 'Enthält nicht­textile Teile tierischen Ursprungs', erläutert Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. „Trotzdem zeigen Untersuchungen immer wieder, dass Echtpelz verwendet und nicht deklariert wird.“ Oelmann nennt das Verbrauchertäuschung.

„Welcher Teil des Kleidungsstücks aus Pelz besteht, von welchem Tier er stammt oder aus welchem Land, ist dagegen leider nicht deklarations­pflichtig.“  Man könne jedoch ganz leicht selber testen, ob es sich bei einem Produkt um Echt- oder Kunstpelz handele. „Tierfell besitzt eine feine, dichte Unterwolle und bewegt sich schon bei der leichtesten Brise, etwa wenn man sanft ­pustet – Webpelz ist steifer.“

Auf Webpelz möglichst ganz verzichten

Außerdem könne man das Fell scheiteln: Bei echtem Pelz komme Leder zum Vorschein, bei Kunst­pelz das Gewebe. „Als drittes kann man einige Haare anzünden. Wenn diese zerfallen und verbrannt riechen, ist es Echtpelz.“ Kunst­haar hingegen schmelze zu kleinen harten Klümp­chen und rieche nach Plastik.

Gaby Schwab vom Tierschutzverein empfiehlt, die Geschäfte zu meiden, die Echtpelz verkaufen. "Man sollte den Verkäufern freundlich, aber bestimmt sagen: ‚Hier kaufe ich nicht mehr, weil Sie Echtpelz anbieten.‘" Außerdem solle man auf Webpelz möglichst ganz verzichten, weil man sich nicht sicher sein könne, ob dahinter nicht doch echter Pelz stecke.

Viel zu günstige Preise

„Wir leben ja nicht mehr in der Steinzeit, als das ganze Tier verwertet und nur so viel gejagt wurde, wie man zum Überleben brauchte", sagt sie. Heute werde der Pelz nur für die Modeindustrie produziert – und das unter unwürdigen Bedingungen. Mit der Aktion „Nur so trägt man Pelz“ möchte Gaby Schwab auch Menschen erreichen, die sich bisher nicht mit dem Thema befasst haben.

Sehr oft finde man Winterjacken mit Echtfell zu viel zu günstigen Preisen. „Für mich ist das unfassbar, ich bekomme Tränen in den Augen, weil ich weiß, wie die Tiere dafür leiden mussten“, sagt Schwab. Wichtig sei es auch, Kinder und Jugendliche aufzuklären, um mehr Menschen zum Umdenken zu bewegen. Schwab freut sich, dass durch die Aktion nicht nur der Tierschutz, sondern auch das Bremer Tierheim mehr Aufmerksamkeit bekomme. Einige der Tiere, die auf den Plakaten zu sehen sind, seien bereits an neue Besitzer vermittelt worden.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
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