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Besuch der Fatih-Moschee
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So war der Tag der offenen Moschee in Bremen

Timo Thalmann 03.10.2019 6 Kommentare

Die Fatih-Moschee in Gröpelingen lud zum regulären Mittagsgebet ein.
Die Fatih-Moschee in Gröpelingen lud zum regulären Mittagsgebet ein. (Christina Kuhaupt)

Nur vereinzelt tröpfeln Besucher in die große Fatih-Moschee in Gröpelingen. Aber das ist nur eine Momentaufnahme zwischen zwei Führungen durch die Räumlichkeiten der muslimischen Gemeinde. Kurz bevor die nächste Führung startet, füllt sich die Teestube im Erdgeschoss, wo sich die Besucher zum Tag der offenen Moschee erst einmal sammeln. Nicht zuletzt locken hier auch Kaffee, Tee und ein großes Kuchenbüffet.

Seit 1997 organisieren die muslimischen Religionsgemeinschaften in Deutschland jährlich und bundesweit am 3. Oktober diesen Tag der offenen Moschee. Die Fatih-Moschee an der Stapelfeldtstraße ist nur eines von über 1000 muslimischen Gebetshäusern, die an diesem Tag auf glaubensfremde Besucher und viele Fragen eingestellt sind. Von den rund 30 Moscheen in Bremen öffnen zwölf ihr Türen. „Eigentlich stehen unsere Türen aber immer offen für Besucher“, sagt Murat Celik, Vorsitzender von Schura Bremen, dem Verein islamischer Religionsgemeinschaft. Aber es brauche wohl solch einen Anlass, um sich mal in die Moschee in der Nachbarschaft zu trauen, sagt er.

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„Menschen machen Heimat/en“ lautet das Motto in diesem Jahr. Für Tim Heinemann war das der Anlass, die Moschee zu besuchen. Außerdem ist Celik ein ehemaliger Arbeitskollege. „Alte Bekanntschaften zu pflegen, das ist doch ein guter Grund für einen Moscheebesuch“, meint der Familienvater. Und damit ist er im Grunde schon mittendrin im Gespräch über die Frage, was Heimat eigentlich bedeutet. Die Führung durch die Moschee berührt gleich mehrere Aspekte des Themas: Es geht um religiöse Heimat, um Gefühle und natürlich um die Gemeinschaft mit anderen Menschen. Was verbindet Menschen? Was trennt sie? Abschließende Antworten gibt es dabei nicht.

Für Marouan Bedoui ist der Islam vor allem das immerwährende Gespräch über solche Fragen. Bedoui ist Celiks Stellvertreter im Vorstand der Schura, er berichtet von den Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit in den islamischen Gemeinden. „Durch den Zuzug vieler muslimischer Flüchtlinge in Deutschland sind manche Gemeinden stark gewachsen.“ Das bringe Herausforderungen mit sich, weil damit auch unterschiedliche Vorstellungen über den islamischen Glauben in die Gemeinschaften getragen werden. „Dann ist es wichtig, sich darüber auszutauschen und auch festzustellen, was eigentlich der Kern unseres Glaubens ist und was eher eine Frage von Tradition und Gewohnheit ist.“

Die Sache mit den Flüchtlingen interessiert Christel Annecke. Die 71-Jährige aus dem Viertel ist nach eigener Aussage aus „reiner Neugierde“ nach Gröplingen gefahren, um den prächtigen Gebetsraum der Moschee mit Platz für über 1200 Besucher in Augenschein zu nehmen. Aber jetzt möchte sie auch wissen, wie das mit dem Frauenbild im Islam ist – und wie das denn so sei, wenn afghanische Muslime in Deutschland plötzlich im Schwimmbad auf Damen im Bikini treffen.

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„Dann hilft eben nur das Gespräch“, sagt Bedoui. Und natürlich seien da die hiesigen muslimischen Gemeinden gefordert, kulturelle Dolmetscher zwischen den Wertesystemen zu sein. „Wir kennen das ja selber sehr gut, dieses Leben in zwei Heimaten“, knüpft er noch einmal an das Motto des Tages an. Und er nennt ein Beispiel: In Deutschland habe er gelernt, dass es wichtig sei, sein Gegenüber bei einem Gespräch anzusehen, um Aufmerksamkeit und Respekt zu signalisieren. „Meinem tunesischen Vater würde ich dagegen bei einer Unterhaltung nie direkt in die Augen schauen, das wäre respektlos.“ Es gebe also völlig gegensetzliches Verhalten, das aber im jeweiligen Umfeld das gleiche ausdrücke. Nur sei dies eben kulturelle Tradition und habe nichts mit dem Glauben zu tun. „Das muss einem aber erst klar werden.“

Angeregte Diskussionen in der Teestube der Hicret Moschee in der Neustadt (rechts). Tayfon Koyuncu erklärt bei einer Führung die Funktion der sogenannten Mihrāb, die stets in Richtung Mekka ausgerichtete Gebetsnische, vor der er steht (links).
Angeregte Diskussionen in der Teestube der Hicret Moschee in der Neustadt (rechts). Tayfon Koyuncu erklärt bei einer Führung die Funktion der sogenannten Mihrāb, die stets in Richtung Mekka ausgerichtete Gebetsnische, vor der er steht (links). (Christina Kuhaupt)

Sammeln von Wissen

Tayfun Koyuncu sagt, für den gläubigen Moslem zähle vor allem lebenslanges Lernen und das Sammeln von Wissen. Was klingt, wie ein Kommentar zu Bedouis Erfahrungen, erzählt Koyuncu ganz unabhängig davon auf der anderen Weserseite in den Lehrräumen der Hicret Moschee in der Neustadt. Das ist eher die klassische Hinterhofmoschee mit einem sehr viel einfacheren Gebetsraum, auch sie ist heute gut besucht. „Wir haben Flyer in der Nachbarschaft verteilt und ganz viele Menschen auch persönlich angesprochen“, erklärt der 35-Jährige.

Gut dreimal so viele Besucher wie im Vorjahr sind das Ergebnis. Auch hier gibt es Gruppenräume und eine Teestube als Treffpunkt. Sie ist gut gefüllt. Bei Gebäck und Kaffee diskutiert eine Frauengruppe sehr angeregt. Koyuncu zeigt bei einer kleinen Führung die Lehrräume, die tatsächlich wie Klassenzimmer einer Schule aussehen. „Sagen wir ruhig Koranschule“, meint er, denn darum gehe es hier: Unterricht im korrekten hocharabisch, um den Koran und die Schriften des Propheten im Original lesen zu können.

Für Koyuncu ist dies Prävention gegen Islamisten. Denn nur wer die Schriften genau kenne und lesen könne, erkenne auch, wenn ein Salafist mit verkürzten Koranversen, unzulässigen Quellen und fragwürdigen Interpretationen zu fundamentalistischen Schlussfolgerungen komme.

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Leserkommentare
suziwolf am 22.10.2019 07:55
Hallo, @Max ...

Das Gesagte bzw. die negativen ,Erfahrungen mit anderen Banken‘
kann voll unterstrichen werden.

Auch ...
reswer am 22.10.2019 07:54
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