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Strittiger Plan gegen Verkehrsinfarkt in der Überseestadt

Jürgen Theiner 31.03.2018 22 Kommentare

 Ein typisches Bild aus der Nordstraße: Wer am späten Nachmittag aus der Überseestadt herauskommen will, muss sehr häufig sehr viel Geduld mitbringen.
 Ein typisches Bild aus der Nordstraße: Wer am späten Nachmittag aus der Überseestadt herauskommen will, muss sehr häufig sehr viel Geduld mitbringen. (Frank Thomas Koch)

Wie lässt sich der drohende Verkehrsinfarkt in der Überseestadt abwenden? Grundlage der Überlegungen ist das Gutachten zum „Integrierten Verkehrskonzept Überseestadt“ (IVK), das seit Herbst vergangenen Jahres vorliegt. Darin wird ein ganzes Bündel kurz-, mittel- und langfristiger Maßnahmen beschrieben.

Als eines der zentralen Projekte gilt dabei ein Durchstich zwischen Hafen- und Nordstraße. Die Gegner dieses Vorhabens haben sich bereits zu einer Bürgerinitiative formiert. Die Verkehrsbehörde unterstreicht nun ihre Dialogbereitschaft. In einem Papier, mit dem sich der Senat am kommenden Dienstag beschäftigen wird, heißt es ausdrücklich, dass es noch keine Festlegung auf das Neubauvorhaben gebe.

Dass in der Überseestadt Handlungsbedarf besteht, bezweifelt niemand. Schon heute staut sich der Autoverkehr auf den wichtigsten Routen vor allem während der Stoßzeiten. Wer am späten Nachmittag aus der Überseestadt herauskommen will, muss oft Geduld mitbringen. Ohne eine stark verbesserte Infrastruktur wird die Überseestadt in einigen Jahren an ihrem eigenen Verkehr ersticken. Das zeigt das IVK-Gutachten in aller Deutlichkeit.

Für den Prognosehorizont 2030 werden darin eine Verzehnfachung der Bewohnerzahl auf gut 11.000 und ein Anstieg der Beschäftigtenzahl über alle Branchen um 50 Prozent auf dann etwa 18.000 vorhergesagt. Das IVK-Gutachten stellt wesentlich darauf ab, die dadurch bedingten Verkehrszuwächse vom Auto auf andere Verkehrsträger zu verlagern – vor allem also auf Bus und Straßenbahn, auf eine verbesserte Erreichbarkeit per Rad und eine Fährverbindung zwischen Hafenkante und Waterfront auch an Werktagen.

Da der motorisierte Individualverkehr aber ein wichtiger Verkehrsträger bleiben wird, müssen auch für ihn Lösungen gefunden werden. Im IVK-Gutachten, das die Stadt bei zwei Dresdner Fachbüros bestellt hatte, wird als wesentlicher Baustein ein Durchstich zwischen der Hafen- und der Nordstraße empfohlen, und zwar knapp unterhalb des sogenannten Heimatviertels, eines früheren Hafenarbeiterquartiers von hoher städtebaulicher Qualität.

Schallschutzwand soll Lärmemissionen abpuffern

Von der Schaffung einer solchen Verbindung versprechen sich die Planer insbesondere eine Entlastung der Durchgangsstraße Hansator zwischen Konsul-Smidt-Straße und Nordstraße. Kehrseite: Auf die Hafenstraße käme spürbar mehr Verkehr zu. Gerechnet wird mit rund 5000 Fahrzeugen pro Tag. Eine Schallschutzwand parallel zur Heimatstraße soll die Lärmemissionen abpuffern. Den Anwohnern gefällt diese Perspektive allerdings nicht.

Im vergangenen Jahr gründete sich bereits eine Bürgerinitiative, die befürchtet, dass ihr Quartier durch die Mauer zu einer „bewohnten Verkehrsinsel“ wird. Auch der zuständige Fachausschuss des Waller Beirates hat sich klar gegen den Durchstich positioniert. „Wir sagen Nein zum Ausbau eines neuen Knotenpunktes an der Hafenstraße“, hieß es im Herbst 2017 in einer Entschließung des Gremiums.

In den Konflikt hat sich die Bürgerschaftsfraktion der Linken mit einer Großen Anfrage eingeschaltet. Im Entwurf der Senatsantwort, die dem WESER-KURIER vorliegt, bekennt sich die Behörde zwar weiterhin zur Idee des Durchstichs. Er sei am besten geeignet, die Verkehre aus der Überseestadt frühzeitig auf die Hafenrandstraße (Nordstraße) zu lenken und dadurch das Verkehrsnetz in der südlichen Überseestadt zu entlasten.

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Zugleich wird aber Gesprächsbereitschaft signalisiert. Auf die Frage, ob sich die Verkehrsbehörde bereits auf den Durchstich festgelegt habe, antwortet der Senat mit einem klaren „Nein". Die Frage der Realisierung sei „abhängig vom weiteren Umsetzungs- und Beratungsprozess“. Zudem wird versichert, dass planungstechnisch keine Fakten geschaffen werden sollen, bevor die zuständigen parlamentarischen Gremien über die Umsetzung des IVK und die Bereitstellung entsprechender Planungsmittel beschlossen haben.

Die Linken sehen in dem möglichen Durchstich zwischen Hafenstraße und Nordstraße keine effektive Entlastung der Überseestadt. Es räche sich nun, dass bei der Planung des neuen Ortsteils "nicht gleich von Anfang an eine tragfähige Verkehrsinfrastruktur mitgedacht wurde", kritisiert Verkehrspolitikerin Claudia Bernhard. Sie geht davon aus, dass die Verkehrsbehörde versuchen wird, den Durchstich trotz der Einwände durchzusetzen. "Probleme, die dadurch entstehen, werden bagatellisiert", so Bernhard. Ihr Fazit: "Was da jetzt gemacht wird, ist sehr kurzsichtig."


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Leserkommentare
Majajanosch am 23.10.2019 17:07
Geschenke? Da sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge teilen kommen beispielsweise bei mir knapp 500€ runter vom Bruttoverdienst. Im jetzigen ...
suziwolf am 23.10.2019 17:03
Womit Sie den Punkt getroffen haben
@Kretschmar 🎯 ...

Nur, der ,schwarz arbeitende‘ 🎅🏿
(🙊🙈🙉)
hätte nichts davon.
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