Wetter: Regen, 9 bis 17 °C
Sparkassen-Areal am Brill
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Tauziehen um die vier Türme

Jürgen Hinrichs 16.06.2019 16 Kommentare

So sieht der Entwurf von Daniel Libeskind aus. Die vier Türme sind unterschiedlich hoch und ragen bis zu 98 Meter auf.
So sieht der Entwurf von Daniel Libeskind aus. Die vier Türme sind unterschiedlich hoch und ragen bis zu 98 Meter auf. (Studio Libeskind)

Bei den Plänen für den Bau von vier Türmen auf dem Sparkassengelände am Brill hat es nach zwei Monaten Stillstand wieder etwas Bewegung gegeben. Die Vertreter des Investors trafen sich jetzt mit hochrangigen Abgesandten aus dem Bau- und dem Wirtschaftsressort, um das weitere Vorgehen zu beraten. „Es geht dabei insbesondere um die Frage, wie verbindlich das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs ist, den wir vor anderthalb Jahren für das Areal veranstaltet haben“, erklärt Jens Tittmann, Sprecher der Baubehörde, auf Anfrage des WESER-KURIER.

Damals war mit einer Bruttogeschossfläche von maximal 40 000 Quadratmetern geplant worden. Mittlerweile ruft der Investor fast das Doppelte auf und lässt auch in anderer Hinsicht den Wettbewerb außer acht. Planen soll nicht der Gewinner, das Architekturbüro Robertneun aus Berlin, sondern der US-amerikanische Star-Architekt Daniel Libeskind.

Investoren sind zwei Brüder aus Israel

Der Entwurf von Libeskind enthält Häuser, die wie Orgelpfeifen aufgestellt sind. Die Höhen reichen bis zu 98 Meter, ein Maß, das in der Innenstadt bisher nur vom Dom erreicht wird. Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki, ein entschiedener Gegner der Pläne, spricht von „Horizontverschmutzung“. Nach Weisung der Kulturbehörde, der Skalecki untersteht, muss er solche Äußerungen künftig unterlassen.

Die Investoren auf dem Sparkassengelände sind zwei Brüder aus Israel. Pinchas und Samuel Schapira hatten angekündigt, sofort nach der Übernahme des 11 000 Quadratmeter großen Grundstücks mit Abriss und Neubau zu beginnen. Stehen bleiben soll lediglich das historische und denkmalgeschützte Sparkassengebäude mit der imposanten Kassenhalle.

Mehr zum Thema
Gastkommentar über die Libeskind-Türme: Star-Architektur ist von gestern
Gastkommentar über die Libeskind-Türme
Star-Architektur ist von gestern

Eine bemerkenswert sorglose Modernisierungs-Euphorie ohne historischen Rückhalt scheint in dem ...

 mehr »

Der deutsche Projektentwickler, den die Schapiras beauftragt haben, möchte vom Bremer Senat am liebsten noch in diesem Jahr eine Grundsatzentscheidung, ob die vier Türme nun gebaut werden dürfen. Noch fehlen dafür allerdings die Details der Planung, es gibt bislang nur die Skizzen von Libeskind. Deshalb hat sich für das mehrere Hundert Millionen Euro teure Projekt auch noch kein Gestaltungsbeirat gebildet, wie es vorgesehen ist.

„Dafür, dass der Investor die Messlatte beim Zeitplan so hoch gehängt hat, ist der Prozess bisher ein bisschen langsam vorangekommen“, sagt Tittmann. Es sei deshalb wohltuend, dass der Termin für weitere Absprachen endlich stattgefunden habe. Die Teilnehmer hätten auch darüber gesprochen, in welcher Form die Bevölkerung in die Planung eingebunden werden könne. Der Gestaltungsbeirat allein reiche dafür nicht aus.

Eine notwendige Diskussion

Die Bremer Architektenkammer hat unterdessen ausgeschlossen, sich an solch einem Beratergremium zu beteiligen. Sie lehnt den Libeskind-Entwurf rundweg ab. „Der Ruf nach Stararchitektur hat sich leider zu oft als Ruf nach einfachen Wahrheiten herausgestellt“, schreibt Kammerpräsident Oliver Platz in seiner Stellungnahme. Besser sei es, kollektive Intelligenz zu nutzen, mit der Beteiligung der Bürger und einem weiteren Architekturwettbewerb.

„Schwierig finde ich zudem, dass die im damaligen Werkstattverfahren erarbeitete Ausnutzung des Grundstücks in dem nunmehr vorgeschlagenen Entwurf deutlich überschritten wird“, erklärt Platz. Falls es klappen sollte, der Stadt so viel Nutzfläche abzuringen, habe der Investor ein gutes Geschäft gemacht. „Wenn nicht, gibt man das Grundstück zurück, und der, der so gepokert hat, hat nichts verloren.“

Oliver Platz, Präsident der Bremer Architektenkammer.
Oliver Platz, Präsident der Bremer Architektenkammer. (Karsten Klama)

Der Kammerpräsident erlebt in der Diskussion über die Libeskind-Türme nach eigener Aussage oft eine Haltung, die er mit „Mal was anderes“ beschreibt. „In meinen Ohren klingt das aber nicht nach einer Eins mit Sternchen, sondern nach einer allgemeinen Unzufriedenheit gegenüber der derzeitigen Architekturproduktion“, so Platz. Nichts Neues, meint er, die Zunft kenne das. „Wenn wir gewöhnlich bauen, sind wir zu langweilig. Wenn wir außergewöhnlich bauen, sind wir zu exaltiert.“ Eine Diskussion, die notwendig sei und seine Kollegen immer wieder antreibe, Qualität zu liefern.

Die Sparkasse wird ihr Gelände am Brill im Oktober kommenden Jahres räumen und in den neuen Hauptsitz der Bank an der Universität umziehen. Bis dahin müsste nach den Vorstellungen des Investors von der Bürgerschaft ein neuer Bebauungsplan verabschiedet und der Bauantrag genehmigt worden sein. So oder so sind die Schapiras aber auf der sicheren Seite, wie Oliver Platz richtig annimmt. Die Sparkasse hat den beiden Brüdern bis Ende 2020 das Recht eingeräumt, vom Kauf zurückzutreten.

Mehr zum Thema
Neubauentwurf für Sparkassengelände: Rüffel für Landeskonservator wegen Kritik an Libeskind-Plänen in Bremen
Neubauentwurf für Sparkassengelände
Rüffel für Landeskonservator wegen Kritik an Libeskind-Plänen in Bremen

Der Chef der Landesdenkmalpflege, Georg Skalecki, soll sich mit öffentlicher Kritik am ...

 mehr »

Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 17 °C / 9 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Gewitter.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 70 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige