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Tiny Houses werden zum Trend

Lisa Boekhoff 18.01.2019 5 Kommentare

Ein Traum für Minimalisten: Im Tiny House findet nur das Wichtigste seinen Platz.
Ein Traum für Minimalisten: Im Tiny House findet nur das Wichtigste seinen Platz. (Frank Thomas Koch)

Das Häuschen ist ein Hingucker auf der Hansebau. Tiny House nennt sich das Zuhause der Minimalisten. Wie sieht es wohl darin aus? Was heißt es, wenn diese wenigen Quadratmeter zum Leben reichen müssen? Es ist fast alles da: ein Wohnzimmer mit schmalem Sofa, ein Schlafzimmer unterm Spitzdach und ein Bad. Die Heizung hängt wie ein Bild flach an der Wand und kann als Schiefertafel für Notizen benutzt werden. Übersichtlich, aber gemütlich.

Gebaut hat das Häuschen Tischlermeister Don Ehrenbrink. Warum suchen sich Menschen ein kleines Zuhause? „Viele Leute wollen sich von der Konsumgesellschaft distanzieren. Sie sagen: Ich brauche den ganzen Quatsch nicht“, erklärt er die Beweggründe. Der 34-Jährige beobachtet auch, dass es seinen Kunden um Entschleunigung geht, darum Ruhe zu finden.

Die Idee war geboren

Auf der Bremer Baumesse zeigt Ehrenbrink von der Tischlerei Wöhltjen in Achim den Besuchern neben Tischen, Küchen und Schränken sein Tiny House. Gleich nebenan betreibt Bettina Huhn den Messestand für das Teppichhaus Tönsmann. Die Idee findet Huhn reizvoll und kann sich sogar vorstellen, selbst in einem Tiny House zu leben. „Ich hab’ das alles gehabt in großer Form. Das brauche ich nicht mehr. Das ist nur Ballast. Besitz belastet.“

Eigentlich waren die vier Wände nur als besonders mobiler und schnell aufzubauender Messestand für die Tischlerei gedacht. Doch als das Haus vor ein paar Jahren auf der Hansebau stand, hieß es: „Eure Möbel sind schön. Aber wo kriegen wir denn das Haus her?“ Die Idee war geboren. Die Nachfrage nach den Mini-Häusern sei groß und das deutschlandweit – in Bremen und Niedersachsen, von Berlin bis Bayern. „Der Markt wächst.“

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Nicht immer geht es um ein Eigenheim. In Leipzig wolle jemand Häuschen kaufen und diese wie frei stehende Hotelzimmer anbieten, andere Kunden wünschen sich ein Ferienhaus auf Kreta. Denkbar sei das Tiny House auch als Gästehaus oder Sauna, sagt Ehrenbrink. „Oder als Büro – mitten im Grünen.“ Die Größe kann variieren: von fünf bis sieben Meter Länge bei einer Breite von 2,55 Meter. Es gibt auch Häuser, die permanent auf Anhängern stehen und damit immer beweglich bleiben.

Ehrenbrink kümmert sich derzeit fast ausschließlich um die Tiny Houses. Entwurf und Umsetzung liegen allein in seinen Händen. Der Tischler will den Kunden, die schon einen Kompromiss beim Platz eingingen, alle Wünsche erfüllen: „Ich will nichts von der Stange anbieten.“ Los geht es mit einem Preis von 25 000 Euro. Der Trend der Mini-Häuser kommt aus Amerika. Doch ganz einfach ist der Umzug nicht für den, der selbst im Häuschen leben will, sagt Ehrenbrink. „Es träumen sehr viele davon, aber es ist nicht so, dass das immer realisierbar ist.“ Das Baurecht der Gemeinden, die Infrastruktur, Wasserleitungen, das alles seien Herausforderungen. „Dass es völlig autark funktioniert, ist eine Illusion.“ Und die neuen Bewohner selbst müssten sich zunächst vorbereiten und alles reduzieren.

Kleingärten als Ort angedacht

Mark Christiansen will genau das tun. In seinem Projekt „Tiny House Bremen“ geht es gerade voran. Zusammen mit sieben Mitstreitern sucht er eine Fläche in der Stadt, um dort mehrere Mini-Häuser aufzustellen und als eine Art kleines Dorf zu bauen: reduziert, ökologisch, nachhaltig und in Gemeinschaft. Das Interesse sei groß. „Wir haben da einen wunden Punkt getroffen“, sagt Christiansen, der die Gruppenmitglieder als Wohnpioniere sieht. Bisher war das Grundstück ein Knackpunkt. Doch derzeit laufen Gespräche mit der Stadt und den Gartenfreunden Bremen.

Die erste Tiny-House-Siedlung in der Stadt könnte nun entstehen. „Wir wollen bei der Debatte dabei sein“, erklärt Wolfgang Golasowski, im Vorstand des Landesverbands der Gartenfreunde, das Engagement. Oft gebe es den Eindruck, Kleingärtner seien die „Ewig­gest­ri­gen“, obwohl sie ganz am Anfang ihrer Geschichte Entwicklungen in den Städten anstießen. „Das ist leider etwas verloren gegangen.“ Nun soll das anders werden. Der Verein könne sich vorstellen, sagt Golasowski, dass Tiny Houses die brachliegenden Kleingärten im Westen beleben. Schon nächste Woche wollen sich die Gruppe und die Kleingärtner wieder zusammensetzen und an der Idee arbeiten.

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Die Tiny-House-Bewegung sieht Jens Tittmann, Sprecher des Bauressorts, positiv. Oft ging es den Bewohnern darum, sich selbst zu versorgen etwa mit eigenem Strom. Der ökologische Anspruch sei sehr begrüßenswert. Doch es dürfe nicht vergessen werden, dass Bremen eine Großstadt sei und es Bedarf für Mehrfamilienhäuser gebe. „Tiny Houses lassen sich eben nicht aufeinanderstellen“, sagt Tittmann. Doch gerade Flächen, die zu schmal geschnitten oder schwer zu erschließen seien, könnten für die Mini-Häuser gerade richtig sein und letztlich als alternative Lebensform interessant werden. Mark Christiansen freut sich über die Unterstützung aus dem Ressort. Dort sei man sehr aufgeschlossen.

Tischler Don Ehrenbrink kann sich dagegen nicht vorstellen, mit seiner Familie, seiner Frau und dem Kind, in ein Tiny House einzuziehen. Er wohne derzeit auf dem Land und brauche Freiraum. „Außerdem bin ich Handwerker. Ich muss mich etwas verwirklichen können.“


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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

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