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Trotz Umbaus anhaltende Komplikationen am Stern

Justus Randt 08.08.2019 11 Kommentare

Der Stern, ewige Herausforderung für alle Verkehrsteilnehmer. Nach Einschätzung der Verkehrsbehörde ist der Kreisel durch den Umbau viel sicherer geworden.
Der Stern, ewige Herausforderung für alle Verkehrsteilnehmer. Nach Einschätzung der Verkehrsbehörde ist der Kreisel durch den Umbau viel sicherer geworden. (Frank Thomas Koch)

Mehr als 900.000 Euro hat der Umbau des Verkehrsknotenpunktes „Am Stern“ vor zwei Jahren gekostet. Die Verkehrsbehörde, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) und der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) sind sich einig, dass sich die Investition in die Verkehrssicherheit des komplizierten Kreisels gelohnt hat. Dennoch gibt es Verbesserungsbedarf, genauer: Der Verein Fachverband Fußverkehr Deutschland, „Fuss“, und der ADFC fordern Nachbesserungen, wie die Entschärfung winkliger Bordsteine und eine eindeutigere Radspurführung an der Kreiselausfahrt Hermann-Böse-Straße. Seit Donnerstag können Radfahrer, die in der Stadt Glasscherben auf Radwegen wahrnehmen, heikle Stellen in der Verkehrsführung oder andere Probleme, den neuen Online-Mängelmelder nutzen.

„Wir wollen wissen, was den ganz normalen Radfahrer stört“

„Erst mal geht es um die Dokumentation“, sagt Albrecht Genzel, Verkehrsreferent beim ADFC. „Wir glauben, es gibt ein großes Potenzial von Leuten, die Rad fahren würden, denen das aber aus subjektiven oder objektiven Gründen zu unsicher ist. Wir wollen wissen, was den ganz normalen Radfahrer stört und was ihm aus Laiensicht auffällt.“ Das vom Senator für Umwelt, Bau und Verkehr für zwei Jahre mit 20.000 Euro geförderte Projekt basiert auf demselben Programm, das die Bremer Stadtreinigung seit Jahren als Müllmelder nutzt: Wer illegale oder gar gefährliche Hinterlassenschaften entdeckt, kann sie online melden.

Dass das auch per Handy von unterwegs funktioniert, ist für Radfahrer eine praktische Angelegenheit. Sie müssen sich keine Ortsbezeichnung merken, sondern können auf dem Smartphone über die Bremen-Karte navigieren und mit Hilfe unterschiedlicher Symbole – Schneeflocke steht hier für Glasscherben – auf die jeweiligen Probleme oder Hindernisse hinweisen. Der ADFC schickt die Informationen an die Stadtreinigung oder, wenn beispielsweise ein Verkehrsschild fehlt, an das Amt für Straßen und Verkehr. Und im Idealfall wird der Missstand beseitigt.

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„Damit erhoffen wir uns, im Laufe des Projekts ein ziemlich vollständiges Bild zu erhalten, wo und warum die Bremer bestimmte Infrastruktur als störend, als radfahrhemmend empfinden“, teilt der ADFC mit. Gut möglich, dass es bei den Mängelmeldungen Überschneidungen mit den Forderungen der Klubs kommt. Angelika Schlansky von „Fuss“ bemängelt „nach wie vor“, dass es nicht an jeder der fünf Straßeneinmündungen des Kreisels „sichtbare Hinweise für Autofahrer und Radfahrer auf die Fußgängerfurten“ gebe.

Albrecht Genzel hatte im vergangenen Jahr bereits auf rechtwinklige Bordsteine hingewiesen, die eine kleine Verkehrsinsel an der Parkallee-Einmündung in den Stern einfrieden. Wer aus Richtung Universität komme und mit dem Rad, zumal mit Anhänger, in der Kreisverkehr einbiege, müsse dies im spitzen Winkel tun, dabei sei die Sturz- und Kippgefahr wegen der Kantsteine groß. „Das ist unmöglich, da gehören abgeschrägte Bordsteine hin“, sagt er. Wer den Stern aus entgegengesetzter Richtung auf der rot als Fahrradstraße markierten Parkallee ansteuert, wird als Radler mit einem Vorfahrt-Achten-Zeichen konfrontiert. „Dass das nicht auch auf die Kraftfahrzeugspur aufgebracht ist, ist unlogisch“, meint Genzel.

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Dabei liegt für den ADFC-Referenten auf der Hand, dass die Situation am Stern „objektiv und aus planerischer Sicht besser geworden“ ist. Grundsätzlich ist sich Genzel da einig mit dem ADAC-Vorstand für Verkehr und Technik im Bezirk Weser-Ems, Fritz Buchtmann. Der meint, dass „die eine oder andere Gefahrenstelle entschärft“ worden sei durch den Umbau. „Aber im Endeffekt ist die Örtlichkeit der Gefahrenpunkt.“ Zu den fünf Straßeneinmündungen kommt schließlich noch die Straßenbahn, die den Stern in zwei Richtungen durchquert. Wer über den Stern will, „muss viele Sachen auf einmal beherrschen“, sagt Genzel.

Auch die Statistik der Polizei zum Unfallgeschehen am Stern erscheint auf den ersten Blick nicht ganz verständlich: Im Jahr 2014 gab es dort 68 Verkehrsunfälle (mit 26 beteiligten Radfahrern) und sank kontinuierlich bis 2017, dem Jahr des Umbaus. Da waren es 46 Unfälle (20). Im vergangenen Jahr lag die Zahl bereits wieder bei 67 (29). Albrecht Genz hat keine verkehrstechnische Erklärung dafür. Wohl aber Jens Tittmann, Sprecher des Verkehrssenators. Er geht davon aus, dass seit 2014 unverändert rund 25.000 Kraftfahrzeuge pro Tag den Stern passieren. 2014 seien dort rund 5500 Radfahrten am Tag gezählt worden, im vergangenen Jahr seien es dort wegen des warmen Sommers zwischen 10.000 und 11.000 Radfahrten täglich gewesen. Also rund doppelt so viele Radfahrer bei etwa gleicher Anzahl der Unfälle. Die Verkehrsunfallkommission behält den viel befahrenen Kreisel im Blick. Die planerischen Möglichkeiten seien ausgeschöpft, heißt es in einem internen Papier der Baubehörde. Bliebe nur noch, den Stern zur Ampelkreuzung zu machen.


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Leserkommentare
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