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Eiswett-Novizen im Portrait
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Über den Beginn einer Freundschaft

Sigrid Schuer und Kim Torster 12.01.2019 0 Kommentare

Dirk Sänger (v.l.), Caspar Plump, Patrick Tillery, Philip W. Herwig, Hermann Bosse und Thomas Ull mussten sich mit einer Aufführung empfehlen. Beim Fototermin fehlte Heinz Beekmann.
Dirk Sänger (v.l.), Caspar Plump, Patrick Tillery, Philip W. Herwig, Hermann Bosse und Thomas Ull mussten sich mit einer Aufführung empfehlen. Beim Fototermin fehlte Heinz Beekmann. (Koch (1)/Assanimoghaddam/dpa (1))

Zwischen die sieben Novizen, die für das Jahr 2019 vom Präsidium in den Kreis der Eiswett-Genossen berufen wurden, passt kein Blatt Papier. Das vermitteln alle sieben Bremer Kaufleute, die sich zum Teil zuvor noch gar nicht untereinander kannten. Der Teamgeist stehe im Vordergrund, betonen sie unisono, und dieser präge auch das Fest der Freunde, dass das Eiswettfest im Selbstverständnis der Genossen sei. Im Vordergrund steht, ganz hanseatisch, die Sache: die Traditionsveranstaltung der Eiswette von 1829 als Imagefaktor und Werbung für Bremen. Und eben nicht die eigene Persönlichkeit, darauf legt Philip W. Herwig, Firmenchef bei Röhlig Logistics, als Sprecher der Novizen stellvertretend für seine Novizen-Kollegen großen Wert.

Man könnte das Credo der Eiswett-Genossen und ihrer Novizen auch kurz und bündig so zusammenfassen: „Alles für Bremen“. Und so sehen sich auch die Novizen als Markenbotschafter für die Hansestadt. Ihre vornehmste Aufgabe ist es dabei, den mäzenatischen Geist der Bremer Kaufleute zu fördern und aufrecht zu erhalten. Einige von ihnen setzen bereits viele Generationen in Folge die Leitung ihrer Bremer Familienunternehmen fort. Die langfristige wirtschaftliche Ausrichtung samt Mitarbeiterbindung sei ihnen wichtig und nicht die kurzfristige Performance, betonen sie. Trotzdem sei es wichtig, von längerfristigen Auslandsaufenthalten aus anderen Teilen der Welt viele gute Ideen mitzubringen.

„Es ist uns eine große Freude, eventuell bald Teil dieser 190 Jahre alten, gelebten Tradition zu werden. Das ist schon ein tolles Gefühl“, sagt Herwig. Die Novizen werden, so ist der Brauch, immer am dritten Sonnabend eines neuen Jahres auf dem Eiswettfest, also dieses Jahr am 19. Januar, mit einem Aufnahmeritual offiziell in den Kreis der Eiswett-Genossen aufgenommen. Gegen Ende der mehrstündigen Veranstaltung legen sie ihren Eid auf die Frau Weser und das dampfende Bügeleisen des Eiswett-Schneiders alias Peter Lüchinger ab. Wenn dann die Chemie so perfekt stimme wie in diesem Jahr, dann könne Großes entstehen, sagt Dirk Sänger, Geschäftsführer bei dem traditionsreichen Asien-Handelsunternehmen C. Melchers, nämlich eine Freundschaft für's Leben.

Anfang des vergangenen Jahres wurde die Liste der neuen Novizen, die vom Präsidium bestimmt wurden, veröffentlicht. Es folgten diverse Treffen und relativ schnell war klar: Die Konstellation stimmt. Und so haben die sieben Novizen denn auch bereits einen gemeinsamen Ski-Kurzurlaub ins Auge gefasst – natürlich erst, wenn das Eiswettfest passé ist. Nur mit Teamgeist lassen sich die selbst gestellten Aufgaben wie am Schnürchen lösen, sagen sie. Denn am Abend des Dreikönigstages, nachdem mittags die eigentliche Eiswette am Punkendeich gelaufen ist, empfehlen sich die Novizen final in einer intimen, privaten Veranstaltung noch einmal dem Präsidium mit einer eigens ausgetüftelten, humoristischen Aufführung für die Aufnahme in die Eiswett-Genossenschaft. „Beides ist schon ein Erlebnis für uns gewesen“, sagt Novizen-Sprecher Herwig.

In diesem Jahr sind sie in der festlich mit Kandelabern erleuchteten Werfthalle der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) gewesen, um dort ihr Schauspiel aufzuführen, die eigene Persönlichkeit und das, was die Gruppe ausmacht, authentisch herüberzubringen. Denn der DGzRS, auch das ist Tradition, fließt die größte Einzelspende des Jahres von Seiten der Eiswett-Genossen und ihrer auswärtigen Gäste beim Stiftungsfest zu. Dirk Sänger empfindet es als besondere Ehre, als gebürtiger Süddeutscher nun in den Kreis der Eiswett-Genossen aufgenommen zu werden. Er vergleicht Bremen mit Hans Christian Andersens Märchen, in dem ein hässliches Entlein zum schönen Schwan wird. „Bremen ist schon eine tolle, lebenswerte Stadt“, sagt er.

Und sein Mitnovize Hermann Bosse, Geschäftsführer von Henry Lamotte Oils, ergänzt: „Nur, wer zu sich selber steht, kann selbstironisch sein“. Außerdem würde ohnehin niemand solch einen feinen Humor von den Bremern erwarten – der Humor sei also ein positiver Überraschungseffekt. Bremen positiv zu verkaufen und gleichzeitig zu veralbern gehe dabei sehr gut zusammen, sagt Bosse.

Und eben auf den feinen, intelligenten Humor legen die Eiswett-Genossen nicht nur am Punkendeich, sondern gerade auch beim Eiswettfest am 19. Januar viel wert. Die Reden seien dabei mit ihren alljährlichen Witzen über Bremens Politik und Gesellschaft nicht nur sehr unterhaltend, sondern auch jedes Jahr wieder hochaktuell. „Da steckt sehr viel Arbeit und Mühe dahinter“, sagt Bosse. Sehr treffend würden sie die Missstände und Eigenheiten Bremens auf den Punkt bringen. Und so seien nicht nur die Reden, sondern auch das Miteinander mit allen Beteiligten locker und fröhlich.

Die Novizen im Porträt

Der Auswärtige

Thomas Ull ist promovierter Wirtschaftsprüfer und Partner bei PWC (Pricewaterhousecoopers), einer weltweit tätigen Unternehmensberatung, die in Bremen ihren Sitz am Domshof hat. Dort kümmert er sich um Familienunternehmen und den Mittelstand. Ull hat einen Diplom-Abschluss in Betriebswirtschaftslehre und einen Magister-Abschluss in Steuerwissenschaften der Universität Osnabrück. Er ist gebürtiger Emsländer und lebt in Fischerhude. An Bremen schätzt er besonders das Hanseatische und „alles, was damit zu tun hat“. „In Bremen“, so Ull, „wird die Hanse gelebt.“

Der Engagierte

Hermann Bosse ist Geschäftsführer von Henry Lamotte Oils, studierter Diplom-Kaufmann und Historiker. Er lebte in Berlin, Heidelberg und Hamburg, bevor er die „bewusste Entscheidung“ fällte, wie er sagt, nach Bremen zurückzukehren. Seit sechs Jahren wohnt der Bremer nun wieder in der Hansestadt. Privat spiele für ihn die Familie eine große Rolle, sagt Bosse. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Zusätzlich ist er Mitglied des Kuratoriums der Diakonischen Jugendhilfe. „In Bremen“, sagt er, „wird man positiv dazu genötigt, sich zu engagieren.“

Der Globetrotter

Patrick Tillery ist Geschäftsführer des Familienunternehmens Battermann und Tillery, einem Havariekommissariat mit Hauptsitz in Bremen. In dieser Funktion ist er außerdem als vereidigter Sachverständiger der Bremer Handelskammer für die Bewertung von Güterschäden zuständig. Tillery ist gebürtiger Bremer und lebt gemeinsam mit seiner Frau und einer Tochter in Horn. Nach seiner kaufmännischen Ausbildung arbeitete er unter anderem in Aus­tralien, Irland und Frankreich. An Bremen schätzt Tillery die hohe Lebensqualität, wie er sagt.

Das Phantom

Heinz Beekmann ist Volljurist und Geschäftsführer der Armonea-Deutschland-Gruppe. Der 48-Jährige ist 1992 nach Bremen gekommen, um sowohl Rechts- als auch Politikwissenschaften zu studieren. Bis vor sechs Monaten war Beekmann Geschäftsführer bei AB Inbev. Er bezeichnet sich selbst als „überzeugten Bremer“ und Werder-Fan. Derzeit pendelt er zwischen Bremen, Berlin und Jever. Dort leben Beekmanns Frau und drei Töchter. Unter den Novizen wird Beekmann spaßeshalber als „das Phantom“ bezeichnet, da er an mehreren Terminen wegen beruflicher Verpflichtungen nicht teilnehmen konnte.

Der Sprecher

Philip W. Herwig hat International Business Management im britischen Chelmsford studiert. Unmittelbar nach dem Studium war er in Hamburg tätig. Bis 2011 gewann er für Weiss-Röhlig in Dubai Neukunden in den Sektoren See- und Luftfracht und leitete die Verkaufsorganisation. Im Anschluss war Herwig von Boston aus für die See- und Luftfrachtverkehre zwischen Europa und den USA verantwortlich, bevor er im Januar 2015 Geschäftsführer bei Röhlig Logistics wurde. Damit ist er in sechster Generation in Folge in dem Bremer Familienunternehmen präsent.

Der Asienexperte

Dirk Sänger absolvierte zunächst in Konstanz eine Lehre bei der Deutschen Bank. 1987 begann er seine Laufbahn bei dem Asien-Handelshaus C. Melchers, zunächst in Hongkong. Unterbrochen wurde seine Tätigkeit für Melchers durch ein Studium des Industrial-Marketing in der Schweiz, gefolgt von Führungsaufgaben bei einem süddeutschen Textilunternehmen. Anschließend war er für Melchers 17 Jahre lang unter anderem in Taiwan und Schanghai tätig. Vor neun Jahren kehrte Sänger nach Bremen zurück und ist seit 2014 Geschäftsführer bei C. Melchers.

Der Bodenständige

Caspar Plump studierte zunächst an der Private University of Applied Sciences FHDW Hannover Betriebswirtschaftslehre. Anschließend war er in einem Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen tätig, gefolgt von einem MBA-Studium an der Purdue University, Krannert Graduate School of ­Management im US-amerikanischen Indiana. Schließlich kehrte er in das angestammte Bremer Familienunternehmen zurück, in dem er nun bereits in fünfter Generation ­tätig ist: Im November 2016 übernahm er bei Tiemann Truck and Bus und bei Tiemann Landtechnik die operative Geschäftsführung.

Weitere Informationen

Die Bremer Eiswette besteht 2019 seit 190 Jahren. Das traditionsreiche Herrenfest ist ursprünglich aus einem gesellschaftlichen Unterhaltungsclub bremischer Männer entstanden, in dem auch gekegelt und Karten gespielt wurde, bis eines Tages einer der Freunde eine Wette vorschlug, die überregionale Bedeutung erlangen sollte: Jeder sollte wetten, ob am nächsten Dreikönigstag die Weser zugefroren sein würde oder eben nicht. Und um klar zu definieren, wann nun die Weser wirklich zugefroren sei, wurde festgelegt, dass sie so zugefroren sein müsse, dass ein 99 Pfund schwerer Schneider sie samt eines heißen Bügeleisens trockenen Fußes überqueren können müsse. Seit 1908 wird das kabarettistische Spektakel der Eiswette immer am 6. Januar alle Jahre wieder am Punkendeich durchgeführt.

Das Eiswettfest wird dann alljährlich immer am dritten Sonnabend eines neuen Jahres gefeiert und zwar im Congess Centrum Bremen. Die Wirtschaft und die Weser stehen dabei im Mittelpunkt des mehrstündigen Festes, zu dem jährlich 800 Teilnehmer kommen – Eiswett-Genossen und ihre Freunde aus aller Welt. Neben dem Eiswett-Präsidenten halten die beiden prominenten Ehrengäste Reden. Die von den Tischältesten durchgeführte Sammlung kommt der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zugute; für diese privat finanzierte Organisation stellt die Sammlung regelmäßig die größte Einzelspende dar.


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Leserkommentare
linde79 am 20.10.2019 17:58
Wie wäre es denn, wenn man auch mal die Qualität der Lehrer und Lehrerinnen hinterfragte? Wie wäre es in Anbetracht der Bildungsmisere, die ...
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

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