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Überzeugen statt Ordnungsstrafen

Willi Lemke 20.09.2019 0 Kommentare

Statt Stafen oder Verbote sollen die Bremer zum weniger Auto fahren überzeugt werden, meint Willi Lemke.
Statt Stafen oder Verbote sollen die Bremer zum weniger Auto fahren überzeugt werden, meint Willi Lemke. (Rainer Jensen/dpa)

Droht Bremen eine neue Ordnungswut? Das jedenfalls ist mein Gefühl angesichts vielfältiger Informationen über geplante Veränderungen, die in dieser Stadt möglicherweise bevorstehen. Vor wenigen Tagen war in dieser Zeitung zu lesen, dass mehr Geld für Fußgänger gefordert wird, damit sie sicherer und bequemer von A nach B kommen können. Zwei Millionen Euro und einen Fußgängerbeauftragten plus sieben weitere Mitarbeiter in der zuständigen Behörde fordern acht Bremer Organisationen in einem Manifest für Verbesserungen zugunsten der Fußgänger.

Gegen dieses grundsätzliche Ziel ist absolut  nichts einzuwenden, aber um es zu realisieren, sollen nicht nur die genannten Forderungen umgesetzt werden, sondern auch verstärkt Ordnungsmaßnahmen eingesetzt werden. So tauchten in dem Bericht wieder die 100 Leute vom Ordnungsdienst auf, die wir ja schon seit dem Koalitionsvertrag kennen. Wenn ich das richtig verstanden habe, sollen die neuen Ordnungshüter dann auch in die Stadtteile ausschwärmen und die unzähligen Falschparker ausfindig machen, die auf dem Fußweg aufgesetzt parken, wo es eigentlich nicht zulässig ist.

Nicht alle aufgesetzten Autos sollen bestraft werden

Da gibt es dann in Bremen reichlich zu tun, denn die vielen recht schmalen Straßen in Bremen bieten nicht genügend Platz. Ohne das aufgesetzte Parken werden Tausende von Parkplätzen entfallen. Um nicht missverstanden zu werden: Dort, wo aufgesetzte Autos das Passieren für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen unmöglich machen, muss es Bußgelder geben, aber die Forderung der „Fußgängerinitiative“, alle aufgesetzten Autos als Falschparker zu bestrafen, geht weit über das Ziel hinaus.

Auf Dauer sehe ich nur zwei Möglichkeiten, in den Wohnvierteln mehr Raum für Fußgänger zu schaffen: Quartiersgaragen oder der Verzicht aufs eigene Auto. Aber muss man die Menschen so lange quälen, bis sie ihr Auto abschaffen?  Besser ist es, sie zu überzeugen, dass es sinnvoller für alle ist, wenn nicht jeder sein eigenes Auto hat, das die meiste Zeit nur rumsteht und Raum blockiert. Da sehe ich mit Freude, dass immer mehr Menschen in den Stadtteilen das Car-Sharing, die flexible Ausleihe von Autos auf Zeit, nutzen. Warum nicht diese Art des gemeinsamen Nutzens steuerlich bevorteilen? Und sollten wir nicht das ÖPNV-Angebot attraktiver und auch preiswerter gestalten?

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Für diejenigen, für die das eigene Auto unverzichtbar ist, wäre dann vermutlich ausreichend Platz für den so reduzierten Pkw-Anteil. Der Weg dahin ist nicht einfach. Das zeigen die Erfahrungen mit dem Ausbau des Radwegenetzes, der leider längst nicht so zügig vonstatten geht wie geplant. Meines Erachtens ist die Verkehrsumstellung nur durch viel Überzeugungsarbeit in den Stadtteilen und durch ein nachbarschaftliches Miteinander auf Dauer erreichbar. In meiner Nachbarschaft ist ein solches Miteinander täglich spürbar. Wegen des seit Jahrzehnten (!) maroden Kopfsteinpflasters radeln sehr viele vorsichtig auf dem Bürgersteig. Die meisten haben dafür Verständnis, obwohl es nicht erlaubt ist.  

Mir ist im Augenblick in Bremen ein wenig zu viel von Verboten, Ordnungsdiensten und Strafen die Rede, so als müssten die Bremerinnen und Bremer neu erzogen werden, und zwar streng. Jüngst nach dem schrecklichen Unfall mit einem SUV in Berlin kam unsere Bau- und Umweltsenatorin Maike Schaefer ganz schnell mit der Forderung nach höheren Gebühren für diese Autos in Parkhäusern um die Ecke. Das sind Signale, die nicht dazu geeignet sind, die Menschen für notwendige Entwicklungen und Umstellungen zu gewinnen. Versuche der Bevormundung durch die Politik helfen nicht, sondern reizen zum Widerstand und spalten die Gesellschaft. Wir haben derzeit eine ganze Reihe von Verhaltensänderungen zu verarbeiten: Flugreisen meiden, Fleisch- und Milchkonsum reduzieren, auf Plastik verzichten, E-Scooter ertragen und so weiter. Das fällt nicht immer leicht. Je mehr wir uns aus Überzeugung dabei umstellen, umso eher gelingt es uns, diese Ziele zu erreichen. Androhung von Ordnungsmaßnahmen sorgen für Ärger.

Zur Person

Willi Lemke (73)

schreibt jeden Sonnabend im WESER-KURIER über seine Heimatstadt und was ihn in dieser Woche in Bremen bewegt hat.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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