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Hochbau am Werdersee
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Umbauplanungen der Gartenstadt

Karin Mörtel 06.06.2019 2 Kommentare

(Frank Thomas Koch)

Kochen kann man in dieser Küche noch lange nicht, dafür ist aber bereits der Kabelsalat angerichtet. Ordentlich aufgerollt hängen die Elektroleitungen in Reih und Glied von der Decke in dem unfertigen Rohbau in der Gartenstadt Werdersee. Es wird wohl noch etwas dauern, bis auf dem Haus auch das zweite Stockwerk mit Dach sitzt und daraus schließlich mit reichlich Putz, Farbe, Parkett und Fliesen ein wohnliches Reihenhaus entsteht.

Ein Schritt ins Freie aus dem Erdgeschoss über eine Holzplanke durchs Türloch eröffnet den Blick über die ehemalige Wiese neben dem Huckelrieder Friedhof. Und dort werkeln Bauarbeiter und Handwerker parallel bereits vielerorts an den ersten 27 Reihenhäusern, die alle in einem unterschiedlichen Baustadium sind. Fortlaufend gießen Betonbauer neue Grundplatten auf das vorbereitete Erdreich, Eisenflechter fügen Stahlelemente ein und dann rücken die Maurer an und verkleben große Kalksandstein-Würfel zu Wänden rings um künftige Wohnzimmer, Gäste-WCs, Abstellkammern und Küchen.

So ist die Bebauung der Gartenstadt am Werdersee geplant.
So ist die Bebauung der Gartenstadt am Werdersee geplant. (Grafik Weser Kurier)

Dann kommt eine provisorische Zwischenplatte obendrauf und die Elektriker haben ihren Auftritt bis die vorgefertigten Deckplatten als Basis für das nächste Stockwerk geliefert und eingebaut sind. Bei einigen der bereits angefangenen Rohbauten fehlt nur noch das Obergeschoss, dann können Ende Juni die Fenster kommen. Jedes Gewerk rückt dorthin vor, wo die anderen gerade fertig sind. „So ist Leerlauf ein Fremdwort für uns und keiner steht den anderen auf den Füßen rum“, sagt Uwe Schierloh und blickt zufrieden auf das geschäftige Treiben.

Er ist Geschäftsführer der Projektgesellschaft Gartenstadt Werdersee (PGW) und hat das Ziel vor Augen, dass die ersten Käufer ab Dezember einziehen können. Die PGW ist ein Zusammenschluss der Bremer Firmen Interhomes, Gebrüder Rausch und Dr. Hübotter Grundstücksgesellschaft und wird in dem Neubaugebiet insgesamt etwa 260 Reihen- und Doppelhäuser errichten. Dazu plant die PGW auch den Bau von Eigentumswohnungen direkt hinterm Deich am Werdersee.

Doch für diese Mehrfamilienhäuser sind die Planungen noch nicht abgeschlossen, weshalb die genaue Zahl der Wohnungen noch unklar ist. Eine Bürgerinitiative hatte sich im Vorfeld gegen ein dortiges „Hochhaus am Werdersee“ gewehrt, daher werden die künftigen Eigentümer maximal im fünften Stock statt im siebten wohnen können. Gerade erst hat ein Architekturwettbewerb zum Aussehen des Gebäudekomplexes stattgefunden und mit dem Bremer Büro Hilmes Lamprecht Architekten einen renommierten Gewinner hervorgebracht.

Das Büro hat für das Stephani-Quartier die moderne Interpretation von traditionellen Packhäusern entworfen. Der PGW gehört mit sieben Hektar ein Großteil des Baulandes vor Ort, etwa zwei Hektar hat die Gesellschaft außerdem an die teilstädtische Wohnungsbaugesellschaft Gewoba verkauft. Diese wird in zehn weiteren Mehrfamilienhäusern etwa 250 Mietwohnungen errichten, den Löwenanteil davon als Sozialwohnungen.

Das aus seiner Sicht mit einem Negativimage belegte Wort benutzt der Vorstandsvorsitzende der Gewoba, Peter Stubbe, allerdings nicht gern. Er spricht lieber von „geförderten Wohnungen, die jede Bremer Durchschnittsfamilie beziehen kann.“ Welche Einkommensgrenzen für den Bezug geförderter Neubauwohnungen gelten, ist im Infotext unten erklärt.

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In Bremen hat man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und zieht keine abgeschotteten, großen Sozialwohnungs-Siedlungen am Stadtrand mehr in die Höhe, wie es in der Nachkriegszeit üblich war. Die Gewoba baut jetzt verteilt über die Stadt geförderte Wohnungen. In der Gartenstadt Werdersee entstehen sie zusätzlich verstreut über das ganze Baugebiet, „sogar in Bestlage direkt hinterm Deich, damit wir eine Mischung haben, mit der sich alle wohlfühlen können“, sagt Stubbe. Vorne an der Habenhauser Landstraße hebt bereits ein mächtiger Bagger Erde aus der Baugrube für das erste Haus.

31 öffentlich geförderte Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen werden Platz in dem gestaffelt angeordneten Gebäude haben, das wegen des stärkeren Straßen- und Fluglärms am Rand des Neubaugebietes mit extra dicken Wänden und Schallschutzglas ausgestattet sein wird. Der Start für den Bau von zwei weiteren Mietshäusern wird etwa zum Jahreswechsel direkt nebenan an der Zufahrt zum Neubaugebiet sein.

In den Gewoba-Häusern am Zugang zum Baugebiet können im Erdgeschoss auch Gewerbetreibende einziehen. Damit die Gartenstadt Werdersee keine Schlafsiedlung wird, sondern ein urbanes Quartier, in dem die Bewohner auch Einkaufen können und weitere Angebote vorfinden. „Die Quartiersentwicklung verstehen wir als unsere Aufgabe und davon werden auch die Anlieger profitieren“, sagt Stubbe. Ob es am Ende Arztpraxen sein werden oder andere Dienstleistungen hängt noch stark von der Nachfrage ab. Klar ist nur, dass ein Supermarkt neben der Einfahrt zum Neubaugebiet kommen soll.

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Eine öffentliche Kindertagesstätte, sowie eine Senioreneinrichtung und eine Wohngruppe für unterstützungsbedürftige Mädchen stehen ebenfalls in den Plänen der Gewoba-Architekten. Das Schulgrundstück am Rand zum Friedhofsgelände wird vorerst leer bleiben.

Die Stadt hat es sich vertraglich gesichert, um dort in den kommenden Jahren auch eine Grundschule für die Gartenstadt-Kinder sowie die Nachbarskinder aus Habenhausen bauen zu können. Der genaue Zeitplan dafür ist allerdings noch nicht zu erfahren. Zusammen wollen die Bauherren in der Gartenstadt Werdersee nach eigenen Angaben 200 Millionen Euro investieren.

Zur Sache

Öffentlich geförderte Wohnungen

Für den Bezug einer geförderten Wohnung ist immer ein Wohnberechtigungsschein – bekannt als B-Schein – notwendig. Wer hierfür berechtigt ist, hängt vom Einkommen ab. Die Grenzen liegen bei Neubauwohnungen wesentlich höher als bei bestehenden Wohnungen. Dort dürfen die geltenden Einkommensgrenzen um bis zu 60 Prozent überschritten werden.

So hat beispielsweise ein Sozialhilfeempfänger ebenso Anspruch auf den B-Schein für eine Neubauwohnung wie eine fünfköpfige Familie mit einem jährlichen Brutto-Einkommen von bis zu 73 686 Euro. Das Beispiel zeigt, dass der Anspruch auf eine geförderte Wohnung häufiger als vielfach angenommen besteht.

Nähere Informationen und Antragsformulare für den B-Schein sind im Internet zu finden unter www.bauumweltbremen.de in der Rubrik „Bau“ und dann im Bereich „Wohnen und Fördern“.

Weitere Informationen

Artikelreihe zum Neubaugebiet Gartenstadt Werdersee

Bis zum Jahr 2024 will die Projektgesellschaft Gartenstadt Werdersee (PGW) gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft Gewoba ein neues Wohnquartier am linken Weserufer errichten. In unserer Artikelreihe „Bautagebuch Gartenstadt Werdersee“ werden wir fortlaufend diese Entwicklung begleiten.

Jeder Teil der Reihe nimmt einen besonderen Aspekt des Großprojektes in den Blick: Von der Erschließung über den Hochbau bis hin zur Vermarktung und dem Abschluss der Arbeiten. Dabei sprechen wir beispielsweise mit Käufern und Verkäufern, Bauleitern, Grünplanern und lassen auch Kritiker des Bauvorhabens zu Wort kommen. Im Herbst wird in unserem dritten Teil zu lesen sein, wie die Bauherren Aspekte der Nachhaltigkeit im Neubaugebiet berücksichtigen.


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Leserkommentare
peteris am 21.10.2019 12:30
Vielleicht wissen wir am 1.11. um 11:11h mehr.


Sie meinen sicher den 11.11. um 11:11h?
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
[auch wieder] eine gemeinsame Währung -

Das britische £ - Sterling -
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