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Demo gegen Konzert
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Umstrittener Auftritt von Frei.Wild in Bremen

Sara Sundermann 13.04.2018 9 Kommentare

Etwa 200 Demonstranten fanden sich am Freitag bei strömendem Regen auf der Bürgerweide ein.
Etwa 200 Demonstranten fanden sich am Freitag bei strömendem Regen auf der Bürgerweide ein. (Dustin Weiss)

Schon im Vorfeld sorgte der Auftritt der Südtiroler Deutschrock-Band Frei.Wild für Polarisierung. Am Freitag demonstrierten rund 200 Menschen auf der Bürgerweide gegen ein Konzert der Band, die am Abend in der ÖVB-Arena auftrat.

Feministischer Rap und schwarz gekleidete Linke auf der einen Seite, national gesonnener Deutschrock und ebenfalls schwarz gekleidete Freiwild-Fans auf der anderen Seite: Im strömenden Regen trafen junge Leute aus zwei Lagern aufeinander. Die Polizei, die mit einem Dutzend Mannschaftswagen vor Ort war, sorgte dafür, dass sich beide Gruppen nicht näher kamen, und winkte die Fans zum Eingang der Konzerthalle durch. Es gab beleidigende Gesten und verbale Pöbeleien zwischen Fans und Demonstranten, aber die Protestaktion verlief auch laut Polizei friedlich.

Frei.Wild bekennt sich zu einer konservativen Wertehaltung, distanziert sich aber von Rechtsextremismus inklusive Absagen an Pegida und die AfD. Die Texte der Gruppe handeln oft in martialischer Sprache vom Kampf gegen nicht näher genannte Feinde, von Heimatliebe und Tradition. Die Inhalte von Frei.Wild-Songs seien nicht offen rechts, aber bewusst anschlussfähig für die rechte Szene, werfen Kritiker der Band vor. In ihren Songs gibt es Zeilen wie "Wir sind die Deutschrock-Armee" oder "Ich dulde keine Kritik an diesem heiligen Land, das unsere Heimat ist" (bezogen auf die Heimat der Band, Südtirol). Über "Gutmenschen und Moralapostel" singen sie, diese seien Kokser und Kinderschänder und ließen die Geschichte nicht ruhen.

"Oft wird argumentiert, dass die Band nicht verboten sei und ihre Songs nicht auf dem Index stünden, aber gesellschaftliche Verantwortung beginnt nicht erst dort, wo etwas strafbar ist", sagte Grünen-Politikerin Kai Wargalla, die den Protest mitorganisiert hatte. "Wir akzeptieren keinen völkischen Nationalismus, keine frauenfeindlichen und antisemitischen Texte, wie sie bei Frei.Wild zu finden sind." Durch Bands wie Frei.Wild werde solches Gedankengut normaler, sie verschöben die Debatte nach rechts. Zum Bremer Bündnis gegen Frei.Wild gehört unter anderem der Verein Clubverstärker, in dem 28 Veranstaltungsorte in Bremen und im Umland organisiert sind: von Lagerhaus, Schlachthof und Tower über Schwankhalle, Karton, Fehrfeld, Haus am Walde bis zum Sendesaal. Auch Vertreter der Linksjugend Solid, der Grünen Jugend und Studierendenvertreter beteiligten sich an dem Protest.

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Fans der Südtiroler Band bestritten, dass die Band rechtes Gedankengut verbreite, begründeten dies aber nicht konkreter: "Die sind nicht rechts, das ist einfach nur gerade aus Rock'n'Roll", sagten zum Beispiel zwei junge Anhänger der Band.

Kritiker wie Wargalla wollen Auftritte von Frei.Wild nicht verbieten, fordern aber, die Stadt solle der Band keine Bühne bieten. Die ÖVB-Arena als kommunale Einrichtung müsse die vom Grundgesetz geschützte Freiheit der Kunst akzeptieren, sagte Andreas Adolph, Leiter der ÖVB-Arena: "Da die Band Frei.Wild keinem Verbot unterliegt, sind wir gehalten, uns neutral zu verhalten, und müssen den Anspruch der Künstler auf einen Zugang zur Halle akzeptieren.“

Frei.Wild ist auch in Deutschland sehr erfolgreich und belegt derzeit Platz 2 der deutschen Album-Charts. Die ÖVB-Arena verkaufte nach eigenen Angaben 7000 Tickets für das Konzert in Bremen.

Trotz Regens: Demonstration gegen das Konzert von
Trotz Regens: Demonstration gegen das Konzert von "Frei.Wild" in Bremen. (Vanessa Ranft)
Etwa 200 Menschen fanden sich auf der Bürgerweide zusammen.
Etwa 200 Menschen fanden sich auf der Bürgerweide zusammen. (Vanessa Ranft)

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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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